Aktualisiert 17.03.2011 21:24

BKW zu Mühleberg

AKW würde Erdbeben überstehen

Bei einem Beben der Stärke 7 würde das AKW Mühleberg zwar Schaden nehmen, eine Kernschmelze würde aber nicht eintreten, beteuert der Betreiber BKW.

Der Berner Energiekonzern BKW verfolgt die Ereignisse in Japan «mit grosser Sorge». Sofortmassnahmen seien derzeit aber nicht erforderlich. Das Berner Atomkraftwerk in Mühleberg würde nach Angaben seiner Betreiberin, der BKW Energie AG, ein Erdbeben der Stärke 7 und einen gleichzeitigen Bruch des Staudamms am Wohlensee überstehen. Die Flutwelle würde eine Höhe von fünf Meter erreichen.

Obwohl das Atomkraftwerk Mühleberg der gleiche Reaktortyp ist, wie die Meiler im japanischen Fukushima, betonen die Betreiber, dass die beiden Werke nur bedingt miteinander vergleichbar sind. Das Werk in Mühleberg sei immer wieder nachgerüstet worden. Diese Nachrüstungen kosteten mit 400 Mio. Franken mittlerweile mehr als der seinerzeitige Bau der Anlage. Darum drängt sich laut Beurteilung der BKW trotz des Störfalls in Japan keine vorsorgliche Abschaltung des Kraftwerks auf, das bereits 1972 ans Netz ging.

Den Berechnungen zur Erdbebensicherheit liege das grösste bislang bekannte Beben der Schweiz mit Magnitude 7 in der Region Basel zugrunde. Es ereignete sich vor rund 600 Jahren. Die Schweiz wird als Zone mit moderater Erdbebengefährdung eingestuft. Aktivere Zonen sind Basel und das Wallis. Nach den Ereignissen in Japan werde man diese Parameter hinterfragen, kündigte BKW-Chef Kurt Rohrbach am Donnerstag vor den Medien an.

AKW-Gegner kritisieren Risse im Kernmantel

AKW-Gegner fordern seit langem die Abschaltung des AKW Mühleberg. Mit seinen rund 40 Jahren Laufzeit sei der Meiler marode. Sie warnen insbesondere vor Rissen im Kernmantel. Die BKW hat diese mit Zugankern gesichert.

«Die Zuganker können beim grössten anzunehmenden Erdbeben, bei dem eine Kühlleitung abbricht, den Kernmantel (...) nicht mehr zusammenhalten. Die Kühlung des Kerns wird damit unmöglich», schreibt etwa die Organisation Fokus Anti-Atom auf ihrer Homepage.

«Keine schlafenden Hunde wecken»

Staub aufgewirbelt hatte im vergangenen Januar auch ein von Fokus Anti-Atom öffentlich gemachter Mailverkehr der BKW zum Hochwasserrisiko in Mühleberg.

Daraus ist ersichtlich, dass die BKW aus einem Foliensatz für eine Behördeninformation eine Grafik herausstrich, weil man «keine schlafenden Hunde wecken» wolle. Die Aussage, dass ein neues AKW auf einer künstlichen Terrasse erbaut würde, hätte den Eindruck entstehen lassen können, dass das heutige Werk vor solchen Gefahren nicht geschützt sei, hiess es damals in der Zeitung «Der Bund».

Gewinn sinkt um 25 Prozent

Die BKW Energie AG legte am Donnerstag auch ihre detaillierten Zahlen für das Jahr 2010 vor. Der Gewinn sank im Vergleich zum Vorjahr um rund einen Viertel auf 228 Mio. Franken.

Die BKW bekam vor allem die tieferen Strompreise und den schwachen Euro zu spüren. Die Konzernverantwortlichen sprechen in ihrer Mitteilung vom Donnerstag von einem «soliden operativen Ergebnis», das man in einem anspruchsvollen Markt- und Finanzumfeld erzielt habe.

Kein politisches Hickhack

Die Gemeindepräsidenten des solothurnischen Niederamts - der Standortregion des AKW Gösgen - wollen wegen der nuklearen Katastrophe in Japan nichts überstürzen. Das Gebot der Stunde sei «besonnenes Abwarten» und nicht ein «politisch motiviertes Hickhack».

Die Frage der Atomenergie und möglicher Alternativen werde grundsätzlich überdacht, teilte die Gemeindeammännerkonferenz Niederamt in der Nacht auf Donnerstag mit. Es solle abgewartet werden, bis die Daten von Bund und Kanton über die eingeleiteten Abklärungen vorlägen. (sda)

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