Aktualisiert 25.05.2010 04:22

Ölpest

Aktionäre verklagen BP

Wegen der Ölpest im Golf von Mexiko haben Aktionäre den Energiekonzern BP verklagt. Auch der Betreiberfirma Transocean droht Ungemach.

«Das Deepwater-Desaster hat für BP und seine Tochtergesellschaften finanzielle Konsequenzen, die sich auf Milliarden Dollar belaufen. Diese beinhalten die Haftung für den Schaden an Eigentum, kommerziellen Interessen und an der Tierwelt».

Das steht in einer am Montag veröffentlichten Klageschrift. Die Katastrophe habe den Marktwert von BP um 40 Milliarden Dollar geschmälert.

Das Gerichtsverfahren im US-Bundesstaat Delaware wurde von dem Privatinvestor Robert Freedman und der Verkehrsbetriebsgesellschaft Southeastern Pennsylvania Transportation Authority (SEPTA) angestrengt. BP äusserte sich zunächst nicht zu den Anschuldigungen.

BP war der Betreiber der gesunkenen Bohrinsel «Deepwater Horizon». Die Sorgen vor den Folgen der Ölpest für die Umwelt nehmen indes weiter zu.

BP gestand am Montag ein, das Absaugen des Öls vom Leck sei schwieriger als erwartet. Unklar bleibt weiterhin, wie viel Öl seit der Explosion der Bohrinsel am 20. April noch ins Meer strömt.

Am Dienstag oder Mittwoch will BP erneut versuchen, die Ölquelle in etwa 1600 Metern Tiefe zu verstopfen. Im US-Bundesstaat Louisiana hat der Ölteppich die artenreichen Sumpfgebiete erreicht. Über 110 Kilometer Küste sind von einem Ölfilm überzogen.

Transocean im Visier

Auch der Betreiberin der Bohrinsel Transocean droht Ungemach. Gegen das in der Schweiz angesiedelte Unternehmen soll wegen der Ölpest im Golf von Mexiko eine Untersuchung eingeleitet werden.

18 demokratische US-Senatoren forderten am Montag eine Untersuchung gegen Transocean, die Betreiberin der gesunkenen Ölplattform. Die Parlamentarier kritisieren die Entscheidung der Firmenleitung, ihren Aktionären eine Milliarde an Dividenden auszuzahlen. Der Beschluss war nach einer den Medien nicht zugänglichen Versammlung der Transocean-Aktionäre an die Öffentlichkeit gedrungen.

In einem Brief vom Montag an den amerikanischen Generalstaatswanwalt Eric Holder schreiben die Senatoren: «Wir befürchten, dass es schwieriger wird, Haftungsansprüche gegen das Unternehmen durchzusetzen, wenn soviel Geld so schnell aus der Firmenkasse in die Hände privater Investoren fliesst.»

Die Mitteilungen, die der Betrieb mit Hauptsitz in Zug im Zusammenhang mit der Katastrophe im Golf bisher gemacht habe, seien «problematisch», schreiben die Senatoren in dem Brief, der der Nachrichtenagentur SDA vorliegt.

Transocean weist Verantwortung von sich

Im Senatshearing habe das Unternehmen vergangene Woche jede finanzielle Verpflichtung für die Ölpest von sich gewiesen. Gleichzeitig habe Transocean angekündigt, durch die Versicherungszahlungen 270 Millionen Profit zu machen, da die Plattform für eine grössere Summe versichert worden sei als sie Wert wäre.

Die Senatoren befinden, es gehe nicht an, dass die Aktionäre von Transocean durch die Verschmutzung der Golfküste noch zu riesigen Profiten kämen. «Die Familien der Opfer, die durch die Katastrophe ruinierte Fischerei und staatliche Organisationen, die ohne Unterbruch an den Säuberungsarbeiten sind, verdienen Besseres», schreiben die Politiker an Holder.

Sie fordern den Staatsanwalt auf, schnell zu handeln. «Wir müssen sicherstellen, dass Unternehmen, die unsere natürlichen Ressourcen verschmutzen, von solchen Aktionen nicht auch noch profitieren», schliesst der Brief.

Transocean verlegte 2008 seinen Sitz von den USA in den Kanton Zug - um Steuergelder zu sparen, wie amerikanische Medien berichteten. Das Unternehmen ist seit April an der Schweizer Börse kotiert. Im Zuge der Ölkatastrophe sieht sich die Firma mit verschiedenen Klagen konfrontiert. (sda)

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