Aktualisiert 04.09.2014 13:58

Kampf um AnhängerAl Kaida weicht wegen IS auf Indien aus

Der Erfolg der Terrorarmee Islamischer Staat gräbt der Al Kaida das Wasser und die jungen Anhänger ab. Jetzt will diese auf dem indischen Subkontinent ein «Kalifat» errichten.

von
gux

Es ist still geworden um das Terrornetzwerk Al Kaida. Aus gutem Grund: Der Al Kaida gehen die jungen Gefolgsleute aus - diese laufen in Massen zu der an Radikalität kaum zu überbietenden Terrororganisation Islamischer Staat (IS) über. Auch Inder: In den vergangenen Monaten sollen immer mehr radikale Muslime in den Irak und nach Syrien gereist sein, um für den IS zu kämpfen. Etwa Arif Majeed: Der 22-jährige Student war im Mai zusammen mit drei Freunden in den Irak gereist, um sich dem IS anzuschliessen. Ende August wurde er bei Kämpfen getötet, so die «New York Times».

Angesichts des überwältigenden Erfolgs der konkurrierenden Terrormiliz geht Al Kaida in die Offensive. Sie baut auf dem indischen Subkontinent eine Kommando-Einheit auf, um dort gegen «Ungläubige» zu kämpfen. Dies kündigte Al-Kaida-Chef Aiman al-Sawahiri in einem am Mittwoch im Internet verbreiteten Video an.

«Flagge des Dschihad über ganz Südasien»

Erklärtes Ziel: die Errichtung eines islamischen Staats, eines «Kalifats», in Myanmar, Bangladesch und Teilen von Indien.

Über ganz Südasien solle «die Flagge des Dschihad wehen», sagte al-Sawahiri. Der Al-Kaida-Ableger - er heisst Kaedat al-Dschihad - solle «für die Ausbreitung des islamischen Rechts sorgen und Muslime vor Ungerechtigkeit und Unterdrückung schützen», so al-Sawahiri.

Die Region sei muslimisches Territorium gewesen, bevor sie von den «Ungläubigen» besetzt worden sei. Der neue Al-Kaida-Ableger habe deswegen den Auftrag, hier die «künstlichen Grenzen» zwischen der muslimischen Bevölkerung der einzelnen Länder zu durchbrechen.

Al-Sawahiris offene Rechnung mit IS-Chef Bagdadi

Experten werten al-Sawahiris Ankündigung als Versuch, in der Öffentlichkeit gegenüber dem IS aufzutrumpfen. Die Ankündigung unterstreicht erneut die Konkurrenz zwischen Al Kaida und IS. Beide waren einst Verbündete. Im Frühjahr hatte sich der IS offiziell von Al Kaida abgespalten. Die Al-Kaida-Führung unter al-Sawahiri habe sich von den Grundsätzen des «Heiligen Krieges» entfernt und die Bewegung der «Gotteskrieger» entzweit, so die Begründung.

Tatsächlich hatte sich der IS gegen den Willen der Al-Kaida-Führung vom Irak nach Syrien ausgedehnt. Mit der Ankündigung eines Al-Kaida-Kalifats in Indien will al-Sawahiri dem IS-Chef Abu Bakr al-Bagdadi ganz offensichtlich den Rang ablaufen.

«Eine ernste Sache»

In Indien leben überwiegend Hindus. Rund 15 Prozent der Bevölkerung sind Muslime. Vor acht Jahren hatten Terroristen die indische Handelsmetropole Mumbai tagelang in Angst und Schrecken versetzt und 166 Menschen getötet. Entsprechend ernst nimmt man hier die Ankündigung al-Sawahiris.

Innenminister Rajnath Singh beriet am Donnerstagmorgen mit Sicherheits- und Geheimdienstbehörden darüber. Ein Sprecher der Regierungspartei BJP sagte, das Video sei eine ernste Sache, es müsse sich aber niemand Sorgen machen. Indien habe eine starke Regierung.

Al Kaida ist seit Jahren im mehrheitlich muslimischen Pakistan aktiv, das geografisch ebenso zum indischen Subkontinent gehört wie Indien, Nepal und Bangladesch. Für den Nachwuchs von Terrororganisationen wie Al Kaida spielte Indien lange Zeit keine grosse Rolle. Das hat der Erfolg des IS nun offenbar geändert. (gux/sda)

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