13.06.2014 13:37

Helikopter-StreitAir-Glaciers droht das Grounding

Eine EU-Richtlinie, die bei Luftrettungen nur Helikopter mit zwei Motoren erlaubt, bedroht die einst stolze Air-Glaciers in ihrer Existenz. Für das Bazl ein Spiessrutenlauf.

von
dia

Verletzte Wanderer und Skifahrer aus den Bergen zu retten ist ein Geschäft. Eine EU-Richtlinie hat den Zwist zwischen den Rettungsfirmen Rega und Air-Glaciers neu entfacht, berichtet die «Berner Zeitung». So verlangt die Europäische Union, dass für Rettungen nur noch zweimotorige Helikopter eingesetzt werden dürfen. Das Bundesamt für Zivilluftfahrt (Bazl), das letztlich entscheidet, welche Aufträge von Bern nach Brüssel geschickt werden, wird nun beidseitig bedrängt.

Die Rega, ausgerüstet mit 17 zweimotorigen Helikoptern, hofft auf die Übernahme der EU-Richtlinie - ganz im Gegensatz zur Konkurrentin Air-Glaciers. 19 von 20 Helikoptern sind bei Air-Glaciers einmotorig. Handelt also die Schweiz bis Oktober keine Ausnahme aus, darf die Helikoptergesellschaft nur noch Tannen und Betonkübel transportieren.

Laut dem Zeitungsbericht ist damit die Existenz der Firma bedroht. So kämpfe Air-Glaciers bereits jetzt mit finanziellen Engpässen. Aus dem vergangenen Jahr sollen Rechnungen von gesamthaft 2,6 Millionen Franken ausstehend sein. Die Anschaffung von teuren zweimotorigen Helikoptern würde Air-Glaciers nicht überstehen, sind sich Experten sicher.

Bazl will Kompromiss

Befürworter halten Helikopter mit zwei Turbinen für sicherer. Das Bazl widerspricht allerdings. «Ein wissenschaftlicher Nachweis, dass zweimotorige Helikopter sicherer sind, existiert nicht», sagt Bazl-Sprecher Urs Holderegger gegenüber der «Berner Zeitung». Auch wenn es sich zeigen sollte, dass diese Helikopter geringfügig besser wären, würde das die hohen Anschaffungs- und Betriebskosten nicht rechtfertigen.

Generell verkommt die Angelegenheit für das Bazl zum Spiessrutenlauf. Das Bundesamt will den «Spielraum der EU ausreizen», dennoch wagt man nach Angaben der Zeitung nicht, sich komplett gegen die Richtlinie aus Brüssel aufzulehnen. Ein Kompromiss würde Air-Glaciers entgegenkommen. Verständlich, dass man bei der Rega keine Freude hat. «Warum sich das Bazl nun gegen die europäischen Vorschriften stellt, ist aus unserer Sicht nicht nachvollziehbar», wird Rega-Sprecherin Karin Hörhager zitiert.

Bei der Rega betont man, dass es einzig um die Sicherheit gehe. Die Regelung des Bazl sei «ein klarer Rückschritt, der letztlich nur dem Schutz der Air-Glaciers im Wallis dient», so Hörhager.

Deine Meinung

Fehler gefunden?Jetzt melden.