18.12.2017 14:28

EntschädigungAirlines schulden Fluggästen 100 Millionen

Wegen Verspätungen und Annullierungen haben Passagiere viel Geld zugute. Doch kaum jemand fordert Entschädigungen bei den Airlines ein.

von
D. Benz
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Auch 2017 sind viele Schweizer Passagiere wegen Verspätungen und Ausfällen an den hiesigen Flughäfen gestrandet. So etwa in Zürich ...

Auch 2017 sind viele Schweizer Passagiere wegen Verspätungen und Ausfällen an den hiesigen Flughäfen gestrandet. So etwa in Zürich ...

Keystone/Siggi Bucher
... und in Genf. Wie das Portal Airhelp berechnet hat, hätten wegen Flugstörungen in diesem Jahr mehr als 276'000 Passagiere bei den Airlines Anspruch auf rund 100 Millionen Franken Schadenersatz.

... und in Genf. Wie das Portal Airhelp berechnet hat, hätten wegen Flugstörungen in diesem Jahr mehr als 276'000 Passagiere bei den Airlines Anspruch auf rund 100 Millionen Franken Schadenersatz.

Keystone/Salvatore di Nolfi
Zu Flugstörungen kommt es vor allem wegen Ziel-Flughäfen mit hohem Verkehrsaufkommen. Für Passagiere, die von der Schweiz aus starten, sind fünf Flughäfen in Bezug auf Verspätungen und Ausfällen besonders schlimm. Das sind die Top 5 der Problem-Reiseziele in Europa:

Zu Flugstörungen kommt es vor allem wegen Ziel-Flughäfen mit hohem Verkehrsaufkommen. Für Passagiere, die von der Schweiz aus starten, sind fünf Flughäfen in Bezug auf Verspätungen und Ausfällen besonders schlimm. Das sind die Top 5 der Problem-Reiseziele in Europa:

Boris Roessler

Stundenlanges Warten und mühsame Umbuchungen – verspätete und annullierte Flüge sind für Passagiere ein Graus. Für die entstandenen Umstände können die Fluggäste aber eine Entschädigung bei den Airlines einfordern.

Allein in diesem Jahr haben mehr als 276'000 Schweizer Passagiere wegen Verspätungen und Flugausfällen Anspruch auf rund 100 Millionen Franken, schätzt der Inkassodienst Airhelp. «Wir gehen davon aus, dass der geschuldete Betrag jedes Jahr ungefähr gleich gross ist», sagt Philippe Strässle von Airhelp zu 20 Minuten.

London Gatwick als Problem-Reiseziel

Bei den Passagieren handelt es sich um solche, die von den Flughäfen Zürich, Genf und Basel aus fliegen wollten und von Ausfällen oder Verspätungen von mindestens drei Stunden betroffen waren. Grund für die Störungen seien in der Regel grosse Zielflughäfen mit einer hohen Flugdichte, sagt Strässle. Für Passagiere, die von der Schweiz aus fliegen, ist der Ziel-Flughafen London Gatwick der häufigste Auslöser für Verspätungen und Ausfälle.

Welche Flughäfen laut Airhelp sonst noch viele Flugstörungen haben, sehen Sie in der Bildergalerie oben.

«Von selber kommen die Airlines nicht auf die Passagiere zu»

Der grösste Teil der Entschädigungssumme ist von den Airlines nicht gezahlt worden – obwohl Verspätungen und Ausfälle laut europäischem Reglement zu einer Entschädigung von bis zu 600 Euro berechtigen. Die Höhe des Betrags hängt laut Strässle von der Länge der Flugstrecke ab. Innerhalb von Europa sind daher Entschädigungen von 250 oder maximal 400 Euro möglich.

Allerdings wird die Entschädigung nicht automatisch ausgezahlt. «Von alleine kommen die Airlines nicht auf die Passagiere zu», so Strässle. Das würde für die Fluggesellschaften zu teuer werden. «Nur bei Überbuchungen melden sich die Airlines.»

Swiss schneidet nicht gut ab

Laut einem Fluggesellschaft-Ranking von Airhelp für die Winter-Saison 2016/2017 kommt Singapore Airlines in Bezug auf Servicequalität, Pünktlichkeit und den Umgang mit Entschädigungsforderungen auf Platz eins. Die Swiss liegt nur auf Platz 26.

Laut Strässle müssen Passagiere selbst aktiv werden, wenn sie zu ihrem Geld kommen wollen. Doch das passiere nur selten. «In Europa etwa nehmen nur 2 Prozent der betroffenen Passagiere die Entschädigung in Anspruch», so Strässle. Das Problem: Die meisten Passagiere wüssten gar nicht, dass sie dazu berechtigt seien. «Sie kennen ihre Rechte nicht», sagt Strässle. Er fordert daher die Passagiere auf, sich über ihre Rechte zu informieren.

Gebühr von 25 Prozent

Airhelp hat ein Geschäftsmodell daraus gemacht: Die Firma bietet Passagieren weltweit an, ihre rechtmässigen Entschädigungen einzutreiben. Im Erfolgsfall verrechnet Airhelp ihren Kunden eine Gebühr von 25 Prozent auf die Summe, die die Airline zahlt. Die Kosten für das Ticket können die Passagiere bei Bedarf separat zurückfordern. Normalerweise zeigten sich die Airlines diesbezüglich kulanter als bei der Entschädigung, so Strässle

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