Tourismus: Airbnb überholt bald die Basler Hotellerie
Aktualisiert

TourismusAirbnb überholt bald die Basler Hotellerie

Bislang war nicht bekannt, wie viele Betten in Basel über Airbnb gebucht werden können. Daten eines Airbnb-Watchblogs zeigen, dass das Angebot explodiert.

von
lha

6455 Betten in 3134 Zimmern wurden in Basel Ende Juli auf der Übernachtungsplattform Airbnb angeboten. Zum Vergleich: Das Angebot der Basler Hotellerie umfasst 7543 Betten. Bislang ging man von einem wesentlich kleineren Airbnb-Angebot in Basel aus. Die Zahlen, die die «BZ Basel» gestützt auf Daten des Watchblogs Inside Airbnb ermittelt hat, zeigen, dass im Basler Wohnungsmarkt längst kommerzielle Anbieter aktiv sind, die ganze Liegenschaften dem Wohnungsmarkt entziehen.

«Dass die Anzahl Betten so schnell und so stark zugenommen hat, hätte ich nicht gedacht», sagt Felix Hauser, Präsident von Hotellerie Suisse Basel gegenüber der «BZ Basel». Man spüre die Konkurrenz seit mindestens zwei Jahren, sagt Hauser weiter. Insbesondere während der grossen Messen. Allerdings verweist er darauf, dass auch die Zahl der Hotelbetten in Basel zugenommen hat. Trotzdem: Das Angebot explodiert förmlich. Im April 2016 gab es nach Daten von Inside Airbnb erst 4477 Betten in Basel.

Kommerzielle Anbieter dürften illegal operieren

Viele Anbieter operieren in Basel möglicherweise jenseits der Legalität. 224 Anbieter vermieten teilweise ganze Liegenschaften, der grösste hat 40 Zimmer im Angebot. Die Basler Regierung ging vor einem Jahr noch maximal von der Hälfte aus. Die Entwicklung steht in krassem Widerspruch zum geltenden kantonalen Wohnraumfördergesetz, das eine gewerbliche Nutzung von Wohnraum an eine Bewilligung knüpft. Es ist davon auszugehen, dass sich diese Anbieter um eine amtliche Erlaubnis foutieren.

Das Gastgewerbeinspektorat hat bereits einen Liegenschaftsbesitzer verklagt und erstinstanzlich Recht erhalten. Der Fall ist nun beim Appellationsgericht hängig. «Wir warten dieses Urteil ab, bis wir mit unserer Vollzugsstrategie weitermachen», sagt Amtsleiterin Luzia Wigger gegenüber der «BZ Basel». Die bisherige Praxis lässt aber kaum Interpretationsspielraum offen. Einer Wirtefamilie wurde unlängst die Bewilligung zum Führen eines Bed and Breakfast in einer Eigentumswohnung verwehrt, die diese extra zu diesem Zweck erworben hatte.

Verschärfte Wohnungsnot an Touristen-Hotspots

Airbnb weiss genau, dass ihr Geschäftsmodell politisch heikel ist. Dann nämlich, wenn an Orten mit chronisch knappem Wohnungsangebot durch Airbnb zusätzlich Wohnraum entzogen wird. Für die Besitzer der Wohnungen ist es oftmals lukrativer, die Betten an Touristen statt an dauerhafte Bewohner zu vermieten. In Barcelona oder auch New York kam es deswegen schon zu Protesten. Auch in Basel ist die Leerstandsquote mit 0,5 Prozent deutlich unter dem nationalen Durchschnitt von 1,3 Prozent.

Blackbox für Statistiker

Airbnb zählt in der Schweiz zur sogenannten Para-Hotellerie. Die Übernachtungszahlen werden in Basel statistisch nicht erhoben. Das liegt daran, dass Airbnb-Gäste keine Gasttaxen entrichten. Das Gasttaxen-Gesetz wird zurzeit aber überarbeitet, mit dem Ziel, die Para-Hotellerie zu integrieren. Vorgesehen ist, dass der Kanton mit Buchungsplattformen entsprechende Vereinbarungen abschliesst.

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Airbnb ist eines der ersten und erfolgreichsten Startups der sogenannten Sharing Economy. Das Unternehmen wurde 2008 in San Francisco gegründet.

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Keystone/Christian Beutler
Mittlerweile hat das Unternehmen in 190 Lämndern rund 4 Millionen Unterkünfte im Angebot. Wie viele es in der Schweiz sind, ist schwer zu eruieren.

Mittlerweile hat das Unternehmen in 190 Lämndern rund 4 Millionen Unterkünfte im Angebot. Wie viele es in der Schweiz sind, ist schwer zu eruieren.

Keystone/Gaetan Bally
Wer nach einer Unterkunft sucht, sieht jeweils nur einen Teil des tatsächlichen Angebots. Für Basel werden 300+ Unterkünfte angegeben. Wie viele es tatsächlich sind, wird aber nicht ersichtlich.

Wer nach einer Unterkunft sucht, sieht jeweils nur einen Teil des tatsächlichen Angebots. Für Basel werden 300+ Unterkünfte angegeben. Wie viele es tatsächlich sind, wird aber nicht ersichtlich.

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