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Hausfrau trotz Studium«Akademiker-Hausfrau ist gut für Kind und Staat»

In der Schweiz gibt es 50'000 Hausfrauen, die studiert haben. Ist das herausgeworfenes Geld oder profitiert der Staat von gebildeten Hausfrauen?

von
D. Pomper
SVP-Nationalrat Hans Fehr nimmt studierte Hausfrauen in Schutz: «Eine gut funktionierende Familie mit der Mutter als zentrale Person wirkt sich positiv für die Entwicklung des Kindes aus.» Ein solches Kind sei weniger verhaltensgestört und die Gefahr, dass es spätere kostspielige Therapien machen müsse, sinke.

SVP-Nationalrat Hans Fehr nimmt studierte Hausfrauen in Schutz: «Eine gut funktionierende Familie mit der Mutter als zentrale Person wirkt sich positiv für die Entwicklung des Kindes aus.» Ein solches Kind sei weniger verhaltensgestört und die Gefahr, dass es spätere kostspielige Therapien machen müsse, sinke.

In der Schweiz gab es 2013 rund 50'000 Frauen mit einem Hochschulabschluss, die als Hausfrau tätig waren. Das zeigen die Zahlen des Bundesamtes für Statistik (BFS). Finanziert wurde ihr Studium von Kantonen und Bund. Ein fünfjähriges Studium kostet im Schnitt 115'000 Franken. Das heisst: Es wurden rund 5,75 Milliarden Franken in die Hochschulausbildung von Frauen investiert, die momentan nicht erwerbstätig sind.

Ist das nicht herausgeschmissenes Geld? Die SVP, die sonst an vorderster Front für Einsparungen im Bildungswesen kämpft, findet das nicht. Wenn eine Frau als Mutter und Hausfrau gute Arbeit leiste, dann sei das gut für die Schweiz, so SVP-Nationalrat Hans Fehr: «Eine gut funktionierende Familie mit der Mutter als zentraler Person wirkt sich positiv auf die Entwicklung des Kindes aus.» Ein solches Kind sei weniger verhaltensgestört und die Gefahr, dass es später kostspielige Therapien machen müsse, sinke. Ausserdem könne eine kluge Akademikerin ihrem Kind mehr Bildung vermitteln als eine Krippe, wovon das Kind profitiere. «Eine studierte Hausfrau zahlt sich für den Staat aus», so Fehr.

Selbstbetreuung statt Krippe

Parteikollege und Bildungspolitiker Felix Müri glaubt, dass eine gute Ausbildung den Müttern einen beruflichen Wiedereinstieg erleichtere. «Es gibt viele Frauen, die trotz guter Ausbildung lieber zu Hause sind, weil sie für ihre Kinder da sein wollen. Ein grosses Krippenangebot nützt da nichts. Weitere Investitionen sind unnötig.»

Von einem «volkswirtschaftlichen Unsinn» dagegen spricht Carmen Walker Späh, Präsidentin der FDP-Frauen. «50'000 Hausfrauen mit Hochschulabschluss - krass, was für ein Potenzial da brachliegt. Der Staat bildet diese Frauen teuer aus und dann lässt sich diese Ausbildung nicht verwerten.»

«Wir müssen alles unternehmen, damit brachliegendes Arbeitspotenzial wieder aktiviert wird.» Da nach der Annahme der Zuwanderungsinitiative vor allem auch ein Mangel an hochqualifizierten Arbeitskräften drohe, müssten Hausfrauen mit Uniabschluss dringend ins Erwerbsleben zurückgeholt werden.

Mehr Teilzeitstellen für Akademikerinnen

«Dazu braucht es eine eigentliche Willkommenskultur gegenüber Frauen, die arbeiten wollen», sagt Walker Späh. Arbeitgeber sollten zum Beispiel mehr Teilzeitstellen anbieten. Diese fehlten in hochspezialisierten Berufen ganz besonders. Denn gerade in hochqualifizierten Berufen sei die Gefahr gross, dass man nach einigen Jahren vollständiger Erwerbslosigkeit den Anschluss verpasse. «Es ist wichtig, immer einen Fuss im Erwerbsleben zu behalten.»

Der Präsident der nationalrätlichen Bildungskommission Matthias Aebischer (SP) ist der Meinung: «Jede studierte Frau soll machen, was sie will. Aber die Politik muss Strukturen schaffen, damit Frauen einfacher ins Berufsleben zurückkehren können.» Es mache keinen Sinn, Fachkräfte aus dem Ausland zu holen, wenn die Schweiz doch solche ausgebildet habe.

Christoph Eymann von der Schweizerischen Konferenz der kantonalen Erziehungsdirektoren betont: «Es ist mir wichtig, dass Frauen selber entscheiden können, was sie machen wollen.» Es sollten aber Instrumente geschaffen werden, damit Frauen, die arbeiten wollten, dies ermöglicht werde.

In einer Arbeitsgruppe des Erziehungsdepartements Basel-Stadt wird derzeit ein Wiedereinsteigerprogramm für Lehrerinnen diskutiert. Je nachdem könnte man ein ähnliches Programm auch für Ärztinnen prüfen, meint Eymann. Auch ausserfamiliäre Betreuungen und Schulen mit Tagesstrukturen sollten gefördert werden.

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