«Live aus dem Chefbüro» - «Die Impfwoche kostet so viel wie zwei Wochen testen»

«Live aus dem Chefbüro»«Die Impfwoche kostet so viel wie zwei Wochen testen»

Die Fallzahlen steigen. Ist jetzt die 2G-Regel auch in der Schweiz denkbar? Verfolge ab 12 Uhr den Talk im Live-Stream und Ticker mit Alain Berset.

von
Fabian Pöschl
Sandro Spaeth
Barbara Scherer
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Bundesrat Alain Berset hat im Studio Fragen der 20-Minuten-Community beantwortet.

Bundesrat Alain Berset hat im Studio Fragen der 20-Minuten-Community beantwortet.

20min/Simon Glauser
Berset setzt auf die 3G-Strategie. Den Vorwurf der Diskriminierung weist er zurück. Testen könne sich jeder, zudem gebe es immer noch vielerorts Gratis-Tests, etwa in Unternehmen.

Berset setzt auf die 3G-Strategie. Den Vorwurf der Diskriminierung weist er zurück. Testen könne sich jeder, zudem gebe es immer noch vielerorts Gratis-Tests, etwa in Unternehmen.

20min/Simon Glauser
2G soll es nicht geben, ausschliessen kann Berset das aber wie einen weiteren Shutdown nicht. Alles hänge aber daran, wie sich die Situation in den Spitälern entwickelt.

2G soll es nicht geben, ausschliessen kann Berset das aber wie einen weiteren Shutdown nicht. Alles hänge aber daran, wie sich die Situation in den Spitälern entwickelt.

20min/Marco Zangger

Deine Meinung

Donnerstag, 11.11.2021

Ende

Damit ist der Talk beendet. Schön, dass du dabei warst. Morgen Freitag gibt es in der Printausgabe von 20 Minuten eine Zusammenfassung des Talks.

Alain Berset glaubt nicht, dass es in der Schweiz wie in den Nachbarländern zur 2G-Regelung kommen muss. An 3G will er aber festhalten und braucht dazu ein Ja vom Volk beim Covid-Gesetz. Wenn das Gesetz abgelehnt wird, werde alles komplizierter, wie etwa das Reisen. Berset wolle aber den Volkswillen akzeptieren und rühmt das Land für die direkte Demokratie. Zum Vorwurf, dass die Impfwoche unnötig viel Geld verschleudert ohne Erfolg zu zeigen sagt Berset, dass die Impfwoche weniger koste als eine Woche Gratistests.

20 Minuten

Unerkannt

Sandy: Wünschen Sie sich manchmal, einfach unerkannt leben zu können und nicht ständig von allen beurteilt zu werden?

Alain Berset: Oh, ja.

Pandemie dauert lange

Sie haben mal gesagt, eine Pandemie sei ein Marathon. Langsam scheint es mir, es wäre ein Ultra-Marathon. Wann ist der Zeitpunkt, an dem Sie sagen, die Pandemie ist beendet, wir sind jetzt am Ziel?

Alain Berset: Ich war sehr optimistisch im Frühling mit der Impfung. Plötzlich kam die schlechte Überraschung mit der viel ansteckenderen neuen Variante. Wir sind alle müde, ich hätte nie gedacht, dass es so lange dauert. Wir sehen, dass der Winter schwierig wird, aber ich bleibe optimistisch und hoffe, dass wir es im Winter besser haben werden.

Standeskanzlei Graubünden

Boosterimpfung

Jana fragt: Wann wird die Booster-Impfung für alle zugelassen?

Berset: Es ist in der Diskussion, wir bereiten das vor, aber zuerst ist sie für ältere Menschen und besonders gefährdete Personen vorgesehen. Danach muss es für die breite Bevölkerung kommen und ich hoffe, das ist bald soweit.

Lockerungen

Mark will wissen: Ab welcher Impfrate können Sie sich eine Lockerung der Maskenpflicht vorstellen?

Alain Berset: Es gibt überall, wo 3G gilt, keine Maskenpflicht mehr. Wir wollen einen guten Zugang zum Gesundheitssystem für alle sichern. Es braucht genügend Immunität in der Bevölkerung, dazu zählt die Impfung und die Genesung. Da sind wir noch etwas zu weit entfernt, aber es gibt keine klare Grenze.

20min/Celia Nogler

Covid-Pille

Daniel: Pfizer soll bald eine Pille gegen Covid auf den Markt bringen. Ist der Bund schon in Verhandlungen?

Alain Berset: Wir sind sehr interessiert, alle Mittel gegen Covid zu bekommen. Wir diskutieren aktiv mit allen Herstellern auf dem Markt, auch mit Pfizer sind wir in engem Kontakt. Damit verteidigen wir die Interessen der Bürgerinnen und Bürger in der Schweiz.

Impfwoche

Galuba fragt: Warum werden für eine Impfwoche Steuergelder in Millionenhöhe verschleudert?

Alain Berset: Ich hoffe, dass es was bringt. Wenn wir eine viel höhere Durchimpfungsrate hätten, wäre das Risiko einer Spitalüberlastung ganz weg. Es lohnt sich wirklich, in die Impfung zu investieren. Das erlaubt uns, andere Massnahmen aufheben zu können. Die Impfwoche kostet uns etwas weniger als 100 Millionen. Eine Woche Tests kostete uns aber 50 Millionen. Die Impfwoche kostet also so viel wie zwei Wochen Testen. Es wurden bei den Konzerten sämtliche Billette ausgegeben, aber viele sind dann nicht gekommen. Es gibt gewisse Leute, die Billette bestellt haben, mit der Absicht nicht zu gehen, das ist nicht fair. Jede zusätzliche Impfung ist ein Erfolg. Es gibt nicht nur die Konzerte, sondern auch die Impfmobile, damit die Leute Informationen und Zugang zur Impfung bekommen, die vielleicht nicht in der Stadt wohnen.

20min/Simon Glauser

Impfschutz

Monika fragt: Wie sieht es aus, wenn nächstes Jahr der Impfschutz und damit auch das Zertifikat ausläuft? Müssen sich dann alle ein drittes Mal impfen lassen?

Berset: Sehr schwierig, diese Frage zu beantworten. Es war ein absolut neues Virus. Niemand hatte die kleinste Immunität. Jetzt haben viele Leute eine gewisse Immunität, auch dank der Impfung. Das ist ein Game-Changer. Die Situation Anfang 2020 werden wir mit diesem Virus, auch wenn es mutiert, nie mehr erleben. Man kann sich wieder anstecken und es reaktiviert die Immunität des Körpers.

3. Impfung

Fritz fragt: Herr Bundesrat, haben Sie die dritte Impfung schon bekommen oder wann ist sie geplant?

Berset: Nein, die habe ich noch nicht bekommen. Im Moment ist die dritte Impfung für besonders vulnerable Personen und Menschen über 65 empfohlen. Aber ich glaube, es wird bald möglich sein, dann werde ich das sicher anvisieren, sobald wie möglich.

20min/Taddeo Cerletti

Lob aus der Community

Tanja schreibt: Ich möchte einfach nur DANKE sagen für alles! Sie machen das toll!

Berset: Das ist sehr nett, vielen Dank. Es ist nicht einfach.

Heutiges Virus ist ansteckender

Christine fragt stellvertretend für viele: Sie sagten, wenn alle Impfwilligen sich haben impfen lassen, fallen die Massnahmen. Wieso stehen Sie jetzt plötzlich nicht mehr dazu?

Alain Berset: Es war klar, dass es nur noch möglich bleibt, Massnahmen zu treffen, um das Gesundheitssystem zu schützen. Die Strategie hat sich nicht geändert, aber die Lage. Bis im Juli hatten wir ein Virus, das fast halb so ansteckend war wie die heutige Version. Wegen der heutigen Version müssen doppelt so viele Leute in die Intensivstation.

Impfung schützt vor Hospitalisierung

Pascal: Ich dachte Impfen sei der einzige Weg aus dieser Pandemie, aber irgendwie geht das nicht auf. Demnach ist das Zertifikat nutzlos und diskriminiert die Menschen.

Alain Berset: Das Impfen ist nach wie vor der beste Weg. Wir haben drei Viertel der über Zwölfjährigen geimpft. Aber die Ungeimpften in den Intensivstationen sind in der Mehrheit. Das beweist, dass die Impfung gegen Hospitalisierungen schützt. Man kann sich nach wie vor anstecken, aber man hat nicht mehr so schwere Folgen wie ohne Impfung. Wir wollen aber die 3G-Regel, damit ein Zertifikat für alle erhältlich ist, sodass niemand diskriminiert wird. Es gibt auch nach wie vor sehr viele Gratistests, die auch zum Zertifikat führen. Ich hoffe, wir brauchen das Zertifikat nicht lange, aber es ist eine heikle Situation im Winter. Vorher hatten wir brutale Einschränkungen, eine Million Personen konnte nicht arbeiten, als wir schliessen mussten.

20min/Michael Scherrer

Freiwilliges Covid-Zertifikat fürs Reisen

Reto fragt: Kann das Parlament nach einem NEIN zum Covid-Gesetz ein freiwilliges Covid-Zertifikat zu Reisezwecken beschliessen?

Alain Berset: Es ist nicht unmöglich, geht aber nicht ohne gesetzliche Grundlage. Aber man muss auch das Volks-Nein respektieren. Wirtschaftliche Unterstützungen und Zertifikate wird es dann sicher nicht geben. Ein Nein würde bedeuten, dass wir noch bis Mitte März die Möglichkeit zum Zertifikat hätten, aber nicht darüber hinaus. Wir könnten auch nicht mehr Zertifikate aus anderen Ländern anerkennen, dann würden wohl auch die anderen Ländern unsere bereits bestehenden Zertifikate nicht mehr akzeptieren. Es ist klar, dass dann alles komplizierter und mühsamer wird – auch das Reisen.

20min/Simon Glauser

Impfzertifikate verlängert

Jetzt geht es zu den Leserfragen. Über 1000 trafen ein. Alex will wissen: Warum haben Sie so kurz vor der Abstimmung die Gültigkeitsdauer der Impfzertifikate von zwölf auf 18 Monate verlängert? Um Ja-Stimmen zu gewinnen?

Alain Berset: Die Behauptung ist falsch. Die Gültigkeit für Geimpfte ist nicht verlängert worden. Es gilt für zwölf Monate. Es wird aber sicher eine Diskussion geben. Soweit sind wir aber noch nicht.

20min/Celia Nogler

Anti-Massnahmendemos

Die Anti-Massnahmendemos sind weniger geworden: Haben Sie alle überzeugt, ist es zu kalt zum Demonstrieren oder werden einfach keine Kundgebungen mehr toleriert?

Alain Berset: Das kann ich kaum beurteilen, das bewilligt nicht der Bundesrat. Die Debatte ist wichtig. Wir haben viermal pro Jahr die Möglichkeit, über wichtige Elemente abzustimmen. Das funktioniert mit Respekt. Wenn die Demonstrationen friedlich sind, ist das kein Problem. Dann kann man auch hart diskutieren. Aber zuletzt haben die Gegner mit Gewalt gearbeitet, das geht überhaupt nicht. Beschimpfungen und Drohungen gehen nicht.

20min/Michael Scherrer

Abstimmung übers Covid-Gesetz

Am 28. November steht die Abstimmung übers Covid-Gesetz an. Bei der letzten Umfrage von Anfang Monat waren 69 Prozent dafür, was komfortabel scheint. Sind Sie siegessicher oder sehen Sie die Gefahr des «Minarett-Abstimmungs-Effekts»? Also dass die Leute sich nicht wagen, die Wahrheit zu sagen?

Alain Berset: Ich glaube, die Signale waren gut. Aber man weiss, wie es geht, es ist eine grosse Debatte. Aber man kann es nicht mit der Minarett-Initiative vergleichen. In dieser Krise sind wir alle betroffen, manche vielleicht weniger, aber sie trifft uns alle. Der beste Weg aus der Krise spiegelt sich im Covid-Gesetz wider. Die Mitbürgerinnen und Mitbürger sehen das auch. Mit einem Nein würde man Unsicherheiten schaffen über die Punkte, die jetzt Stabilität bringen. Wir können aber glücklich und stolz sein, dass wir das einzige Land der Welt sind, das zweimal über die Krise abstimmt. Ich hoffe, dass wir eine klare Mehrheit bekommen. Denn wenn man vergleicht, hat unsere Krisenorganisation relativ gut funktioniert. Und wir brauchen das Covid-Gesetz, um die Sicherheit auch im Winter zu haben.

20min/Matthias Spicher

Corona-Entscheide

Milena (11) fragt: War das schwierig für Sie, immer wieder Corona-Entscheide treffen zu müssen?

Alain Berset: Es ist gut, dass ich nicht alleine bin. Wir sieben Bundesräte entscheiden alle zusammen, wir sind ein Team. Auch mit den 26 Kantonsregierungen, den Verwaltungen und im Privatbereich arbeiten wir gut zusammen. Es gibt natürlich Fehler, die man in der Krise macht, das waren schwierige Momente, aber es tut gut zu wissen, dass man nicht alleine ist.

Schülerinnen und Schüler schützen

Die Nachwuchsjournalistin Marah (11) fragt: Bei uns an der Schule kam es zu Ansteckungen, weil eine Lehrerin die Maske nicht trug. Wie wollen Sie die Schulkinder besser schützen?

Alain Berset: Das ist eine gute Frage. Das ist ein Bereich, für den die Kantone zuständig sind, das entscheidet nicht der Bundesrat. Das muss man vor Ort anschauen, ob es gut gehen kann. Kinder sind wenig betroffen von der Krankheit, das ist eine gute Sache. Es gibt die Maske, aber auch die Möglichkeit zu Spuck-Tests.

20min/Marco Zangger

Skigebiete

Die Skigebiete haben schon mal verkündet, dass in der Schweiz keine Zertifikatspflicht gelten wird. Bleibt das angesichts der stark steigenden Fallzahlen definitiv so?

Alain Berset: Wir waren das einzige Land in Europa, das Skigebiete und Hotels offenhielt im letzten Winter und das hat sehr gut funktioniert. Wir haben gute Perspektiven für die Skigebiete im Winter, da bin ich sehr froh darüber. Es gab gute Diskussionen mit der Tourismusbranche. Ich glaube nicht, dass es in den nächsten Wochen zu Verschärfungen kommt, aber wir wissen nicht, was im Februar sein wird. Es ist eine Krise, da kann man nicht etwas total ausschliessen.

Muss flexibel sein in der Krise

Warum gibt es in der Schweiz keinen Mehrstufenplan wie in Österreich?

Alain Berset: Man kann nicht in einer Krise mit Automatismen regieren. Die Ampelsysteme haben überhaupt nicht funktioniert. Wir müssen viel flexibler sein. Auch Österreich hielt die Stufen nicht ein, weil es darauf ankommt, wie schnell sich die Krise entwickelt. Wir brauchen Anpassungsbereitschaft für den Krisenfall. Es wäre so einfach, klare Regeln zu setzen, aber das Virus entwickelt sich dynamisch.

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