Aktualisiert 21.05.2014 07:27

Nati-BilanzAkte Simpson ist zu – das Warten auf Hanlon

Die WM in Minsk ist für die Schweizer genauso Geschichte wie die Amtszeit von Sean Simpson. Letzteres ging an den Spielern nicht spurlos vorbei. «Es tut weh», erklärte Denis Hollenstein.

von
Marcel Allemann, Minsk

Die Schweizer zeigten zum WM-Abschluss nochmals Charakter und lieferten beim 3:2-Sieg gegen Lettland, ihrem Olympia-Albtraum von Sotschi, einen feinen Match. Damit bekam der abtretende Trainer Sean Simpson von seinen Spielern ein würdiges Abschiedsgeschenk. «Wir wollten diesen Sieg unbedingt für Sean. Er hat während vier Jahren einen unglaublich guten Job gemacht und das Schweizer Eishockey weiter entwickelt», erklärte Stürmer Denis Hollenstein und gestand: «Dass seine Ära nun hier zu Ende geht, tut auch weh. Aber es ist wie es ist.» Ähnlich äusserte sich auch Sturmkollege Damien Brunner: «Wir wollten das letzte Spiel für Sean unbedingt erfolgreich gestalten.»

Weber: «Vielleicht bekomme ich jetzt in Finnland ein Haus»

Das Happy End für Simpson war jedoch längst nicht der einzige positive Aspekt des finalen Schweizer Sieges. Zudem sammelten die Spieler hinsichtlich Olympia 2018 wichtige Weltranglistenpunkte, indem sie sich durch diesen Erfolg noch auf den 10. Schlussrang verbesserten. Wenn Reto Suri und Thomas Rüfenacht in der zweitletzten Minute in einer seltsamen Gemeinschaftsproduktion nicht noch das leere Tor verfehlt hätten, wäre es aufgrund der Tordifferenz sogar noch der 9. Platz geworden. Aber fast noch wichtiger war: Die Schweizer verfälschten mit ihrem abschliessenden Auftritt die WM nicht. Finnland, das auf die Schweiz angewiesen war, zieht nun doch noch in die Viertelfinals ein – auf Kosten von Lettland. Und das, obwohl Servettes Lette Kaspars Daugavins seinen dortigen diesjährigen Teamkollegen Hollenstein im Hotel Stunden vor dem Match noch gebeten hatte, doch bitte dieses, für die Schweiz nicht mehr so wichtige, Spiel zu verlieren. «Doch ich habe ihm erklärt, dass dies nicht geht», so Hollenstein. Derweil scherzte Yannick Weber, dem mit dem dritten Schweizer Tor das Game-Winning-Tor gelang, mit finnischen Journalisten: «Vielleicht bekomme ich jetzt in Finnland ein Haus.» Die Stimmung war nach dem versöhnlichen Ende gut.

Apopos Finnland: Die Schweiz hat trotz der über 20 Absagen, den Clown-Linesmen im USA-Match (2:3) und dem Totaleinbruch am Ende gegen Weissrussland (3:4) die Viertelfinals trotzdem noch schaffen können. In der Endabrechnung fehlten der Nati lediglich ein paar Zentimeter. Hätte Kevin Fiala nämlich seinen Penalty im Shutout gegen die Finnen (2:3) verwandelt, statt an den Pfosten geknallt, wären nun nämlich die Finnen und nicht die Schweizer auf dem Heimweg. «Es ist krass, aber so ist eben unser Sport», erklärte Hollenstein und Brunner meinte: «Zwei Mal war es Pech – im Penaltyschiessen gegen die Finnen und mit den Fehlentscheiden der Schiris gegen die USA. Und einmal waren wir selber schuld, als wir den 3:2-Vorsprung gegen die Weissrussen aus der Hand gaben.» Alle drei Sachen hätte es eben nicht leiden mögen, mit zweien hätte es gereicht.

Nachfolger Hanlon hat an Glanz gewonnen

Deshalb bleibt das WM-Fazit, dass die Schweizer selbst mit dieser nicht über alle Zweifel erhabenen Mannschaft alles andere als ein schlechtes Turnier gespielt hat, aber eben trotzdem mehr möglich gewesen wäre. Ein Jahr nachdem beim WM-Silberwunder von Stockholm einfach alles geklappt hat, sollte oder wollte es dieses Mal in Minsk einfach nicht sein. «Nun greifen wir eben im nächsten Jahr wieder an», versprach Hollenstein bereits.

Die Akte Simpson wurde am Dienstagabend offiziell geschlossen. Nun beginnt ein neues Kapitel mit Glen Hanlon, der wohl nächste Woche als Simpsons Nachfolger vorgestellt wird. Die Begeisterung über diesen Führungswechsel hält sich allgemein in Grenzen. Aber Hanlon hat auf jeden Fall eine Chance verdient. Und im Lauf der letzten Tage hat seine Verpflichtung sogar an Glanz gewonnen. Der Kanadier steht mit Weissrussland in den Viertelfinals - im Gegensatz zu Simpson mit der Schweiz.

Seger: «Muss WM zuerst mal verarbeiten»

Noch unklar ist, ob bei Hanlon auch Nati-Captain Mathias Seger noch dabei sein wird. Allgemein wird nach 16 WM-Turnieren und 305 Länderspielen sein Rücktritt auf internationalem Parkett erwartet, doch der Verteidiger erklärte lediglich: «Ich muss diese WM zuerst einmal verarbeiten, dann schauen wir weiter.» Es hätte irgendwie auch nicht zu Seger gepasst, wenn er am Tag, an dem Sean Simpson im Zentrum stand, mit Rücktritts-Ankündigungen einen zweiten Hauptschauplatz abgegeben hätte.

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