23.12.2014 04:54

Im ÖV

Aktivisten prangern Berner Asyl-Programm an

Im Berner ÖV wurden täuschend echte Bernmobil-Flyer ausgehängt: Auf diesen wird das Programm Team Sauber kritisiert. Die Verantwortlichen weisen die Vorwürfe zurück.

von
Sonja Mühlemann
Aktivisten hängten täuschend echte Bernmobil-Flyer in Tram und Bussen auf - und prangern angebliche Missstände an.

Aktivisten hängten täuschend echte Bernmobil-Flyer in Tram und Bussen auf - und prangern angebliche Missstände an.

Für neun Franken pro Tag sammeln Asylsuchende in Bern den Abfall in städtischen Bussen und Trams ein. Das Team Sauber beschäftigt rund 30 Asylsuchende – 2013 gewann das Integrationsprogramm den Umweltpreis der Stadt Bern.

Aktivisten kritisieren dieses nun und haben in den öffentlichen Verkehrsmitteln täuschend echte Bernmobil-Flyer ausgehängt. «Migranten werden in ihrer alternativlosen Situation von Arbeitsintegrationsprogrammen wie Team Sauber ausgenutzt», schreiben die anonymen Kritiker auf einer extra ins Leben gerufenen Website. Die IP-Adresse lässt sich ins Ausland zurückverfolgen. Die Asylbewerber hätten gar keine andere Möglichkeit, als sich auf diese Weise das Sozialgeld aufzubessern. «Bernmobil geht es vor allem um die billigen Arbeitskräfte, nicht um den Aspekt der Integration», lautet der anonym formulierte Vorwurf.

«Beliebte Arbeitsplätze»

Bei Bernmobil weist man die Vorwürfe als «haltlos und an den Haaren herbeigezogen» zurück, die Flyer wurden entfernt: «Asylbewerber erhalten im Team Sauber die Möglichkeit einer Tätigkeit nachzugehen – dies gibt ihnen eine Tagesstruktur und bereitet sie auf den Arbeitsmarkt vor. So lernen sie etwa, pünktlich am Arbeitsort zu erscheinen», sagt Bernmobil-Sprecher Rolf Meyer. Die Arbeitsplätze seien sehr beliebt: «Es wird eine Warteliste geführt.» Ohne das Team Sauber könne der Berner ÖV tagsüber nicht gereinigt werden. «Wir können uns dies schlichtweg nicht leisten», so Meyer weiter.

Die Aktivisten kritisieren diese angebliche Win-Win-Situation: «Es ist nicht abzustreiten, dass Migranten in ihrer Situation ein solches Programm begrüssen. Doch ihre Situation ist gezeichnet von Zwang, Unterdrückung und Erpressung.»

«Team Sauber gefährdet keine Arbeitsplätze»

Das Team Sauber ist ein Angebot des städtischen Kompetenzzentrums für Integration. Auch deren Leiterin weist die Vorwürfe der Aktivisten zurück: «Das Team Sauber bietet neben der Vorbereitung für den Arbeitsmarkt die Möglichkeit für sozialen Austausch und das Lernen hiesiger Gepflogenheiten», sagt Ursula Heitz. Die Stadt biete solche Beschäftigungsprogramme im Auftrag des Kantons an. Das Team Sauber komme bei den Asylbewerbern gut an und werde durch Mund-zu-Mund-Propaganda weiterempfohlen. «Viele fragen bei uns für eine Beschäftigungsmöglichkeit an. Die Teilnahme an diesem Programm ist in jedem Fall freiwillig. Es wird niemand beschäftigt, der dies nicht will.»

Es würden auch keine bestehenden Arbeitsplätze gefährdet: «Es werden sinnvolle Tätigkeiten geschaffen, für die es im regulären Arbeitsmarkt keine Stellen gibt», so Heitz weiter.

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