«Finde ich ungerecht» – Alain Berset attackiert Hochschule wegen kostenpflichtiger Corona-Tests
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«Finde ich ungerecht»Alain Berset attackiert Hochschule wegen kostenpflichtiger Corona-Tests

Am Rand seines Auftritts an der Uni Zürich kritisierte Alain Berset die ZHAW, weil die Hochschule keine Gratis-Pooltests anbietet. «Dafür habe ich null Verständnis», so der Gesundheitsminister zu einer Studentin, die ihn filmte.

von
Noah Knüsel

Hier kritisiert Alain Berset die ZHAW im Gespräch mit einer Studentin scharf.

Video: 20min/nk

Darum gehts

  • Die Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften (ZHAW) bietet keine repetitiven PCR-Pooltests für ungeimpfte Studierende an.

  • Dafür hat nicht einmal Gesundheitsminister Alain Berset Verständnis: «Ich finde das auch ungerecht», sagte er am Mittwoch am Rand seines Auftritts an der Uni Zürich zu einer ZHAW-Studentin.

  • Die 24-Jährige sagt zu 20 Minuten, sie bleibe auf den Testkosten sitzen: «Es gibt keine Online-Angebote.»

  • Man habe verschiedene Szenarien geprüft und habe sich aufgrund dessen gegen repetitive Pooltests entschieden, sagt eine ZHAW-Sprecherin.

Viele Schweizer Unis und Hochschulen haben eine Zertifikatspflicht eingeführt. Deren konkrete Umsetzung für ungeimpfte Studierende ist aber sehr unterschiedlich (siehe Box) – die Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften (ZHAW) etwa übernimmt nur die Testkosten für präsenzpflichtige Veranstaltungen und bietet keine repetitiven Pooling-Tests an.

Dafür hat nicht einmal Gesundheitsminister Alain Berset Verständnis: «Ich finde das auch ungerecht», sagte er am Mittwoch am Rand seines Auftritts an der Uni Zürich. Eine ZHAW-Studentin sprach den Bundesrat nach seiner Rede an und zeichnete die Konversation auf Video auf (siehe oben).

«Das muss Berset interessieren»

Der Gesundheitsminister sagte weiter, er habe «null Verständnis» für die ZHAW: «Diese repetitiven Tests sind sehr einfach zu organisieren und der Bund übernimmt alle Kosten.» Für die Schule könne das ein Riesenvorteil sein. Bersets Innendepartement bestätigt gegenüber 20 Minuten die Echtheit der Aufnahmen.

Die 24-jährige ZHAW-Studentin, die Berset angesprochen hat, studiert am Departement für Angewandte Linguistik. Sie befindet sich in einer verzwickten Situation, wie sie sagt: «Einerseits sind unsere Veranstaltungen offiziell nicht präsenzpflichtig, andererseits gibt es auch keine Online-Angebote.» So bleibe sie auf den Testkosten sitzen.

Sie sei froh, dass sie mit dem Bundesrat habe sprechen können, sagt die Studentin: «Die Situation an der ZHAW ist ernst, das sollte Alain Berset interessieren.» Die Schuldirektion blocke ab, wenn es um repetitive Pooltests gehe. Und auch von der Studentenorganisation «Alias» wünsche sie sich mehr Unterstützung.

Intervention bei Schulleitung

«Alias»-Co-Präsident Serafin Curti wehrt sich gegen die Kritik: «Wir setzen uns durchaus ein – können aber nicht immer alle Studis glücklich machen.» Die Studierendenorganisation unterstütze die Zertifikatspflicht: «Es braucht aber Gratistests während einer Übergangsfrist, Testmöglichkeiten vor Ort und ein Grundangebot für Studierende ohne 3G-Status. Dieses Grundangebot sei vereinzelt noch nicht gut genug», sagt Curti: «Das haben wir der Hochschulleitung aber bereits mitgeteilt.»

Bei der ZHAW heisst es, man biete Studierenden ohne gültiges Covid-Zertifikat Alternativen zum Präsenzunterricht an. «Die Studiengangsleitung und die Dozierenden entscheiden, welche das sind», so Sprecherin Fabienne Trümpi.

«Verschiedene Varianten geprüft»

Es gebe Testmöglichkeiten in Winterthur, Wädenswil und Zürich, so Trümpi weiter. Die ZHAW übernehme die Kosten bei Modulen mit Präsenzpflicht, bei denen keine Online-Alternativen angeboten werden könnten: «Darunter fallen etwa Laborarbeiten.»

Man habe verschiedene Szenarien geprüft und habe sich aufgrund dessen gegen repetitive Pooltests entschieden, sagt die Sprecherin. Zu konkreten Vorwürfen könne man keine Stellung nehmen.

Unis handhaben Corona-Tests unterschiedlich

Unis und Hochschulen können sich – wie auch Unternehmen oder Vereine – für repetitive PCR-Pooltests anmelden. Die Kosten dafür übernimmt der Bund. Bei den Spucktests werden maximal zehn Speichelproben zu einem Pool zusammengeführt, der dann auf das Coronavirus getestet wird.

Mehrere Schweizer Hochschulen haben solche Programme, etwa die Uni Zürich, die Hochschule Luzern oder die Fachhochschule Graubünden. Die Unis Basel und Bern sowie die Fachhochschule Nordwestschweiz bieten allen ungeimpften Studierenden auf eigene Kosten Corona-Tests an. Gar keine Zertifikatspflicht gilt etwa an der Pädagogischen Hochschule St. Gallen.

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