Aktualisiert 16.02.2004 13:56

Aids-Impfung bald Realität?

Erstmals geht in Deutschland ein Impfstoff gegen die tödliche Immunschwächekrankheit Aids in die Testphase. Mit der Vermarktung des Impfstoffes ist allerdings erst in sieben bis acht Jahren zu rechnen.

An den Universitätskliniken Hamburg-Eppendorf und Bonn sollen Freiwillige bis Anfang März eine Schutzimpfung erhalten, wie der wissenschaftliche Leiter der Studie, Jan van Lunzen, am Montag in Berlin mitteilte. Dabei wird der Impfstoff zunächst auf seine Verträglichkeit getestet. Die Wirksamkeit soll später in Entwicklungsländern erprobt werden. Mit der Vermarktung ist den Angaben zufolge frühestens in sieben bis acht Jahren zu rechnen.

Der Präsident des Robert-Koch-Instituts (RKI), Reinhard Kurth, bezeichnete Aids als «die grösste medizinische Katastrophe der Neuzeit». Bei weltweit über 40 Millionen HIV-Infizierten könne die Krankheit nur mit einem Impfstoff bekämpft werden. Es sei eine moralische Pflicht, auch deutsches Wissen für die Forschung zu nutzen, erklärte Kurth. Eine Impfung gegen Aids werde besonders in Afrika und Südostasien dringend gebraucht, wo die Ausbreitung der Seuche weiter erschreckend gross sei. Zudem hätten die Menschen dort kaum Zugang zu den Medikamenten, mit denen in Europa und den USA die Krankheit bekämpft werden.

Studienleiter van Lunzen erklärte, eine Ansteckung durch den Test-Impfstoff sei ausgeschlossen. Die Impfung nutze nur drei der insgesamt neun Gene des HI-Virus. Der Impfstoff sei gegen den HIV Subtypus C gerichtet, der vor allem in Afrika und Südostasien verbreitet sei - nicht gegen die in Europa und den USA vorherrschenden Virusvarianten.

Vermarktung frühestens in sieben bis acht Jahren

Van Lunzen wies darauf hin, dass der Impfstoff zunächst auf seine Verträglichkeit und Sicherheit getestet werde. Dazu benötige man die klinischen Voraussetzungen von Ländern wie Deutschland. Die Phase zwei und drei der Testreihe werde in den Entwicklungsländern stattfinden. Dort werde die Wirksamkeit des Mittels erprobt.

RKI-Präsident Kurth zeigt sich sehr optimistisch. Ein so erprobter Impfstoff könne in kurzer Zeit auch für andere HIV-Virustypen entwickelt werden könne. «Wir wären froh, wenn ein Kochrezept funktionieren würde.» Anders als bislang gescheiterte Impfstoffentwicklungen stimuliere das Mittel die Immunabwehr und die Bildung von Antikörpern gegen den HI-Virus.

Die Studie werde in Partnerschaft mit der Internationalen Aids-Impfstoffinitiative (IAVI) und dem Biotechnologie-Unternehmen Targeted Genetics durchgeführt, erklärte der europäische Direktor von IAVI, Frans van den Boom. Etwa 30 Impfstoffe würden zur Zeit weltweit in Phase eins geprüft.

(dapd)

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