Fliegen wird teurer - Airlines warnen vor höheren Ticketpreisen wegen EU-Klimapaket
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Fliegen wird teurerAirlines warnen vor höheren Ticketpreisen wegen EU-Klimapaket

Kerosin-Steuer, Bio-Kraft und mehr Geld für den Luftschadstoffausstoss: Die EU will das Fliegen grüner machen. In der Branche stossen die Pläne auf Kritik. Die Folge wären wohl höhere Ticketpreise.

von
Fabian Pöschl
Barbara Scherer
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Fliegen soll grüner werden, doch damit dürften die Ticketpreise steigen.

Fliegen soll grüner werden, doch damit dürften die Ticketpreise steigen.

20min/Marco Zangger
Bis 2030 will die EU den Ausstoss von Luftschadstoffen um 55 Prozent senken im Vergleich zu 1990. Das gab die EU-Kommission vergangene Woche bekannt.

Bis 2030 will die EU den Ausstoss von Luftschadstoffen um 55 Prozent senken im Vergleich zu 1990. Das gab die EU-Kommission vergangene Woche bekannt.

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Die Branche steht vor womöglich gewaltigen Mehrkosten: Alle Airlines, die EU-Flughäfen bedienen, wären betroffen – also auch die Swiss.

Die Branche steht vor womöglich gewaltigen Mehrkosten: Alle Airlines, die EU-Flughäfen bedienen, wären betroffen – also auch die Swiss.

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Darum gehts

  • Die EU will das Fliegen umweltfreundlicher gestalten.

  • Ein Plan der EU-Kommission sieht Massnahmen wie eine Kerosin-Steuer vor.

  • Durch die neuen Kosten drohen höhere Ticketpreise.

Die EU macht Tempo beim Klimaschutz. Bis 2030 will sie den Ausstoss von Luftschadstoffen um 55 Prozent senken im Vergleich zu 1990. Das gab die EU-Kommission vergangene Woche bekannt. Noch ist nicht sicher, wie der EU-Klimaplan umgesetzt werden soll.

Doch jetzt beginnt das grosse Rechnen, welche Folgen der Plan für die Wirtschaft hat. Analysen zu den Vorschlägen der Kommission zeigen, dass die Mehrkosten für die Luftfahrtbranche gewaltig wären, wie der «Tages-Anzeiger» schreibt. Alle Airlines, die EU-Flughäfen bedienen, wären betroffen – also auch die Swiss.

Zertifikate, Kraftstoff-Mix und Kerosin-Steuer

So sollen die Airlines künftig jedes Mal die Zertifikate für den Emissionshandel bei innereuropäischen Flügen bezahlen. Bisher gab es knapp die Hälfte dieser Zertifikate gratis. Die Preise dafür werden voraussichtlich auch steigen.

Die Fluglinien sollen auch bei allen Flügen mit Start in Europa dem Kerosin eine bestimmte Menge an nachhaltigem Kraftstoff beimischen. Der Anteil soll 2030 voraussichtlich fünf Prozent und 2050 dann 63 Prozent betragen.

Zudem soll es erstmals eine Kerosinsteuer für innereuropäische Flüge ab 2023 geben, die langsam steigen soll. Das gab es bisher nicht im internationalen Luftverkehr. Weil alle Mitgliedsländer dieser Steuer zustimmen müssten, gilt sie aber als wenig wahrscheinlich.

Acht Prozent höhere Kosten für Airlines

Die Gesamtkosten für die Airlines könnten dadurch um bis zu acht Prozent steigen, sagt Branchenanalyst Daniel Röska von Bernstein Research gegenüber dem Tagesanzeiger. Ohne höhere Preise wäre das nicht zu stemmen, so Röska. Zudem wären sie im Nachteil gegenüber aussereuropäischen Fluglinien, für die keine solchen Klimamassnahmen gelten.

Die internationale Luftfahrtvereinigung kritisiert die Pläne: Ihr Chef Willie Walsh sagt, dass damit der Branche benötigtes Geld für modernere Flugzeuge entzogen werde. Zudem brauche es keine Überzeugung beim Klimaschutz mehr. Die europäischen Airlines hätten sich dazu verpflichtet, bis 2050 klimaneutral zu fliegen.

Zu wenig Bio-Treibstoff

Der Umweltverband Transport & Environment findet die Vorschläge hingegen gut. Am wirkungsvollsten sei der Kraftstoff-Mix mit Biotreibstoffen, weil diese auch für Langstrecken gelten würden. Denn die sechs Prozent der Flüge mit mehr als 4000 Kilometern Distanz würden über die Hälfte aller Emissionen in der Luftfahrt ausmachen.

Die Swiss unterstützt die Bestrebungen der EU, wie eine Sprecherin zu 20 Minuten sagt. Dass Fluggesellschaften in der EU in Zukunft eine bestimmte Menge an nachhaltigem Kraftstoff dem herkömmlichen Kerosin beimischen müssen, befürwortet die Swiss ebenfalls.

Wichtig sei, dass nachhaltige Kraftstoffe noch nicht in ausreichender Menge zu wettbewerbsfähigen Preisen verfügbar seien (siehe Box). «Aus diesem Grund regen wir an, in der Schweiz einen Gleichschritt diesbezüglich mit der EU zu prüfen», sagt die Swiss-Sprecherin.

Nachhaltiger fliegen

Die weltweite Kapazität an nachhaltigem Kraftstoff reicht bisher laut Expertinnen und Experten erst für weniger als 0,1 Prozent des aktuellen Verbrauchs. Deshalb muss die Branche noch grosse Investitionen in Produktionsanlagen und Infrastruktur tätigen. Sie forscht aber auch an weiteren umweltfreundlichen Alternativen. Airbus will etwa Milliarden für die Entwicklung von Wasserstoff-Flugzeugen ausgeben. Auch Flieger mit Akku sind eine Variante, bislang allerdings nur auf kurzen Strecken.

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