Aktualisiert 08.01.2016 20:59

Batterie als Brandursache«Akkus über Nacht aufzuladen ist falsch»

Ein Lithium-Polymer-Akku hat zum Grossbrand in Steckborn geführt. Ein ETH-Experte ruft dazu auf, solche Akkus immer unter Aufsicht zu laden.

von
T. Bolzern

Bei dem Grossbrand in der Nacht auf den 21. Dezember in der Altstadt von Steckborn TG sind sechs Liegenschaften ein Raub der Flammen geworden. 30 Hausbewohner wurden obdachlos. Der Sachschaden beläuft sich laut Polizei auf rund sechs Millionen Franken.

Auslöser war laut der Kantonspolizei Thurgau ein sogenannter Lithium-Polymer-Akku (LiPo) eines Modellautos. Der Akkutyp ist vor allem im Modellbaubereich weit verbreitet, schreibt die Polizei in einer Mitteilung.

Bis zu 600 Grad Celsius

Doktor Rolf Zinniker vom Institut für Elektronik der ETH Zürich vermutet, dass LiPo-Akkus von Modellautos durch den fleissigen Rennbetrieb schneller mechanischen Schaden nehmen können. Auch der Einsatz von Schnellladegeräten kann die Stromspeicher zusätzlich belasten.

Durch einen chemischen Prozess könne sich zudem metallisches Lithium bilden. Das sei sehr instabil: «Dann genügt schon die Erwärmung über das Ladegerät, dass der Akku überhizt», so Zinniker. Geht der Akku als Folge der Überhitzung kaputt, können Temperaturen von bis zu 600 Grad Celsius entstehen, erklärt der Elektroingenieur Alois Büsser, der sich ebenfalls mit Akkus und den Gefahren, die von ihnen ausgehen, beschäftigt.

Feuerfeste Aufladebox

LiPo-Akkus hätten im Vergleich zu anderen Akkus eine sehr hohe Energiedichte, was schneller zu einem Brand führen kann, sagt Jürg Rellstab, Leiter Zertifizierung und Explosionsschutz bei Electrosuisse. Von funktionierenden LiPo-Akkus, die richtig verwendet werden, gehe keine besondere Brandgefahr aus. Ein gewisses Restrisko sei aber bei allen Akkus vorhanden.

Im Modellbaubereich gibt es zum sicheren Aufladen feuerfeste Boxen oder spezielle Beutel. «Optimal ist das aber auch nicht, da dann ein Wärmestau entstehen kann», sagt Rellstab. Für andere Geräte, etwa das Smartphone sei ein solches Ladesystem zudem äusserst unpraktisch.

Unter Aufsicht laden

Zinniker empfiehlt, die Akkus unter Aufsicht zu laden und nicht an einem Ort, wo etwas brennen kann. «Einen Akku über Nacht zu laden, ist ein Fehler», sagt Zinniker. Unter Aufsicht heisse aber nicht, dass man neben dem Ladegerät sitzen müsse. Sondern dass man den Akku nach der in der Gebrauchsanweisung angegebenen Zeit vom Ladegerät trennen sollte. Denn gebe es im Akku keine Schutzschaltung, könne zu langes Laden zur Überhitzung führen.

Zum konkreten Fall in Steckborn wollen sich die Experten nicht äussern. Das sei erst nach einer detaillierten Untersuchung möglich.

Andere Regeln für Smartphones

Bezahlt die Versicherung bei einem Brand, der von einem Akku während des Ladevorgangs ausgelöst wurde? «Es wird in jedem Fall geprüft, ob dem Besitzer des Akkus ein Verschulden anzulasten ist, wenn er den Ladevorgang nicht beaufsichtigt hat», sagt Melanie Ade, Sprecherin der Axa Winterthur. Diese Frage sei zur Beurteilung allfälliger Regressmöglichkeiten sowie für die Prüfung von Kürzungen der Versicherungsleistungen relevant.

Obwohl in den Bedienungsanleitungen der Produkte oft darauf hingewiesen wird, dass Akkus nur unter Aufsicht aufgeladen werden sollen, werde bei unbeaufsichtigtem Laden von Akkus elektrischer Gegenstände des täglichen Gebrauchs, etwa Tablets oder Smartphones, in der Regel keine Kürzung der Versicherungsleistungen vorgenommen.

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