Vergütungsbericht: Aktionäre ohrfeigen erneut Topmanager

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VergütungsberichtAktionäre ohrfeigen erneut Topmanager

Die Aktionäre von Julius Bär haben es vorgemacht, jene des Biotech-Unternehmens Actelion ziehen nach. Sie sagen Nein zu den Löhnen ihres Top-Managements.

von
whr
Schlappe für die Teppichetage von Actelion.

Schlappe für die Teppichetage von Actelion.

Die Aktionäre des Biotechnologieunternehmens Actelion haben den Vergütungsbericht mit einer satten Mehrheit von 60 Prozent abgelehnt. Eine Woche nach der Privatbank Julius Bär sprachen sich damit zum zweiten Mal die Eigentümer eines Schweizer Grossunternehmens in einem nicht bindenden Votum gegen die Löhne des Top-Managements aus. Actelion-CEO Jean-Claude Clozel kassierte 2012 insgesamt 5'180'923 Franken, das sind 23 Prozent mehr als im Jahr zuvor. Die fünfköpfige Geschäftsleitung wurde insgesamt mit 14 Millionen Franken entschädigt.

Der Verwaltungsrat sei von dem Abstimmungsergebnis enttäuscht, aber nicht entmutigt, sagte Präsident Jean-Pierre Garnier. «Wir werden den Dialog mit unseren Aktionären fortsetzen, um wirklich ein Vergütungssystem zu entwickeln und zu implementieren, das dem heutigen Umfeld sowie den Bedürfnissen des Unternehmens und seiner Eigentümer entspricht», erklärte er.

Wachsender Widerstand

Die Schlappe für das Actelion-Management zeigt den wachsenden Widerstand der Anleger gegen zu grosszügige Management-Entlöhnungen. Wichtige Aktionäre Actelions sind unter anderem Fondsgesellschaften Orbis, Blackrock und Lazard Asset Managers.

Ausschlaggebend für die deutliche Ablehnung dürfte die Empfehlung der einflussreichen US-Aktionärsberater ISS und Glass Lewis gewesen sein. Aber auch die Schweizer Berater Ethos und Actares hatten zur Ablehnung geraten. (whr/sda)

«Bei UBS und CS sind die Chancen fifty-fifty»

Herr Tschopp*, Actelion-CEO Jean-Claude Clozel verdiente 2012 etwas mehr als fünf Millionen. Ist das übertrieben?

Es ist viel, auch wenn andere noch mehr kassieren. Was mich mehr stört ist nicht der Umfang der Entschädigung, sondern dass der variable Teil zu hoch ist. Hohe Boni fördern das kurzfristige Denken.

Nach Julius Bär ist Actelion bereits das zweite SMI-Unternehmen, das mit einem Nein der Aktionäre konfrontiert ist. Macht das Schule?

Es könnte ein neuer Trend sein. Die Aktionäre zeigen jetzt schon Muskeln, denn in Zukunft ist eine Ablehnung der Managerlöhne an den Generalversammlungen wegen der Abzocker-Initiative nicht mehr nur konsultativ, sondern bindend.

Wir warten gespannt, ob die Aktionäre von UBS und CS die Löhne ihrer Top-Manager ebenfalls ablehnen. Wie ist Ihre Prognose?

Bis vor kurzem dachte ich noch der Fall Julius Bär sei eine Ausnahme. Aber jetzt nach dem Nein bei Actelion stehen die Chancen für eine Ablehnung des Vergütungsberichts bei den zwei Grossbanken fifty-fifty.

* Roby Tschopp ist Geschäftsleiter der Aktionärsstiftung Actares

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