Aktualisiert 02.09.2005 07:37

Al Kaida bekennt sich zu Anschlägen von London

Die Nummer zwei der Organisation, erklärte in einem Video, die Anschläge seien einen «Schlag ins Gesicht des tyrannischen und arroganten Kreuzritterlandes Grossbritannien».

Sie seien eine Reaktion auf die Politik des britischen Premierministers Tony Blair und dessen Weigerung, ein Friedensangebot von Al Kaida anzunehmen, erklärte Ajman al Sawahri in dem am Donnerstagabend von Al Dschasira ausgestrahlten Video. Damit sei der Kampf direkt ins Land des Feindes getragen worden.

Auch einer der vier Selbstmordattentäter, die sich im Londoner Nahverkehr in die Luft gesprengt und 52 Menschen mit in den Tod gerissen hatten, kam zu Wort. Der Mohammad Sidique Khan erklärte laut Al Dschasira in einer Art Testament, die Anschläge richteten sich gezielt gegen die westliche Zivilisation. Zivilpersonen würden auch weiterhin so lange angegriffen werden, bis Muslime sich unter ihnen sicher fühlen könnten. «Solange Ihr die Bombardierung, Vergasung, Verhaftung und Folter meines Volkes nicht stoppt, wird dieser Kampf nicht enden.» Die westlichen Staatsbürger seien für die Ungerechtigkeit ihrer Regierungen gegenüber Muslimen mit verantwortlich, weil sie diese gewählt hätten, sagte der 30-jährige Brite pakistanischer Herkunft.

Nach Jahrhunderte langer Besetzung muslimischen Territoriums durch westliche Truppen spiele sich der Kampf nun auf dem Boden westlicher Staaten ab. «Die Anschläge waren ein Schluck aus dem Glas, aus dem die Muslime getrunken haben.» Wegen der Politik von Blair und US-Präsident George W. Bush werde der Westen «weitere Katastrophen» erleiden.

Der Stellvertreter von Osama bin Laden sagte nicht ausdrücklich, dass Al Kaida die Attentäter geschickt oder ausgebildet habe. Zwei amerikanische Antiterrorexperten erklärten, das Netzwerk betrachte die Anschlagsserie vermutlich als Sieg und wolle davon profitieren. Der Attentäter Khan erklärte auf dem Videoband, er sei von Bin Laden, Sawahri und dem im Irak aktiven jordanischen Terroristen Abu Mussab al Sarkawi «inspiriert» worden.

Khan und Sawahri sind auf dem Film nicht gleichzeitig zu sehen, die Einstellung sind jeweils zusammengeschnitten. Dies belegt zwar einen gewissen Grad an Koordination. Ein Indiz für die direkte Beteiligung Al Kaidas an den Terrorakten wäre indes ein gemeinsames Auftreten Khans und Sawahris gewesen.

Scotland Yard teilte mit, man nehme das Video ernst. «Wir betrachten es als Teil der fortlaufenden Ermittlungen», sagte eine Sprecherin der Londoner Polizei. Das Büro von Blair gab zunächst keine Stellungnahme ab.

In den Wochen nach den Anschlägen waren mindestens zwei Bekennerschreiben im Internet aufgetaucht. Beide von Gruppen, deren Glaubwürdigkeit zweifelhaft erschien. In einer ersten Tonbandbotschaft vom 4. August hatte Sawahri keine direkte Verantwortung für die Bombenserie übernommen. Er erklärte damals, ein Ableger des Netzwerkes habe diese verübt. (dapd)

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