Affenpocken-Ausbruch: «Hätte auch bei einer heterosexuellen Swingerparty passieren können»
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Affenpocken-Ausbruch«Hätte auch bei einer heterosexuellen Swingerparty passieren können»

Der Affenpocken-Ausbruch in mehreren Ländern ist wohl auf zwei Raves zurückzuführen, an denen Männer Sex mit Männern hatten. Die Weltgesundheitsorganisation warnt vor Stigmatisierung. Auch Aids Schweiz ist besorgt.

von
Daniel Graf
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In den sozialen Medien versuchten einige, aus den Affenpocken eine «Schwulenkrankheit» zu machen. 

In den sozialen Medien versuchten einige, aus den Affenpocken eine «Schwulenkrankheit» zu machen. 

20min/Matthias Spicher
Am Samstag wurde in Bern der erste Fall in der Schweiz gemeldet.

Am Samstag wurde in Bern der erste Fall in der Schweiz gemeldet.

via REUTERS
Die WHO und die Aids-Hilfe Schweiz stellen klar: «Affenpocken sind keine Schwulenkrankheit.» 

Die WHO und die Aids-Hilfe Schweiz stellen klar: «Affenpocken sind keine Schwulenkrankheit.» 

WHO/Nigeria Centre for Disease Control

Darum gehts

«Affenpocken sind keine Schwulenkrankheit.» Das sagte Andy Seale, Berater der WHO für globale sexuell übertragbare Infektionskrankheiten, am Montag in einer Fragerunde. «Wir sehen zwar einige Fälle bei Männern, die Sex mit Männern haben, aber es handelt sich nicht um eine Schwulenkrankheit, wie einige in den sozialen Medien versucht haben, sie zu bezeichnen», stellte Seale klar.

Ursprung für die Mutmassungen und Stigmatisierungen in den sozialen Medien war, dass Experten davon ausgehen, dass es zu Übertragungen beim Sex an zwei Raves in Belgien und Spanien gekommen sei.

«Hätte auch an einer heterosexuellen Swingerparty passieren können»

Florian Vock von der Aids-Hilfe Schweiz ist froh um so klare Aussagen: «Es gibt keine logische Erklärung, weshalb Affenpocken auf sexuelle Identität zurückzuführen sein sollten», sagt Vock. Klar sei, dass enger Körperkontakt vonnöten sei. «Es ist allgemein bekannt, dass es beim Sex dazu kommt. Ob aber Männer oder Frauen miteinander Sex haben, spielt für die Übertragung der Affenpocken gemäss aktuellem Wissensstand keine Rolle.» Dass es ausgerechnet an Events, wo Männer miteinander Sex haben, zu mehreren Übertragungen gekommen sei, sei vermutlich einfach Zufall.

Für Vock ist es wichtig, dass das transparent kommuniziert wird: «Menschen, die einem Risiko ausgesetzt gewesen sein könnten, müssen darüber informiert werden. In diesem Fall sind das eben die Männer, die an diesen Partys Sex hatten. Der Ausbruch hätte aber genauso gut an einer heterosexuellen Swinger-Party passieren können.»

«Ausgrenzung ist Treiber für Epidemien»

Vock warnt vor Stigmatisierungen. «Einer der grössten Treiber einer Epidemie ist erwiesenermassen gesellschaftliche Ausgrenzung. Das haben wir schon bei Aids und danach auch bei Corona gesehen.» Sobald die Leute Angst hätten, diskriminiert zu werden oder Hass ausgesetzt zu sein, wenn sie eine Krankheit hätten, fürchteten sie sich vor der Diagnose. «Das führt dazu, dass Menschen sich trotz Symptomen weniger testen lassen. Man redet sich ein, das sei schon nicht so schlimm und könnte auch etwas anderes sein.»

Dabei ist es laut Vock gerade am Anfang extrem wichtig, dass Menschen mit Symptomen sich in ärztliche Untersuchung begeben. «Niemand kann etwas dafür, wenn er oder sie sich mit Affenpocken oder einer anderen Krankheit ansteckt. Niemand soll sich dafür schämen oder vor der Diagnose Angst haben müssen. Nur so können Fälle frühzeitig erkannt und weitere Ansteckungen verhindert werden.» Sollten betroffene Männer Hemmungen haben, sich bei Symptomen beim Hausarzt zu melden, können sie sich auch telefonisch bei Checkpoints oder anderen Fachstellen für sexuelle Gesundheit melden.

Männer, die mit Männern Sex haben, müssen laut Vock nun auch nicht übertrieben vorsichtig sein: «Es ist für schwule Männer sicher nicht nötig, jetzt auf Sex zu verzichten. Bei Hautausschlägen, geschwollenen Lymphknoten, Fieber und Gliederschmerzen lohnt es sich für Männer, die Sex mit Männern haben, in jedem Fall, eine medizinische Fachperson zu konsultieren.» Denn diese Symptome können, und das sei im Moment viel wahrscheinlicher, von einer sexuell übertragbaren Infektion wie Syphilis stammen. «Solche Krankheiten kommen im Gegensatz zu Affenpocken häufig vor.» 

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