Aktualisiert 21.08.2012 11:13

WachstumssprungAktionäre bremsen Bank Julius Bär aus

Die Aktionäre der Schweizer Privatbank Julius Bär reagieren skeptisch auf die ambitiösen Zukunftspläne der Bank und zwingen sie zu einer bescheideneren Kapitalerhöhung.

Treibt Julius Bär an: Boris Collardi.

Treibt Julius Bär an: Boris Collardi.

Die Aktie der Privatkundenbank Julius Bär hat am Dienstagmorgen zeitweise um über 2 Prozent zugelegt. Aktionäre hatten sich zuvor gegenüber der Bär-Führung durchgesetzt: Diese muss eine geplante Kapitalerhöhung begrenzen.

Im Zusammenhang mit dem Kauf der ausseramerikanischen Vermögensverwaltung der US-Bank Merrill Lynch wollte Bär-Konzernchef Boris Collardi für fast eine Milliarde Franken neue Aktien ausgeben. Ein Teil des Kaufs solle über neue Anteilsscheine im Höhe von 240 Mio. Fr. beglichen werden.

Den bisherigen Aktionären wollte die Bär-Führung Bezugsrechte im Umfang von 750 Mio. Fr. zugestehen. 250 Mio. Fr. davon sollten der explizit auf Expansion bedachten Bank als strategische Reserve dienen. Auf Druck von Aktionären verzichtet Julius Bär aber auf diese 250 Mio. Franken, wie am Montagabend mitgeteilt wurde.

Der Kurs der Aktie lag am Dienstagvormittag in einem insgesamt festeren Markt bei 31.97 Franken, das sind 1,88 Prozent mehr als am Montag bei Handelsende. Das Papier ist aber immer noch über 4 Prozent weniger wert als in der vergangenen Woche, nachdem Collardi den Merrill-Lynch-Deal angekündigt hatte.

Volle Kassen

Mit der gekürzten Kapitalerhöhung verwässern sich die bestehenden Aktien weniger stark. Nach Berechnungen der Bank Vontobel sinkt der Buchwert durch die neu ausgegebenen Aktien von 18,30 Fr. auf 17,90 Franken.

Vontobel-Analystin Teresa Nielsen schätzt das nach dem Merrill- Lynch-Deal für Zukäufe verbleibende Überschusskapital auf nunmehr etwa 570 Mio. Franken. «Wofür Julius Bär das einsetzen will, ist nicht bekannt», sagte Nielsen. Zumindest einen Teil könnte die Bank für eine Strafzahlung im US-Steuerstreit benötigen.

Wachstumsplan

Julius Bär erhöht mit dem Kauf die verwalteten Vermögen auf bis zu 250 Mrd. Franken. Von Merill Lynch sollen bis zu 72 Mrd. Fr. dazufliessen, wobei es einer solchen Transaktion immer Abflüsse gibt. Je nach Höhe der dazugekommenen Kundenvermögen bezahlt Bär maximal 780 Mio. Fr. an die Merrill-Lynch-Mutter Bank of America.

Analysten hatten schon vor einer Woche auf Probleme hingewiesen, die sich aus dem Zukauf der Merrill-Lynch-Geschäfte ergeben können. Dazu gehört, dass viel Geld abfliessen könnte und dass die unterschiedlichen Bankkulturen für Zwist innerhalb des Instituts sorgen könnten.

Teresa Nielsen schrieb am Dienstag erneut, die Risiken bei der geplanten Übernahme seien «hoch».

(sda)

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