Aktualisiert

Al-Tawhid-Prozess wird fortgesetzt

Mit der Vernehmung des bereits rechtskräftig verurteilten Al-Tawhid-Mitglieds Shadi Abdalla ist am Dienstag der Prozess gegen vier mutmassliche Gesinnungsgenossen der islamistischen Terrorgruppe fortgesetzt worden.

Der Jordanier Abdalla war im letzten Jahr im bundesweit ersten Verfahren gegen Mitglieder der Al Tawhid vom Oberlandesgericht Düsseldorf zu vier Jahren Haft verurteilt worden. Die Richter hatten ihn für schuldig befunden, in Deutschland blutige Anschläge auf jüdische Einrichtungen vorbereitet zu haben.

Die jetzt Angeklagten vier Männer waren ebenso wie Abdalla nach mehrmonatiger Beschattung im April 2002 festgenommen worden, noch bevor es zu Anschlägen kommen konnte. Vor allem auf Abdallas umfangreichen Geständnisse hatte die Bundesanwaltschaft die Anklage gegen die vier Gesinnungsgenossen aufgebaut. Der Jordanier hat sich nach eigenen Worten inzwischen von den Zielen der islamistischen Terroristen losgesagt. Im Gegenzug für seine Aussage-Willigkeit war er ins Zeugenschutzprogramm aufgenommen worden und wird eine neue Identität erhalten. Er wird in den kommenden Wochen im Hochsicherheitstrakt des Gerichts häufiger als Zeuge gehört werden.

Die vier Angeklagten - unter ihnen der mutmassliche Kopf der Al-Tawhid-Zelle in Deutschland, Mohamed Abu D. - müssen sich wegen des Vorwurfs verantworten, Anschläge auf jüdische Einrichtungen in der Bundesrepublik vorbereitet zu haben. Die Anklage wirft dem Quartett zudem Mitgliedschaft in der Al Tawhid vor, die auch Kontakt zur El Kaida von Osama Bin Laden hält. Auch bandenmässige Urkundendelikte sowie Anstiftung zum Verstoss gegen das Kriegswaffenkontrollgesetz sind angeklagt. Im Falle einer Verurteilung drohen bis zu zehn Jahre Haft.

Im Verfahren gegen Abdalla hatte das Gericht im vergangenen Jahr ein so genanntes «Märtyrer-Telefonat» gehört, in dem Abu D. dem internationalen Al-Tawhid-Führer, Abu Musab El Sarkawi, einen Anschlag unter Einsatz seines Lebens angeboten hatte. «Wenn du mir den Tod befiehlst, dann töte ich», sagte der Jordanier während des vom Verfassungsschutz abgehörten Telefonats. Darin hatte er zudem betont, er wolle den Ungläubigen «die Stirn in ihrem eigenen Haus bieten».

Bei den vier Angeklagten im neu gebauten Hochsicherheitstrakt des Düsseldorfer Oberlandesgerichts handelt es sich um zwei jordanische und einen algerischen Staatsangehörigen sowie einen Palästinenser, die alle in Deutschland wohnen. Neben Abu D. sitzen Ashraf Al D., Ismail S. und Djamal M. auf der Anklagebank.

Al Tawhid ist nach den Erkenntnissen der Fahnder eine sunnitisch-palästinensische Bewegung, die ihre Wurzeln in Jordanien hat und die dortige Monarchie als unislamisch bekämpft. Auf der Grundlage eines militanten Islamismus fördert und unterstützt sie weltweit den Heiligen Krieg, insbesondere jenen von Bin Laden, hiess es zum Auftakt des Prozesses Anfang Februar. (dapd)

Deine Meinung