Julius-Bär: Aktionäre verweigern Managern Löhne
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Julius-BärAktionäre verweigern Managern Löhne

Schlappe für Julius-Bär-Chef Boris Collardi: Die Generalversammlung der Privatbank hat den Vergütungsbericht abgelehnt. Das gab es bei einer SMI-Firma noch nie. Der CEO verdiente letztes Jahr rund 6,8 Millionen Franken.

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sas/whr/sda
Julius-Bär-Chef Boris Collardi vediente im vergangenen Jahr rund 6,8 Millionen Franken.

Julius-Bär-Chef Boris Collardi vediente im vergangenen Jahr rund 6,8 Millionen Franken.

Aufstand der Aktionäre: Boris Collardi, erfolgsverwöhnter Chef der Privatbank Julius Bär, muss eine herbe Niederlage einstecken. Die Generalversammlung hat am Mittwochmorgen den Vergütungsbericht abgelehnt. Das gab es bei einem SMI-Unternehmen noch nie.

Das Urteil fiel klar aus: Fast 64 Prozent der Aktionärsstimmen lehnten den Bericht ab. Bemerkenswert: Es war das erste Mal, dass die Aktionäre über die Saläre des Top-Managements abstimmen konnten.

Gegen den Vergütungsbericht ausgesprochen hat sich auch die Anlagestiftung Ethos von Dominique Biedermann. Sie vertritt rund 130 Pensionskassen. Kritisiert wurde insbesondere fehlende Transparenz bei der Vergütungsstruktur der Mitglieder

der Geschäftsführung.

Grossverdiener Collardi

Sauer aufgestossen haben dürfte vielen Aktionären die Vergütung des CEO Boris Collardi. Der Tessiner bezog 2012 insgesamt 6,68 Millionen Franken. 927'000 Franken betrug der Fixlohn, 2,35 Millionen Franken in Cash der Bonus. Hinzu kamen Aktien im Wert von rund 3 Millionen Franken.

Zum Vergleich: CS-Chef Brady Dougan kam 2012 auf eine Gesamtvergütung von 7,8 Mio. Franken, Sergio Ermotti von der UBS erhielt 8,9 Millionen, ZKB-Chef Martin Scholl 1,7 Mio. und Raiffeisen-Schweiz-Chef Pierin Vincenz 1,9 Mio. Franken.

Ethos hat sich für eine Deckelung des CEO-Salärs ausgesprochen. Die variable Vergütung des CEO entspricht rund dem 6-fachen des Grundgehalts.

Die Vergütung für alle Geschäftsleitungsmitglieder zusammen beziffert der Julius-Bär-Geschäftsbericht auf insgesamt 15,2 Millionen Franken. Darin enthalten ist eine Prämie von 1,95 Mio. für die Integration des Vermögensverwaltungsgeschäfts ausserhalb den USA von Merill Lynch.

Hohe Löhne gemessen am Erfolg

Für Ethos ist klar: Die Vergütung für Collardi fällt angesichts der Grösse und des Erfolgs des Unternehmens unverhältnismässig hoch aus. Die Privatbank erreichte letztes Jahr einen Konzerngewinn von 298 Millionen Franken (+15 Prozent) und verwaltete Vermögen in der Höhe von 189 Milliarden Franken (+11 Prozent).

Seine Tätigkeit im Verwaltungsrat liess sich der im Frühling 2012 gewählte Präsident Daniel Sauter mit rund 1 Million Franken entgelten. Insgesamt bezogen die acht Verwaltungsräte 2,9 Millionen Franken.

Weatherford-Aktionäre sagten Nein

Das klare Verdikt der Julius-Bär-Aktionäre ist aber lediglich konsultativ und hat keinen bindendenden Charakter.

Wie die Bank mitteilt, will der Verwaltungsrat Massnahmen treffen, damit die Aktionäre den Bericht an der nächsten GV gutheissen.

Im Mai 2012 hatten rund 40 Prozent der UBS-Aktionäre in einer Konsultativ-Abstimmung den Vergütungsbericht der Grossbank abgelehnt. Damals sprach man bereits von einer Schlappe für die UBS-Führung. Abgelehnt wurde der Vergütungsbericht hingegen 2011 bei der in Zug ansässigen Erdölfirma Weatherford International. Damals stimmten 56 Prozent der Aktionärsstimmen gegen den Vergütungsbericht.

Winken die Aktionäre den Bericht das nächste Mal durch?

Künftig dürfen die Aktionäre bindend über die Vergütungen der Top-Manager abstimmen. Grund: Das Schweizer Stimmvolk hat diesen Frühling die Abzockerinitiative des Schaffhauser Ständerats Thomas Minder angenommen.

(sas/whr/sda/sda)

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