Neuralink – Aktivisten werfen Gehirn-Start-up von Elon Musk Tierquälerei vor
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NeuralinkAktivisten werfen Gehirn-Start-up von Elon Musk Tierquälerei vor

Das Unternehmen testet seine Implantate an Primaten. 16 der Tiere sollen während der Experimente bereits verstorben sein, Tierschutzorganisationen sprechen von «verstörenden Zuständen».

von
Benedikt Hollenstein
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Elon Musks Unternehmen Neuralink sieht sich starker Kritik ausgesetzt.

Elon Musks Unternehmen Neuralink sieht sich starker Kritik ausgesetzt.

REUTERS
Der Konzern will ein Gerät entwickeln, das die «Übersetzung» von Gedanken in computerlesbare Daten ermöglichen soll.

Der Konzern will ein Gerät entwickeln, das die «Übersetzung» von Gedanken in computerlesbare Daten ermöglichen soll.

AFP
Musk äusserte sich noch im Dezember 2021 zuversichtlich, dass in diesem Jahr erste Versuche an Menschen durchgeführt werden könnten. Diese Vorgabe dürfte nun in weite Ferne gerückt sein.

Musk äusserte sich noch im Dezember 2021 zuversichtlich, dass in diesem Jahr erste Versuche an Menschen durchgeführt werden könnten. Diese Vorgabe dürfte nun in weite Ferne gerückt sein.

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Darum gehts

Wie er es auch in seiner Rolle als CEO von Tesla und SpaceX gerne tut, zeichnete Elon Musk im Jahr 2016 bei der Vorstellung von Neuralink eine unmittelbar bevorstehende, glänzende Zukunft. Der Multimilliardär gründete das Unternehmen mit seinen Mitstreitern mit dem Ziel, eine Art Übersetzungsgerät zur Konversion von menschlichen Gedankengängen zu computerlesbaren Daten und umgekehrt zu entwickeln. Im April 2021 veröffentlichte Neuralink ein Video, in dem der Affe «Pager» ein Videospiel offenbar mit seinen Gedanken kontrollierte.

Doch offenbar sind bei weitem nicht alle am Experiment beteiligten Affen so gesund und lebendig wie Pager im Video. Von den 23 Tieren, die für die Experimente mit dem Implantat ausgewählt wurden, leben gemäss der Tierschutzorganisation «Ärzte für eine verantwortungsbewusste Medizin» (PCRM) gerade noch sieben. Dies sei aus Unterlagen hervorgegangen, die der Organisation vorliegen. Und das, obwohl der reichste Mann der Welt im Dezember 2021 noch prognostizierte, dass schon 2022 erste Menschen das Implantat erhalten sollen. Was läuft schief bei Neuralink?

Laut den fast 600 Seiten umfassenden Unterlagen, zu denen sich die Tierschutzorganisation 2021 gerichtlich Zugang verschafft hatte, leiden viele der Versuchstiere stark unter den Experimenten. Einzelnen Tieren sei bis zu zehn Mal der Schädel geöffnet worden, um Änderungen an den Gehirnimplantaten vorzunehmen. Auch das Fesseln an Stühle und stundenlange Isolation seien laut den Unterlagen nicht ungewöhnlich gewesen. Tiere hätten ausserdem Hirnblutungen, Geschwüre und schwere Entzündungen aufgewiesen. Die Aktivisten wollen nun mit einer Klage gegen Neuralink vorgehen.

Neuralink dementiert Vorwürfe

«Ich denke, dass Neuralink sehr gut im Marketing ist und sehr selektive Videos erstellt. Aber die Realität ist viel düsterer, wenn man sich genauer anschaut, was diese Implantate für die Tiere bedeuten, denen sie ins Gehirn eingesetzt werden», sagte Jeremy Beckham von PCRM gegenüber «Stern».

Nun hat Neuralink in einem Blog-Post zu den Vorwürfen Stellung bezogen. Das Unternehmen räumt ein, dass im Zuge der Experimente Affen verstorben sind, weist aber jegliche Vorwürfe der Tierquälerei zurück. «Das Unternehmen ist stets bemüht, auf möglichst humane und ethisch korrekte Weise mit den Tieren zu arbeiten», schreibt der Konzern in seiner Mitteilung.

Der Einsatz jedes Tieres sei detailliert geplant gewesen, zwei Tiere habe man zu vorhin festgelegten Zeitpunkten eingeschläfert, um wichtige Informationen zu Gewebe und Zellen zu gewinnen. Sechs weitere Tiere seien aufgrund von Empfehlungen der Universität Kalifornien eingeschläfert worden. Generell sei das Unternehmen «nie zufrieden mit den Haltebedingungen für Versuchstiere». Man arbeite deshalb laufend daran, mehr für die Tiere zu tun, die so viel zum Fortschritt der Menschheit beitragen würden. 

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