«Schulung» auf Youtube: Aktivisten liefern Anleitung zum Vermummen
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«Schulung» auf YoutubeAktivisten liefern Anleitung zum Vermummen

Do it yourself: Aktivisten haben ein Video gepostet, in dem sie zeigen, wie man sich für Demos vermummt.

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Nora Camenisch/Sonja Mühlemann
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Aktivist «Kim» zeigt in einem Video der Revolutionären Jugend Gruppe, wie man sich vermummt. Zur «Revolutionskluft» gehöre etwa eine Sturmmaske.

Aktivist «Kim» zeigt in einem Video der Revolutionären Jugend Gruppe, wie man sich vermummt. Zur «Revolutionskluft» gehöre etwa eine Sturmmaske.

Screenshot Youtube
Diese benötige man, um sich vor Repressalien durch die Polizei zu schützen. Denn diese gehören «nicht wirklich zu den besten Freunden», sagt eine Sprecherstimme.

Diese benötige man, um sich vor Repressalien durch die Polizei zu schützen. Denn diese gehören «nicht wirklich zu den besten Freunden», sagt eine Sprecherstimme.

Screenshot Youtube
Aus diesem Grund sei Demonstranten angeraten, auch Tattoos abzukleben.

Aus diesem Grund sei Demonstranten angeraten, auch Tattoos abzukleben.

Screenshot Youtube

Aktivist «Kim» zeigt, wie eine richtige «Revolutionskluft» auszusehen hat: Mit einer Sturmmaske das Gesicht verdecken, Logos auf Jacke und Schuhe überkleben und schwarze Kleidung anziehen. In einem Tutorial auf Youtube führen linksradikale Aktivisten vor der Reitschule vor, wie man sich für eine Demo so vermummt, dass man von der Polizei nicht erkannt wird.

Ins Internet gestellt hat das Video die Revolutionäre Jugend Gruppe (RJG), die auf ihrer Homepage auch zur Teilnahme am Anti-WEF-Fest am 24. Januar auf der Schützenmatte aufruft.

Anleitung zum Steine schmeissen

Wegen «voll fieser Ausbeutung» durch Arbeitgeber und «rassistische Nachbarn» sei es nötig, auf die Strasse zu gehen und zu demonstrieren. Weil man dann aber mit Repressalien durch die Polizei zu rechnen habe, müsse man sich «schützen und vermummen», beschreibt eine angenehme Sprecherstimme, die mit Hintergrundmusik unterlegt ist. Wie in der «Sendung mit der Maus» wird dem Zuschauer dann anschaulich vorgeführt, wie man sich unkenntlich macht – inklusive einem Vorher-Nachher-Vergleich.

Nach erlangter Anonymität heisst es: «Jetzt noch ein paar kurze Aufwärmübungen». Acht vermummte Frauen und Männer zeigen in einem Kreis pantomimisch vor, wie man richtig Steine schmeisst. Wichtig sei auch, dass man eine Wasserflasche an die Demo mitnehme, rät einem die Sprecherstimme. Wer nun aber denkt, die Aktivisten wollen die Demoteilnehmer zum Trinken animieren, irrt sich wohl: Vielmehr dürfte das Wasser dazu dienen, die Augen nach dem Einsatz von Tränengas durch die Polizei zu reinigen.

Vermummte werden mit Bussen bestraft

Auf ihrer Homepage lassen die Aktivisten den Besucher dann noch wissen, dass diese Art der Vermummung nicht immer notwendig sei. «Wenn es nur darum geht, vom Chef oder der Chefin nicht erkannt zu werden, reichen Kapuze und Sonnenbrille oftmals schon.»

Die Anleitung im Netz sei nicht primär für den Event gedacht, schreibt die RJG in einem Mail an 20 Minuten. «Aber klar, wir wollen natürlich auch auf das Anti-WEF-Fest aufmerksam machen.» Am Fest seien einige Attraktionen geplant, darunter ein Kinderprogramm «mit Spiel und Spass für Jung und Alt». Später gibt es Essen und ein Konzert.

Keine Bewilligung eingeholt

Eine Bewilligung für den Event habe man nicht eingeholt. «Denn wir fragen sicher nicht diejenigen, die wir kritisieren und weghaben wollen, um Erlaubnis, um gegen sie zu protestieren», so die Begründung der RJG. Bei der Stadt weiss man vom Fest. «Wir stehen mit der Kantonspolizei Bern in Kontakt und beobachten die weitere Entwicklung», so Martina Rettenmund von der Sicherheitsdirektion.

Im Kanton Bern gilt ein Vermummungsverbot an bewilligungspflichtigen Kundgebungen – bei einem Verstoss drohen Bussen. Illegal ist das Tutorial aber nicht. «Die Herstellung und Verbreitung des betreffenden Videos ist strafrechtlich nicht relevant, jedoch bedenklich», sagt Kapo-Sprecherin Simona Benovici.

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