Akkord-Abschlepper N. dampft in allen Gassen
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Akkord-Abschlepper N. dampft in allen Gassen

Oberleutnant N. ist Quartiermeister im Zivilschutz der Stadt Zürich und im Kreis 5 der ungeschlagene Quartiermeister im Abschleppen. Daneben hat er noch die regionale Lavazza-Vertretung und eine Firma für technische Beratungen. Nur den Polizeifunk abhören, das macht er nicht!

Herr N. versteht es meisterhaft, Beruf und Freizeit miteinander zu verbinden. Mit seinem Diensthandy («gleiche Endnummern wie im Büro!») ist der hauptberufliche Schützer und Retter rund um die Uhr zu erreichen. Ab Freitag Nacht bis Sonntag Morgen trifft man den Quartiermeister der Stadt Zürich vor allem rund um die Hardbrücke an. Bis in den späten Morgen macht er sich (siehe Artikel) unermüdlich im Fahrzeug der Autohilfe Zürich an den Autos vermeintlicher Parksünder zu schaffen.

Aber nebst der vollamtlichen Quartiermeisterei unter der Woche und dem Abschleppdienst an den Wochenenden führt N. noch die Firma Reneco. Laut Eintrag im Handelsregister wird bei der aktiven Einzelfirma Reneco «die Vermietung von Notstromgeräten und der Handel von Waren aller Art» betrieben. «Wie bringen Sie das alles unter einen Hut?», wollte 20minuten.ch vom Quartiermeister wissen.

N. erklärte zu der fast schon bewundernden Frage:. «Beim Zuber (Autohilfe Zürich - die Red.) arbeite ich ja nur ein paar Stunden.» Und seine Einzelfirma Reneco nehme ihn zeitlich kaum noch in Anspruch nehme. N.: «Das rentiert ja alles eh nicht mehr.»

Prompt wurde es ihm wohl etwas langweilig. Laut Handelsregister übernahm er vor drei Jahren noch für die Region Winterthur «die regionale Vertretung von Lavazza-Kaffemaschinen und derer Produkte».

Bei seinem Arbeitgeber ist man zufrieden mit ihm

Beim seinem Arbeitgeber, der Abteilung Schutz und Rettung der Stadt Zürich, weiss man davon (siehe Artikel «Der fleissige Abschlepper»), kann aber gut damit leben: «Solange er seinen Job gut macht», erklärt Sprecher Dominik Müller, habe man kein Problem damit. Und macht er seinen Job gut? «Ja, den macht er gut!»

Weder N. («fragt meinen Chef!»), noch sein zufriedener Arbeitgeber («aus Datenschutzgründen!») wollten genau sagen, was der Quartiermeister und Oberleutnant die Woche über etwa für Aufgaben hat.

N. wollte sich gegenüber 20minuten.ch auch nicht dazu äussern, ob er den Polizeifunk abhört. Für weitere Fragen verwies der Quartiermeister und Abschlepper an seine verschiedenen Arbeitgeber.

Einen Funkempfänger zum Abhören des Polizeifunks hat er aus dienstlichen Gründen jedenfalls nicht. «Nur die Mitarbeitenden der Stadtpolizei haben so ein Funkgerät», erklärt der Sprecher der Stadtpolizei Michael Wirz. N. darf den Funkverkehr der Polizisten sicher nicht abhören, denn, so Wirz: «Der Polizeifunk darf grundsätzlich nicht abgehört werden.»

Antenne auf dem Dach: Für den Polizeifunk genau die richtige

Schade, denn das würde einiges erklären: Etwa die Discone-Antenne auf dem Dach von N.s Wohnhaus. «Discone-Antennen sind zum Empfang von Frequenzen im VHF- und UHS-Bereich», erklärt ein Berufsfunker und ehemaliger Offizier zur See etwas technisch. «Im normalen Sprachgebrauch nennt man die einfach Scannerantenne», bemüht sich der Experte um eine einfach Erklärung. Und für Laien: «Das braucht man zum Abhören von kurzen und ultrakurzen Frequenzen, wie etwa den Polizeifunk.»

Plausibel würde dadurch die Aussage einer langjährigen Mitarbeiterin der Autohilfe, die schwören würde, dass er «immer mit einem kleinen Handscanner den Polizeifunk abhört, damit er stets als erster Stelle da ist.» Nachvollziehbar wären der Ärger, den verschiedenen Ex-Chauffeure der Autohilfe gegenüber 20minuten.ch äusserten, die korrekt über die Zentrale des Pannendienstes aufgeboten wurden und oft zu spät vor Ort eintrafen: Ein ehemaliger Fahrer: «N. war da meist schon längst mit dem Abschleppvorgang fertig.»

Das Abhören des Funks ist aber nicht nur illegal für N., sondern auch «gar nicht möglich », erklärt der Polizeisprecher, «weil das Funksignal digital verschlüsselt ist». Da kommt auch N. nicht dran vorbei. Seine Firma Reneco bietet übrigens laut Handelsregister nebst oben Genanntem auch noch «technische Beratungen zur Installation von Funk, Telefon, Antennen- und Sicherheitsanlagen». Aber eben: «digital verschlüsselt!»

Wieviel der hauptamtliche Zivilschützer und nebenberufliche Abschlepper, Berater und Kaffevertreter N. von seinen Nebenverdiensten versteuert, war leider nicht zu erfahren. Der umtriebige Quartiermeister vom Polizeidepartement Zürich hat seinen Steuerausweis sperren lassen.

Etwas mehr Erfolg auf der Suche nach finanziellen Auskünften hatte 20minuten.ch übrigens bei N.s Wochenendarbeitgeber Guido Zuber. Der Autohilfe-Chef, Einzelunternehmer und Beinahe-Exklusiv-Abschlepppartner der Stadtpolizei Zürich hat gemäss Auszug seine letzte definitive Steuererklärung im Jahre 1999 eingereicht.

Hansi Voigt, Manuel Bühlmann

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