Alarm im Pornoland
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Alarm im Pornoland

Nach der Musik- und der Filmindustrie hat es nun auch die Pornobranche erwischt: Gratis-Pornographie im Internet macht ihr das Geschäft kaputt.

Kostenpflichtige Pornoseiten im Web verzeichnen immer weniger Besucher, DVDs und Videos mit einschlägigem Inhalt finden immer weniger Käufer: Im Pornoland herrscht Alarmstimmung.

Gratis-Schmuddel aus dem Web

Schuld an der Misere ist ausgerechnet das Internet - jenes Medium, das Pornographie erst recht in alle möglichen Winkel dieses Planeten gespült hat. Gratis-Schmuddel aus dem Web drückt auf die Bilanzen der grossen Porno-Produzenten. Dieser Meinung ist jedenfalls Steven Hirsch, Mitgründer von Vivid, einer der grössten Produktionsfirmen der Pornofilm-Branche, wie die niederländische Zeitung «De Telegraaf» berichtet.

Umsatz-Einbusse

An der Adult Entertainment Expo (AEE) in Las Vegas, der jährlichen Messe der Porno-Industrie, machte Hirsch den kostenlosen Erotik-Content von Amateuren und Professionellen für den Umsatzeinbruch verantwortlich. Vivid generierte früher 80 Prozent des Umsatzes (100 Millionen Dollar pro Jahr) mit dem Verkauf von DVDs. Jetzt sind es nur gerade noch 30 Prozent.

200 000 Gratis-Clips

Auf Seiten wie PornTube.com oder Xtube.com, die nach dem Vorbild von YouTube.com aufgesetzt sind, findet der Konsument massenweise scharfen Inhalt. Auf Xtube.com beispielsweise sind gegenwärtig mehr als 200 000 Gratis-Videoclips von dreissig Sekunden bis zwei Minuten Länge frei verfügbar. Und nur ein winzig kleiner Teil der User, die auf der Seite herumsurfen, nutzt das kostenpflichtige Angebot und kauft Videostreams oder DVDs, die dort angeboten werden. Die Websites leben dann auch in erster Linie von der Werbung.

Juristische Schritte

Die Pornobranche, vom selben Schicksal ereilt wie die Musik- und Filmindustrie, greift zu den selben Rettungsmitteln. Vivid zum Beispiel startet eine Reihe von Prozessen gegen die illegale Verbreitung von erotischen Inhalten per Internet, von denen die Firma das Copyright hält. Hirsch bringt das Argument vor, das auch von der Musikindustrie immer wieder geäussert wurde: «Wenn weiterhin alles illegal verbreitet wird - darüber müssen sich diese Websites im Klaren sein -, wird bald niemand mehr bereit sein, professionelles Material zu produzieren, ohne etwas dafür zurückzubekommen.»

«Ins eigene Fleisch geschnitten»

Jay Grdina, Ex-Gatte des Pornostars Jenna Jameson und Direktor von ClubJenna, einer Tochterfirma von Playboy, sagt dazu: «Wir haben uns ins eigene Fleisch geschnitten, indem wir gratis Previews und kostenlose Ausschnitte von der echten Ware ins Web gestellt haben.» Grdina behauptet ferner, die Gewinne bei der Online-Verbreitung von Pornographie seien gigantisch. Aus diesem Grunde, so Grdina, seien auch Apple und Microsoft daran interessiert, pornographische Inhalte als Download für iPods und Zunes usw. anzubieten - was von den Giganten umgehend dementiert wurde.

dhr, 20min.ch

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