Aktualisiert 28.02.2015 11:20

CO2-Emissionen«AKWs sind nicht die schlechteste Lösung»

Die CO2-Emissionen sollen in den nächsten Jahren deutlich gesenkt werden. Mit diesen sechs Massnahmen könnte dies gelingen.

von
Ph. Flück
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SVP-Nationalrat und Präsident der Kommission des Nationalrats für Umwelt, Raumplanung und Energie, Hans Killer: «Atomkraftwerke wären wahrscheinlich nicht die schlechteste Lösung.»

SVP-Nationalrat und Präsident der Kommission des Nationalrats für Umwelt, Raumplanung und Energie, Hans Killer: «Atomkraftwerke wären wahrscheinlich nicht die schlechteste Lösung.»

Keystone/Alessandro Della Bella
Bastien Girod, Nationalrat der Grünen: «Wasserkraftwerke ...

Bastien Girod, Nationalrat der Grünen: «Wasserkraftwerke ...

Keystone/Christian Beutler
... Windkraftwerke ...

... Windkraftwerke ...

Keystone/Jean-christophe Bott

Bis 2030 soll der Ausstoss von Treibhausgasen um 50 Prozent reduziert werden, wie der Bundesrat am Freitag bekannt gegeben hat. Dabei sollen mindestens 30 Prozent der Reduktionen im Inland erzielt werden.

WWF-Sprecher Patrick Hofstetter ist enttäuscht vom Bundesrat: «Die Ziele sind beschämend tief gesteckt. Gemessen an den Erkenntnissen der Klimawissenschaft verdient der Vorschlag des Bundesrates bestenfalls Note 2–3.» Die Schweiz drücke sich von ihrer Verantwortung und hoffe, die anderen Länder würden das Problem für sie lösen. Dies obwohl die Schweiz über brillante Klimawissenschaftler verfüge: «Es ist bitter, dass die Regierung deren Erkenntnisse einfach ignoriert.»

Anderer Meinung ist Kurt Lanz, Leiter für Energie und Umwelt von Economiesuisse: «Die Ziele des Bundesrats sind unrealistisch hoch angesetzt.» Die Emissionen im Inland um 30 Prozent zu reduzieren, sei schlicht nicht machbar. Die Schweizer Volkswirtschaft gelte schon jetzt als eine der energieeffizientesten der Welt. «Wir haben bereits alle Massnahmen getroffen, die sich wirtschaftlich rechnen.» Zusätzliche Massnahmen seien mit ungleich höheren Kosten verbunden: «Gerade im aktuell schwierigen Umfeld liegen solche Zusatzbelastungen für unseren Werkplatz nicht mehr drin.»

Obwohl sich die Experten nicht einig sind, müssen die Ziele des Bundesrats umgesetzt werden. Dazu wären laut Spezialisten folgende Massnahmen möglich:

Zurück zur Atomkraft

Hans Killer, SVP-Nationalrat und Präsident der Kommission des Nationalrats für Umwelt, Raumplanung und Energie, hält die Rückkehr zur Atomenergie für eine mögliche Lösung zur Reduzierung der Emissionen, da Atomkraftwerke kein CO2 freisetzen würden bei der Herstellung von Energie: «Politisch haben wir uns zwar davon abgewendet, aber vielleicht merkt man durch die neuen Ziele des Bundesrats, dass der Atomausstieg nicht so einfach ist.» Irgendwie müsse man die Energie, die durch den Atomausstieg verloren gehe, auftreiben. Solange die Technik dies nicht ohne eine Erhöhung der CO2-Emissionen könne, sei die Atomenergie wahrscheinlich nach wie vor sinnvoll.

Hofstetter hat Verständnis für diese Forderung: «Wenn man davon ausgeht, dass Atomkraft ungefährlich und billig ist, kann ich mir gut vorstellen, dass gewisse Leute darin eine gute Lösung sehen.» Diese müssten aber verstehen, dass die Atomenergie unumgängliche Unfall- und Entsorgungsrisiken berge und dass andere Massnahmen viel billiger seien.

Alternative Energiequellen

Bastien Girod, Nationalrat der Grünen, sieht grosses Potenzial in den erneuerbaren Energiequellen: «Schon heute kommt die Hälfte der Energie aus Wasserkraftwerken.» Nun müsse man stärker auf die Sonnenenergie setzen, da diese billig und einfach zu gewinnen sei: «Deshalb werden Solaranlagen in Zukunft immer stärker an Bedeutung gewinnen.» Weiter könne man wichtige Bioenergie aus landwirtschaftlichen Abfällen gewinnen.

Nicht gleichermassen begeistert ist Killer: «Die Energiegewinnung aus diesen Quellen ist zum Teil noch nicht genug entwickelt.» Bei den Wasserkraftwerken hingegen sei das Potenzial bereits ausgeschöpft: «Da ist nichts mehr möglich.»

Elektro-Autos und Car-Sharing

Laut Girod zählen Autos zu den Hauptverursachern von CO2-Emissionen. Deshalb sei es logisch, dass man versuchen müsse, möglichst auf Autos mit Elektromotoren zu setzen. «Der Strom für die Autos muss aber aus erneuerbaren Quellen kommen, sonst würde es wenig Sinn ergeben.»

Auch Hofstetter würde die Zuwendung zu Elektro-Autos begrüssen. Er sei aber bereits zufrieden, wenn mehr Leute mit sparsameren Autos unterwegs wären: «Heute kaufen wir in der Schweiz tendenziell zu grosse und schwere Autos für die meist kurzen Wegstrecken, die wir täglich fahren.» Dies obwohl auf dem Markt schon sehr ökologische Modelle erhältlich seien. Auch die Förderung von Car-Sharing sei wichtig, um die von Autos verursachten Emissionen zu reduzieren: «Diesbezüglich gibt es schon sehr gute Angebote, nun müssen möglichst viele Leute auf solche Transportmodelle umsteigen.»

Fracking

Die Eidgenössische Geologische Fachkommission (EGK) sieht in Fracking grosse Chancen für die Energiestrategie der Schweiz. Dabei handelt es sich um ein Verfahren, bei dem Risse im Gestein einer unterirdischen Lagerstätte erzeugt werden, mit dem Ziel, darin enthaltene Gase oder Flüssigkeiten (oft Erdöl) zu gewinnen. Die Risiken für die Umwelt können laut dem EGK durch technische Massnahmen und Forschung auf eine kalkulierbare Grösse vermindert werden.

«Fracking ist der reine Klima-Killer», empört sich Hofstetter. Somit würde man lediglich noch mehr fossile Brennstoffe fordern und folglich mehr Emissionen verursachen. «Fracking ist ganz klar der falsche Weg.»

Höhere CO2-Abgaben

«Besonders bei kleinen und mittelgrossen Firmen sind Klimaschutzmassnahmen noch kein Thema», ist sich Hofstetter sicher. Damit dies geschehe, müsse man die CO2-Abgaben noch weiter erhöhen: «So schafft man Anreize und die Emissionen bleiben tief.»

Kurt Lanz wehrt sich vehement gegen diese Massnahme: «Schon jetzt hat die Schweiz die höchste CO2-Abgabe der Welt.» Wenn diese weiter angehoben würde, riskiere man, dass viele Firmen ins Ausland ziehen würden, um von billigeren Abgaben zu profitieren. «Betriebe, die Emissionen sparen können, tun dies meistens schon.»

Experten helfen KMU

Laut Lanz ist das Problem bei kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) eher, dass sie nicht wissen, wie sie ihre Emissionen einfach reduzieren können. Um dieses Problem zu lösen, gebe es bereits die Energieagentur für Wirtschaft, die kleinen Unternehmen Klimaexperten zur Seite stellen würden. «Diese können so mit wirtschaftlichen Investitionen den CO2-Ausstoss senken.» Im Gegenzug würden die Unternehmen von der CO2-Abgabe befreit. «Man muss Betriebe auch für Gutes belohnen und nicht nur für Schlechtes bestrafen.»

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