Aktualisiert 23.01.2015 15:32

Nach SNB-Entscheid

Aktionäre bangen um Dividende

Die Frankenfreigabe hat zwar auf die Ergebnisse der Unternehmen keinen Einfluss. Dennoch könnte bei vielen die Dividende hinfällig werden.

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cls
Hat die Frankenfreigabe Konsequenzen für die Anleger? Müssen sie an den Generalversammlungen (hier im Bild: Sergio Ermotti, CEO UBS)  gar um ihre Dividende bangen? Reto Eberle vom Beratungsunternehmen KPMG schliesst dies nicht aus. (KEYSTONE/Steffen Schmidt)

Hat die Frankenfreigabe Konsequenzen für die Anleger? Müssen sie an den Generalversammlungen (hier im Bild: Sergio Ermotti, CEO UBS) gar um ihre Dividende bangen? Reto Eberle vom Beratungsunternehmen KPMG schliesst dies nicht aus. (KEYSTONE/Steffen Schmidt)

Die Rechnungslegungsstandards und das Obligationenrecht sind klar: Die massive Aufwertung des Frankens als Folge der geänderten Geldpolitik der SNB allein erzwingt keine Anpassung der Bilanzen und Erfolgsrechnungen für das letzte Jahr.

«Der Nationalbank-Entscheid allein hat grundsätzlich keinen Einfluss auf die Bewertungen im Abschluss 2014», sagt Reto Eberle vom Beratungsunternehmen KPMG auf Anfrage der Nachrichtenagentur SDA.

Bei der Erstellung der Geschäftsberichte komme aber dennoch viel Zusatzarbeit auf die Unternehmen zu. Denn wenn die neue Währungssituation die finanzielle Situation der Firma deutlich zu verändern drohe, müsse das Unternehmen diese Information gegenüber den Aktionären im Anhang des Geschäftsberichtes offenlegen, hält Eberle fest. Das könne umfassende Abklärungen nötig machen.

Pflicht zu Werthaltigkeits-Tests

Der stärkere Franken könne dazu führen, dass ein Unternehmen beurteilen müsse, ob der Wert von Anlagen durch die Aufwertung des Franken gelitten habe. Sei das der Fall, müsse ein sogenannter Impairment-Test durchgeführt werden, über den gegebenenfalls im Anhang der Jahresrechnung zu berichten sei.

Aber auch ohne solche Tests ist das Management diesmal bei der Berichterstattung gefordert. Sollte nämlich ein Unternehmen davon ausgehen, dass der neue Wechselkurs das Geschäft stark beeinflusse, müsse dies ebenfalls offengelegt werden, sagt Eberle.

Ein weiterer Punkt sind die Dividenden, bei denen die Unternehmen allenfalls reagieren müssen. Normalerweise werden Ausschüttungen an die Aktionäre bereits im laufenden Geschäftsjahr angekündigt. Laut Eberle können solche Ankündigungen aber hinfällig werden.

«Wenn das Eigenkapital durch grosse Verluste im ersten Quartal stark schrumpft, müssen Unternehmen überprüfen, ob die vorgesehene Ausschüttung noch möglich ist», sagt er. Das gelte selbst dann, wenn die Einladung und damit die Anträge an die Generalversammlung bereits erfolgt seien.

In einem solchen Fall müsste der Verwaltungsrat an der Generalversammlung den Antrag anpassen. «Ein Verwaltungsrat kann in einem solchen Fall nicht einfach so tun, wie wenn die Welt noch in Ordnung wäre», sagt er. Das fordere das Obligationenrecht (OR), das dem Gläubigerschutz verpflichtet sei. Aktionäre können demnach diesmal nicht in jedem Fall mit der angekündigten Dividende rechnen.

Steuererträge sinken erst 2016

Ihre Budgets nicht oder nicht stark revidieren müssen dagegen Bund, Kantone und Gemeinden. Denn grundsätzlich habe der Entscheid der SNB wohl keinen Einfluss auf die Unternehmensgewinne im letzten Jahr und damit auch noch keinen auf die Steuererträge 2015, sagt Eberle.

Ganz anders hätte es für den Fiskus ausgesehen, wenn die Nationalbank bereits im Dezember den Mindestkurs aufgehoben hätte. Bei einer ganzen Reihe von Unternehmen wäre dann der Gewinn tiefer oder ganz ausgefallen, was sich auf die Steuererträge in diesem und den kommenden Jahren ausgewirkt hätte.

Mit dem Politikwechsel im Januar hat die SNB den Unternehmen aber immerhin fast ein Jahr Zeit verschafft, ihr Geschäft bis zur Erstellung der nächsten Jahresrechnung den neuen Gegebenheiten anzupassen. Ebenfalls können die Firmen darauf hoffen, dass sich bis dann der Franken wieder etwas abgeschwächt hat. (cls/sda)

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