Finanzmarktregulierung: Aktienkurse bröckeln weiter
Aktualisiert

FinanzmarktregulierungAktienkurse bröckeln weiter

Europaweit tauchen die Börsen wieder. In der Schweiz gaben vor allem die Kurse von Finanzwerten nach.

von
rub
Neue Regulierungen verunsichern am 19. Mai 2010 die Investoren. Im Bild: Anzeigetafeln mit Aktienkursen an der Madrider Börse (12. Mai 2010).

Neue Regulierungen verunsichern am 19. Mai 2010 die Investoren. Im Bild: Anzeigetafeln mit Aktienkursen an der Madrider Börse (12. Mai 2010).

Die Sorgen über eine schärfere Marktregulierung und die Bewältigung der EU-Schuldenkrise drückten am Mittwoch auf die Stimmung der Marktteilnehmer. In den USA will die Börsenaufsicht mit Einschränkungen für den Wertpapierhandel auf den drastischen Kursrutsch des Leitindex Dow Jones Anfang Mai reagieren und in Deutschland will Bundeskanzlerin Angela Merkel eine schärfere Regulierung der Finanzmärkte notfalls auch ohne internationale Abstimmung durchsetzen. Zudem wurden in Deutschland ungedeckte Leerverkäufe für bestimmte Finanzwerte verboten.

«Das schadet primär den Finanzwerten, dürfte aber auch Auswirkungen auf andere Sektoren und den Finanzplatz Europa haben», sagte ein Händler. Der SMI fiel um 1,6 Prozent auf 6369 Punkte. Der breite SPI büsste ebenfalls 1,6 Prozent auf 5622 Zähler ein.

UBS und CS im Minus

Die Aktien der Grossbanken, die schon in den USA unter die Räder geraten waren, büssten weiter Terrain ein. Credit Suisse verloren 3,6 Prozent und UBS schwächten sich um 2,9 Prozent ab. Aber auch die Anteilsscheine der Vermögensverwalter Julius Bär und Vontobel oder der Versicherungen Zurich, Swiss Re und Swiss Life fielen kräftig.

Die als defensiv eingestuften Pharmatitel Novartis und Roche sowie Lebensmittelwert Nestlé konnten sich dem negativen Trend ebenfalls nicht entziehen. Novartis sanken um 1,2 Prozent. Novartis drohen Bussen und Entschädigungszahlungen von bis zu 285 Mio. Dollar zu, nachdem ein New Yorker Gericht den Konzern wegen Diskriminierung von Frauen verurteilt hat.

Europaweite Verluste

Die Madrider Börse gab bis gegen 11 Uhr 3,8 Prozent nach, in Athen stand der Index 3,8 Prozent im Minus, Paris verlor mehr als 3 Prozent, Frankfurt notierte 2,8 Prozent tiefer und London gab 2,5 Prozent nach.

Ölpreisverfall geht weiter

Der Verfall des Ölpreises geht weiter: Am Mittwoch rutschte der Preis für ein Barrel Rohöl im Computerhandel der New Yorker Rohstoffbörse auf 68,60 Dollar. Das ist der tiefste Stand seit acht Monaten.

Der Ölpreis ist in den vergangenen zwei Wochen um 20 Prozent eingebrochen. Am 3. Mai lag er noch bei 87,15 Dollar. Das war der höchste Stand seit Oktober 2008.

(rub/sda/dapd/afp)

EU ruft zu koordiniertem Handeln auf

Die EU-Kommission hat nach dem Alleingang Deutschlands beim Verbot bestimmter Leerverkäufe zu einem europaweit abgestimmten Handeln aufgerufen.

Er nehme die Entscheidung Deutschlands zur Kenntnis und verstehe die Besorgnisse der deutschen und der österreichischen Regierung, erklärte EU-Binnenmarktkommissar Michel Barnier am Mittwoch in Brüssel. «Diese Massnahmen werden effizienter, wenn sie auf europäischer Ebene koordiniert werden.»

Der Ausschuss der europäischen Finanzaufsichtsbehörden (CESR) habe die Beratungen in den vergangenen Stunden darüber aufgenommen. Barnier ergänzte, er sei damit einverstanden, über das Thema am Rande des Treffens der EU-Finanzminister am Freitag in Brüssel zu sprechen.

Keine Regelverschärfungen in der Schweiz

Während in Deutschland und den USA die Regeln für den Börsenhandel verschärft wurden, hält die Schweizer Börse an ihrem Reglement fest. Es bleibe alles beim alten, sagte Sprecher Werner Vogt am Mittwoch auf Anfrage der Nachrichtenagentur SDA.

In der Schweiz sind ungedeckte Leerverkäufe seit geraumer Zeit verboten. Gedeckte Leerverkäufe sind indes erlaubt. Kurz nach der Pleite der US-Investmentbank Lehman Brothers Mitte September 2008, als die Börsen rund um den Globus abstürzten, sah sich die Eidg. Bankenkommission (EBK) allerdings veranlasst, das Verbot den Marktteilnehmern in Erinnerung zu rufen.

Die Schweizer Börse kennt auch bereits seit langem Handelsunterbrüche bei Kurssprüngen. So wird etwa bei Aktien von Schweizer Grosskonzernen der Handel für fünf Minuten unterbrochen, wenn der folgende Preis um 1,5 Prozent gegenüber dem aktuellen Referenzpreis abweichen würde. Bei Aktien kleinerer Unternehmen oder bei Anleihen führen andere Kurssprünge zu Handelsunterbrüchen.

Ebenfalls verboten sei die Verbreitung von irreführenden Gerüchten und das Streuen von wahrheitswidrigen Informationen.

Deine Meinung