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MühlebergAKW-Abbruch könnte für Steuerzahler teuer werden

Der Abbruch von Mühleberg soll 800 Millionen Franken kosten – Kritiker rechnen aber mit Milliarden-Kosten. Am Schluss haftet der Steuerzahler.

von
Florian Meier
Das AKW Mühleberg ist seit 1972 in Betrieb. 2019 soll es vom Netz genommen werden.

Das AKW Mühleberg ist seit 1972 in Betrieb. 2019 soll es vom Netz genommen werden.

Für das AKW Mühleberg ist 2019 Schluss. Die Betreibergesellschaft BKW will sofort nach der Stillegung mit dem Abbruch beginnen. Die Arbeiten sollen 15 Jahre dauern und 800 Millionen kosten. Doch bereits jetzt hagelt es von Seiten der Umweltorganisationen Kritik am Mega-Projekt – viele befürchten, dass der Abbruch viel teurer wird.

«Kosten könnten auf über eine Milliarde steigen»

Die Kostenangaben seien «reine Schönwetterrechnerei», sagt etwa Sabine von Stockar von der Schweizerischen Energie-Stiftung SES. Diese rechnet mit Kosten in Milliardenhöhe.

Denn gemäss von Stockar wird immer vom Idealfall ausgegangen. Aber: «Dies ist besonders in diesem Fall unrealistisch.» Zum einen fehle schlicht die Erfahrung, zum anderen habe jedes AKW seine eigenen Probleme, die nur sehr schwer eingeschätzt werden können. «Mühleberg wurde beispielsweise ganz anders nachgerüstet als andere Kraftwerke.» Aus diesem Grund müsse es natürlich auch anders abgebaut werden. «Es könnte also zum Beispiel speziell entwickelte Techniken brauchen, die sehr teuer sind.»

Auch Florian Kasser von Greenpeace glaubt nicht, dass die geplanten 800 Millionen genug sind. «Die finanziellen Risiken wurden viel zu wenig genau untersucht.» Die Planung sei auch noch viel zu ungenau. «Ich würde mich nicht wundern, wenn die Kosten am Schluss auf über eine Milliarde Franken steigen.»

Strommarkt ist unter Druck

Bezahlt werden die Arbeiten von der Betreiberfirma. Aber was passiert, wenn die Kosten in die Höhe schiessen und die BKW die Rechnungen nicht mehr bezahlen können? Gemäss Marianne Zünd vom Bundesamt für Energie müssten dann die anderen AKW-Betreiber dafür einstehen. Bedingung sei aber, dass diese wegen den Zahlungen nicht selber finanziell ins Schleudern kommen.

Genau das ist aber alles andere als sicher, wie Rolf Wüstenhagen, Professor für Management erneuerbarer Energien an der der Universität St. Gallen, erklärt: «Momentan beobachten wir ein Überangebot an Strom in Europa, was zu einem enormen Margendruck führt.» Dies zeigt sich auch am Beispiel der Axpo, die das AKW Beznau betreibt und an den Kraftwerken in Gösgen und Leibstadt beteiligt ist. Im Geschäftsjahr 2013/2014 schrieb das Unternehmen einen Verlust von über 700 Millionen Franken. «Es ist also fraglich, ob im Fall einer Zahlungsunfähigkeit der BKW mit finanzieller Hilfe von anderen AKW-Betreibern gerechnet werden kann», sagt Wüstenhagen.

BKW wehrt sich

Das heisst im Klartext: Zum Schluss müsste der Steuerzahler einspringen «Können die anderen Betreiber die Mehrkosten nicht decken, müsste der Bund für die Kosten aufkommen», bestätigt Zünd.

Die Betreibergesellschaft BKW beschwichtigt: «Wir gehen davon aus, dass die Kosten eingehalten werden können», sagt ein Sprecher. Im letzten Jahr schrieben die BKW einen Gewinn von 290 Millionen Franken.

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