Lieber Phil Geld: Aktien statt Sparbüchlein?
Aktualisiert

Lieber Phil GeldAktien statt Sparbüchlein?

Die Zinsen auf den Sparkonten notieren auf Rekordtief. Gerhard (56) schlägt als Alternative Aktien vor, die hohe Dividenden ausschütten. Zu Recht?

Dividenstarke Aktien wie Nestlé - hier der Hauptsitz in Vevey - können die Renditen im Depot aufpolieren.

Dividenstarke Aktien wie Nestlé - hier der Hauptsitz in Vevey - können die Renditen im Depot aufpolieren.

Lieber Phil Geld

In meinem Depot sind Nestlé-Aktien im Wert von rund 20 000 Franken. Die kürzlich ausbezahlte Brutto-Dividende betrug 700 Franken. Das ergibt einen ordentlichen Zinsertrag - im Unterschied zu den aktuellen Sparzinsen der Banken. Wieso setzen eigentlich nicht mehr Anleger auf Dividendenpapiere?

Lieber Gerhard

Danke für Ihren Hinweis! Ihre rhetorische Frage ist eine indirekte Aufforderung zum Kauf von Dividendenpapieren. So einleuchtend der Tipp - es gibt schon einige Kriterien zu berücksichtigen.

Doch der Reihe nach. In der Tat sind die Zinsen auf den Sparkonten sehr tief. Die meisten Banken verzinsen die Sparkontoguthaben nur noch mit 0,2 bis 0,25 Prozent pro Jahr. Dieses Tiefzins-Umfeld, über das wir schon verschiedentlich berichtet haben, hat sich nicht verändert.

Ganz anders sieht die Welt aus, wenn wir die Renditen auf gewissen Aktien betrachten. Die von Ihnen erwähnten 700 Franken entsprechen einer Rendite von 3,5 Prozent pro Jahr. Das ist das Zehn- bis Zwanzigfache der mickrigen Sparzinsen.

Die Anleger müssen sich aber bewusst sein, dass es keine Garantie für Dividendenzahlungen gibt. Selbst bei soliden börsenkotierten Unternehmen variiert die Höhe je nach Gewinn von Jahr zu Jahr. Hilfreich sind Zielsetzungen des Managements: Einige Firmen orientieren die Investoren auf ihrer Website über die langfristige Ausrichtung der Dividendenpolitik. Ob sie also in der Regel 35, 50 oder 65 Prozent des Gewinns als Dividende ausschütten wollen.

Wie sich die Zeiten ändern können, wird mit Blick auf die Bankaktien klar: Die Grossbanken bezahlten in den Neunzigerjahren schöne Dividendenbeträge aus. In den vergangenen Jahren ist dieser Strom versiegt. Das ist besonders deshalb schmerzhaft, weil die Aktionäre bereits mit einem enormen Kursverlust leben mussten. Seit Mitte 2007 sind die Kurse der Schweizer Bankaktien im Schnitt um 75 Prozent eingebrochen.

So wertvoll der Hinweis auf Dividendenperlen ist - der Anleger muss sich immer auch der Risiken eines Kursrückschlags bewusst sein. Deshalb wird gerade auf Sicherheit bedachten Sparern von Aktien generell abgeraten. Andererseits spricht dann bei kleineren Vermögen wenig dagegen, einen Anteil von zum Beispiel 20 Prozent in solide Wertpapiere zu investieren, wenn man nicht schon bald Bargeld benötigt.

Neben Nestlé bezahlen in der Schweiz unter anderem auch Novartis und Roche schöne Dividenden aus. Aktuell beträgt die Dividendenrendite (Gewinnausschüttung im Verhältnis zum Aktienkurs) von Roche PS (4,5 Prozent).

Freundlich grüsst

Phil Geld

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