Aktualisiert 14.03.2011 13:50

Atom-Unfall

Aktie von AKW-Betreiberin stürzt ab

Der Energiekonzern BKW ist an der Börse unter Druck geraten. Die wichtigsten europäischen Börsen tendierten ebenfalls als Folge der Katastrophe in Japan nach unten.

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bb/sda
Die Aktie des Energiekonzerns BKW hat am Montag an der Börse nachgegeben. Die BKW betreibt das AKW Mühleberg.

Die Aktie des Energiekonzerns BKW hat am Montag an der Börse nachgegeben. Die BKW betreibt das AKW Mühleberg.

Die Aktie des Energiekonzerns BKW ist am Montag an der Börse unter massiven Verkaufsdruck geraten. Der Titel notierte am frühen Nachmittag bei 72,1 Franken. Das waren 7,6 Prozent weniger als am vergangenen Freitag. Der Kurszerfall der Betreiberin des Atomkraftwerks Mühleberg setzte noch vor der Bekanntgabe des Entscheids von Bundesrätin Leuthard ein, das Bewilligungsverfahren für den geplanten Ersatz in Mühleberg zu sistieren. Die Zürcher Kantonalbank (ZKB) hatte die BKW-Aktie von «Übergewichten» auf «Marktgewichten» zurückgestuft. Die BKW werde auch wegen des Strombezugsvertrags aus dem französischen AKW Fessenheim unter politischen Druck geraten, erklärte ZKB-Analyst Sven Bucher. Weniger gebeutelt wurden die anderen beiden börsenkotierten Firmen mit Atomenergie-Beteiligungen. Alpiq lag am frühen Nachmittag mit 0,8 Prozent im Minus. Die zum Axpo-Konzern gehörende EGL büsste bloss 0,2 Prozent ein.

An den europäischen Börsen zeitigten die Ereignisse in Japan Folgen. In der Schweiz notierte der Leitindex SMI um 10.00 Uhr um 0,5 Prozent tiefer bei 6323 Punkten. Der breite SPI verlor 0,6 Prozent auf 5727 Zähler. Erneut verbuchten vor allem die Aktien des Rückversicherers Swiss Re und der international tätigen Zürich Financial Services grosse Verluste. Swiss Re büssten zunächst fast sechs Prozent ein und lagen zuletzt noch um 3,1 Prozent im Minus.

Die Zürich-Aktien notierten nach einem anfänglichen Abschlag von zwei Prozent noch um 1,1 Prozent schwächer. Noch ist nicht klar, wie viel die Katastrophe in Japan die Versicherer kosten wird. Der auf Risikoanalysen spezialisierte Versicherungsdienstleister AIR Worldwide schätzt die versicherten Schäden, die in Japan durch das Erdbeben allein an Gebäuden verursacht wurden, auf bis zu 35 Mrd. Dollar.

Luxusgüterhersteller unter Druck

Die Aktien der beiden Luxusgüterhersteller Richemont und Swatch tendierten ebenfalls schwächer. Das Erdbeben könnte die Nachfrage nach Luxusgütern in dem für die beiden Gesellschaften wichtigen Markt beeinträchtigen, hiess es. Bei den übrigen Schweizer Standardwerten blieben die Einbussen unter einem Prozent. Gegen den Trend gesucht waren die Aktien des Solarindustriezulieferers Meyer Burger, während die Aktien des Stromkonzerns BKW 6,1 Prozent nachgaben. BKW stellt Atomstrom her.

EdF-Aktie im Keller

Auch andere europäische Aktienmärkte starteten mit Verlusten in den Handel. Der EuroStoxx 50 verlor 0,78 Prozent auf 2861,30 Punkte. Für den Leitindex FTSE 100 in London ging es um 0,37 Prozent auf 5807,38 Punkte nach unten, der Cac 40 in Paris büsste 0,47 Prozent auf 3910,02 Punkte ein.

Besonders stark unter Druck gerieten angesichts der immensen Schäden in Japan die Aktien von Versicherern. Der Stoxx 600 Insurance verlor 1,98 Prozent und damit so viel wie kein anderer Branchenindex.

Verluste mussten auch Versorgerwerte hinnehmen, so ging es etwa für die Anteilsscheine von Electricité de France (EdF)um 4,27 Prozent in den Keller. Die UBS verwies in einer Studie darauf, dass der französische Konzern vor allem auf Atomstrom setze.

Wichtig für die weitere Entwicklung sei nun, wie die US-Märkte auf die Katastrophe in Japan reagierten, erklärten Händler. Am Freitag hatte die Wall Street noch zu einem Schlussspurt angesetzt und höher geschlossen.

Unklare Auswirkungen auf Schweizer Tourismus

Die Katastrophe in Japan wird auch Auswirkungen auf den Schweizer Tourismus haben. Wie viele Japanerinnen und Japaner auf einen Besuch in der Schweiz verzichten, lässt sich aber noch nicht sagen. Japan ist für die Schweizer Hotellerie der achtwichtigste Markt.

Letztes Jahr buchten Gäste aus Japan über 500 000 Übernachtungen in Schweizer Hotels. Damit war Japan das achtwichtigste Herkunftsland für den Schweizer Tourismus.

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