Aktualisiert 13.05.2014 19:02

Mühleberg BEAKW will Strahlungsdaten nicht herausrücken

Ein Spezialist hat die radioaktive Strahlung des AKW Mühlebergs gemessen. Weil die Betreiber keine Daten zum Vergleich herausgeben wollen, geht er nun vor Gericht.

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lex/smü
AKW Mühleberg: Greenpeace befürchtet hohe Mengen an radioaktiven Gasen.

AKW Mühleberg: Greenpeace befürchtet hohe Mengen an radioaktiven Gasen.

Strahlenschutz-Spezialist Marco Bähler sorgt sich um die Gesundheit der Anwohner beim AKW in Mühleberg. Gemäss seinen Messungen gibt das Atomkraftwerk während der Jahresrevision teils massiv mehr Radioaktivität in Luft und Wasser ab als normal. Seine Daten wollte Bähler mit jenen der AKW-Betreiberin BKW und des eidgenössischen Nuklear-Sicherheitsinspektorats ENSI vergleichen – doch beide Stellen weigern sich, diese herauszugeben. Deshalb zieht er nun vors Bundesverwaltungsgericht. «Ich führe diesen Kampf seit drei Jahren – ich spüre in mir die tiefe Verpflichtung, für die Generation nach uns einzustehen und die Umwelt zu schützen», sagt der Greenpeace-Aktivist. Radioaktive Strahlung sei besorgniserregend, weil sie potentiell Krebsleiden verursachen würde.

Alarmierende Werte

Bähler prangert insbesondere die radioaktiven Emissionen im Jahr 2012 an: Damals will er massiv hohe Werte gemessen haben. Weil das ENSI nur aufsummierte Jahreswerte veröffentlicht, forderte Bähler deshalb Einsicht in die Daten, um auch temporäre Konzentrationen herauslesen zu können. Die Daten werden am AKW-Hochkamin im Zehnminuten-Takt erfasst – die Betreiberin BKW liefert sie dann an das ENSI.

Doch dieses verweigerte Bähler die Einsicht und berief sich auf eine Vereinbarung zwischen AKW-Betreibern und Aufsichtbehörde.

Greenpeace ortet nun eine Vertuschung: «Ich befürchte dass sich Aufsichtsbehörde und Betreiber zur Herausgabe der Daten weigern, weil vom AKW deutlich mehr Radioaktivität freigesetzt wird, als bisher zugegeben», so Florian Kasser, Atomcampaigner der Umweltorganisation.

Datenschützer fordert Freigabe

Um trotzdem an die Messwerte zu gelangen wandte sich Strahlenschutz-Spezialist Bähler an den eidgenössischen Datenschutzbeauftragten. Mit Erfolg: Dieser stützte seine Argumentation und empfahl dem ENSI, die geforderten Daten freizugeben. Doch weder dieses noch die AKW-Betreiberin BKW lieferten die Daten: «Sie werden im Interesse des Notfallschutzes freiwillig dem ENSI zur Verfügung gestellt – es handelt sich nicht um ein amtliches Dokument. Folglich ist die BKW nicht verpflichtet, sie einer Privatperson abzugeben», sagt BKW-Sprecher Antonio Sommavilla.

Marco Bählers Kampf vor dem Bundesverwaltungsgericht könnte ihn bis zu 20'000 Franken kosten. «Ich trage das finanzielle Risiko selber – doch Private und Organisationen haben mir ihre Unterstützung zugesichert.»

Dass die Berner am 18. Mai über die Initiative Mühleberg vom Netz abstimmen und er nun bekanntgegeben habe vors Bundesverwaltungsgericht zu ziehen, sei ein Zufall. Bis der Fall verhandelt werde, könne es ein Jahr dauern.

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