Stadt Zürich: Airbnb-Gastgeber wegen Sex-Attacke verhaftet
Aktualisiert

Stadt ZürichAirbnb-Gastgeber wegen Sex-Attacke verhaftet

Ein Mann, der über Airbnb Zimmer in Zürich anbietet, soll einen sexuellen Übergriff auf einen weiblichen Gast begangen haben. Er wurde am Dienstag festgenommen.

von
Marco Lüssi
Einem Zürcher Airbnb-Gastgeber wird ein sexueller Übergriff auf einen weiblichen Gast vorgeworfen. (Symbolbild)

Einem Zürcher Airbnb-Gastgeber wird ein sexueller Übergriff auf einen weiblichen Gast vorgeworfen. (Symbolbild)

Tilllate.com/Stevan Bukvic

Aus beruflichen Gründen war die Deutsche Kerstin W.* (28) in den letzten Tagen in Zürich – übernachtet hatte sie in einem Zimmer, das sie über Airbnb gebucht hatte. Am Dienstag um 6 Uhr wurde sie unsanft geweckt – von Zürcher Stadtpolizisten. Sie kamen, um ihren Gastgeber festzunehmen.

Grund für die Verhaftung ist offenbar ein sexueller Übergriff, den eine der früheren Zimmermieterinnen dem Mann vorwirft. Dies hatten die Polizisten W. gegenüber durchblicken lassen. «Sie wollten deshalb von mir genau wissen, wie er sich mir gegenüber verhalten hat», sagt W. zu 20 Minuten.

«Er war sehr aufdringlich»

Kerstin W. kann sich gut vorstellen, dass ihr Gastgeber seinen weiblichen Gästen zu nahe gekommen ist. «Mir gegenüber war er sehr aufdringlich», sagt sie. So habe er für sie kochen wollen, habe ihr Wein und Whisky angeboten und ihr einen Zeitungsartikel gezeigt, in dem es um die sexuelle Offenheit der deutschen Frauen ging. «Dabei wollte ich nur meine Ruhe – ich fühlte mich bei ihm so unwohl, dass ich mir schon überlegte, vorzeitig auszuziehen.» Die Festnahme des Mannes zeige ihr, dass ihr Gefühl sie nicht getäuscht habe. «Und ich bin natürlich sehr froh, dass mir nichts passiert ist.»

Entschieden hat W. sich für das Zimmer, weil auf Airbnb ein Paar als Gastgeber auftrat. «Das schien mir sicherer als eine Unterkunft bei einem Single-Mann. Im Vorfeld hatte ich auch immer nur mit der Frau per E-Mail Kontakt.» Einen Tag vor ihrer Ankunft in Zürich habe der Gastgeber ihr aber mitgeteilt, dass seine Freundin abwesend sein werde.

Weibliche Gäste lockte er mit einer Frau an

«Mittlerweile kann ich mir vorstellen, dass es die Frau gar nicht gibt und er ihre Existenz nur vorgetäuscht hat, um weibliche Gäste anzulocken», sagt W. «In der Wohnung gabs keine Anzeichen, dass dort eine Frau lebt – zum Beispiel keinerlei Frauenschuhe. Und in den Bewertungen der ehemaligen Gäste wird immer nur der Mann erwähnt.» Dies habe sie aber leider erst im Nachhinein gemerkt.

Marco Cortesi, Medienchef der Stadtpolizei Zürich, bestätigt die Verhaftung des Airbnb-Gastgebers auf Anfrage. Nähere Angaben zu den Vorwürfen gegen den Mann macht die Polizei aus Gründen des Persönlichkeitsschutzes nicht.

Ein ähnlicher Fall wurde im Dezember 2014 bekannt: Damals wurde ein Airbnb-Gastgeber aus Barcelona zu 12 Jahren Gefängnis verurteilt, weil er zwei US-Touristinnen sexuell missbraucht hatte.

Airbnb: «Probleme sind extrem selten»

Auf die Anfrage von 20 Minuten zur Festnahme des Zürcher Gastgebers reagiert Airbnb mit einem schriftlichen Statement von Cindy Southworth, einer US-Expertin für Frauensicherheit, die im Beirat von Airbnb sitzt. Darin heisst es, nichts sei für Airbnb wichtiger als die Sicherheit der Nutzer. «Millionen von Kunden hatten bereits ein sicheres Erlebnis mit Airbnb und Probleme für Gäste und Gastgeber sind glücklicherweise extrem selten.»

Das Team «Safety and Trust» (Vertrauen und Sicherheit) von Airbnb habe weltweit 200 Mitarbeiter – und in den seltenen Fällen, in denen Probleme auftreten würden, reagiere dieses Team «schnell und mitfühlend». Auch nutze Airbnb innovative Systeme, um verdächtige Aktivitäten zu erkennen.

*Name geändert.

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