Aktualisiert 26.09.2016 16:18

Drohende RekordstrafeAktie der Deutschen Bank stürzt ab

Die Regierung in Berlin wird der grössten Bank Deutschlands im Streit mit den US-Behörden nicht finanziell unter die Arme greifen. Die Reaktion an der Börse fällt heftig aus.

von
rub
Stolzes Institut an einem Tiefpunkt: Verkehrsschild vor dem Sitz der Deutschen Bank in Frankfurt. (9. Juni 2015)

Stolzes Institut an einem Tiefpunkt: Verkehrsschild vor dem Sitz der Deutschen Bank in Frankfurt. (9. Juni 2015)

Keystone/Michael Probst

Investoren sorgen sich um die Widerstandsfähigkeit der Deutschen Bank. Der Aktienkurs des Geldhauses ist am Montag erneut in die Tiefe gestürzt, und hat auch auf die Aktienkurse der europäischen Konkurrenten gedrückt, darunter auch die der Schweizer Grossbanken.

Der Wert der UBS-Aktien gab bis Börsenschluss um 2,7 Prozent nach, die Credit-Suisse-Titel verbilligten sich um 2,3 Prozent. Händler sagten, der neuerliche Kurssturz der Deutschen Bank belaste den Sektor.

Die Aktie der Deutschen Bank stürzte zwischenzeitlich auf ein neues Rekordtief von 10,68 Euro. Damit ist Deutschlands grösste Bank an der Börse noch knapp 16 Milliarden Euro wert. Zum Vergleich: Umgerechnet gut zwölf Milliarden Euro fordert das US-Justizministerium als Strafe für unsaubere Geschäfte auf dem amerikanischen Immobilienmarkt vor der Finanzkrise.

Nicht nur die Investoren zeigen sich beunruhigt. Die wieder aufkommenden Sorgen über die finanzielle Gesundheit von grossen ausländischen Grossbanken könne auch die Schweizer Grossbanken in Mitleidenschaft ziehen, schreibt der Internationale Währungsfonds (IWF) in seinem aktuellen Länderexamen zur Schweiz. Diese seien einerseits als Gegenpartei bei Geschäften mit diesen Banken als auch über die Finanzmärkte exponiert.

Keine Staatshilfe für Deutsche Bank

Im Fall der Deutschen Bank befürchten Investoren nun offenbar eine weitere Kapitalerhöhung. Einerseits ist da nämlich die hohe Forderung des US-Justizministeriums zur Beilegung des Hypothekenstreits. Die Bank geht fest davon aus, die Summe - die die Rückstellungen deutlich übersteigt - im Verhandlungspoker noch drücken zu können. Andererseits gibt es daneben mehrere weitere grosse Rechtsstreitigkeiten.

Hinzu kommt, dass die Deutsche Bank im Moment wegen ihres Umbaus kaum Geld verdient und die Kapitaldecke ohnehin vergleichsweise dünn ist. Am Montag wischte nun die deutsche Regierung das Thema Staatshilfe vorerst vom Tisch. «Es gibt keinen Anlass für solche Spekulationen, wie sie da angestellt werden, und die Bundesregierung beteiligt sich auch an solchen Spekulationen nicht», sagte Regierungssprecher Steffen Seibert am Montag.

Er nahm Bezug auf das Magazin «Focus», das in seiner jüngsten Ausgabe unter Berufung auf Regierungskreise berichtet, Bundeskanzlerin Angela Merkel schliesse Staatshilfen im Wahljahr 2017 «kategorisch» aus. Bei einem «Geheimtreffen» im Sommer habe Merkel Bankchef John Cryan zudem die Hoffnung genommen, sich diplomatisch in den US-Hypothekenstreit einzuschalten, berichtete das Magazin. Nach den Worten von Seibert geht die deutsche Regierung allerdings davon aus, dass in den Vergleichsgesprächen ein «faires Ergebnis» erzielt wird.

Hausaufgaben zu machen

Die Deutsche Bank wollte das Treffen mit Merkel nicht weiter kommentieren. Angesichts des Ausverkaufs der Aktie sah sich das Geldhaus am Montag trotzdem gezwungen, in die Offensive zu gehen - mit einer kämpferischen Ansage: «Die Deutsche Bank ist fest entschlossen, ihre Herausforderungen alleine zu lösen», sagte ein Sprecher.» Auch die Frage einer Kapitalerhöhung stelle sich derzeit nicht, da die Bank alle Vorgaben der Regulierer erfülle.

Im Gespräch mit dem Sender CNBC fügte der Sprecher später hinzu, das Geschäftsmodell der Bank sei in Ordnung. «Das dritte Quartal ist fast zu Ende und ich kann Ihnen heute sagen: Es geht uns gut und wir fühlen uns sehr wohl.» Auch das Liquiditätspolster sei in Ordnung. Die Deutsche Bank brauche aber eben Zeit, sich durch ihre Rechtsstreitigkeiten zu arbeiten. «Wir machen unsere Hausaufgaben.»

Die Zahlen zum dritten Quartal sollen am 27. Oktober veröffentlicht werden. Eine positive Überraschung hat bislang niemand erwartet. Die Analysten von Mediobanca schrieben zu Wochenbeginn in einem Kurzkommentar, die Deutsche Bank werde um eine Kapitalerhöhung nicht herumkommen, Hypothekenstrafe hin oder her. (rub/sda)

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