Alarm: Kokain wird zu Volksdroge

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Alarm: Kokain wird zu Volksdroge

Etwa 10 000 Schweizerinnen und Schweizer sind vom Kokain abhängig, bis zu 100 000 konsumieren die Droge gelegentlich. Designerdrogen finden noch mehr Abnehmer.

Die Kokain- und Designerdrogenkonferenz des Bundesamtes für Gesundheit (BAG) versuchte am Donnerstag und Freitag, Ansätze zu finden.

Neue Konsumgewohnheiten erfordern in der Drogenpolitik neue Strategien für die Anwendung des schweizerischen Vier-Säulen- Modells. In Bezug auf Kokain und Designerdrogen wie Amphetamine und Ecstasy fehlten solche Stategien weitgehend, sagte Thomas Zeltner, Direktor des Bundesamtes für Gesundheit (BAG) am Freitag vor den Medien in Bern.

Neue Drogentrends erkennen

Die Konferenz habe darum eine Auslegeordnung erstellt. Der Dialog unter allen Akteuren sei angelaufen. Jahrelang sei das Hauptaugenmerk auf Heroin und Cannabis gerichtet gewesen, Kokain und Designerdrogen hätten etwas abseits gestanden. Wichtig sei es, künftig ein Monitoringsystem zu schnellerer und früherer Erkennung von neuen Trends bei Drogen zu haben.

Beim Kokain sei der Druck besonders in den Städten grösser geworden. Weniger Handlungsbedarf bestehe nach Ansicht der Konferenz bei den Designer- oder Partydrogen, erklärte Zeltner.

Therapien bestehen

Ambros Uchtenhagen, Stiftungsratspräsidents des Instituts für Suchtforschung (IFS), sagte, die Schweizer Drogenpolitik greife bei Heroin gut. Kokain und Designerdrogen seien aber «eine andere Szene». Die neue Risikofreude lasse immer mehr Leute ohne Unrechts- und Suchtbewusstsein zu diesen Drogen als Genussmittel greifen.

Das Suchpotenzial von Kokain sei aber gross. Frühintervention sei hier das Gebot der Stunde. Bei Therapien der Kokainsucht müsse die Schweiz nicht bei Null anfangen, allerdings seien die Behandlungsformen noch wenig bekannt.

Der Ecstasy-Experte Franz Vollenweider sagte, Kokain stelle den Therapeuten vor grosse Herausforderungen. Die Frage nach einer Substitutionstherapie stelle sich. Ecstasy werde viel häufiger konsumiert und stelle kein derart grosses Problem dar.

Ab 200 bis 300 geschluckten Tabletten zeigten sich Veränderungen. Vor allem das Gedächnis werde geschädigt. Inwieweit sich das dann mit dem altersbedingten Abbau kummuliere, sei offen.

(sda)

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