Aktualisiert 30.06.2018 12:09

HassnachrichtenAlbaner bedrohen Serben nach WM-Prügelei

Nach dem WM-Spiel Serbien – Schweiz sind Serben auf einen Albaner losgegangen. In den sozialen Medien rufen Letztere nun zur Selbstjustiz auf.

von
daw

An der Hardbrücke in Zürich kam es nach dem Spiel zwischen Schweiz und Serbien zu wüsten Szenen. (Video: Tamedia / Leser-Reporter)

Ein Video der Prügeleien zwischen Serben und Kosovo-Albanern unter der Hardbrücke in Zürich nach dem WM-Spiel zwischen Serbien und der Nati vom vergangenen Freitag ging im Internet viral. Ein 36-jähriger Kosovare wurde dabei am Kopf verletzt. Anfang dieser Woche konnte er das Spital verlassen.

Nicht nur die Polizei ermittelt. Auf Facebook wird in albanischen Gruppen seither aktiv nach den beteiligten serbischen Fans gesucht. Zum Beispiel schreibt die «United Albanian Brotherhood» in einem Post: «Wir werden die Leute suchen und auch finden und unsere Macht spüren lassen.»

Heftige Drohungen

Das bekommt auch D.D.* zu spüren. An jenem Abend wurde er Zeuge der Auseinandersetzungen. Seither wird er von kosovo-albanischen Anhängern bedroht. Im Video ist er nur für Sekundenbruchteile zu sehen. D. war laut eigenen Angaben nicht an der Schlägerei beteiligt. Vielmehr habe er dem Verletzten geholfen und den Krankenwagen gerufen.

Zusammen mit seiner Freundin J. hatte D. zuvor das Spiel auf dem Turbinenplatz in Zürich geschaut. Nach dem Abpfiff bewegten sie sich laut D. in Richtung Hardbrücke, um den Jubel der Schweizer Fans hautnah mitzuerleben. «Plötzlich waren wir mittendrin im Geschehen.»

Wenig später erschienen D.s Adresse und Telefonnummer in der Facebook-Gruppe. Daraufhin wurde er beschimpft und bedroht. Ihn erreichten Dutzende von Hassnachrichten mit Sätzen wie: «Du Hundesohn. Du und all dini verfickti serbische Kollege uf 1 los gah. Welt isch chli und wenn ich dich gsehn bisch am arsch, glaubs mir» oder «Han glese dini Fründin gits für 50 Fr. ufd Stund?». Auch die Freundin von D. wurde auf Facebook kontaktiert: «Sag deinem Freund, dass wir ihn suchen. Oder wir sieben Albaner ficken dir J.»

Mit Auftrag fürs Parkettlegen in Falle locken

Der gelernte Parkettleger arbeitet bei seinem Vater im eigenen Unternehmen. Nach den Ausschreitungen gab es mehrere Aufträge explizit für D., einen neuen Boden zu legen. D. vermutet, dass kosovarische Anhänger ihm eine Fall stellen wollten. Auf Google wurde das Unternehmen derweil mit miesen Bewertungen rezensiert.

D. versucht, ruhig zu bleiben. Er hat Anzeige wegen Drohung erstattet, wie die Kantonspolizei Zürich bestätigt.

Zudem nahm er auf seinem Profil Stellung und betonte, nur zufällig am Tatort gewesen zu sein. Im Post rief er dazu auf, seine Freundin und seine Familie in Ruhe zu lassen. Die Situation hat sich für D. mittlerweile ein wenig beruhigt. Es gebe aber noch einzelne Telefonanrufe und ein paar Nachrichten über Facebook.

20 Minuten kontaktierte einen kosovarischen Anhänger, der geschrieben hatte, man werde D. zwingen, die albanische Fahne zu küssen. Er sagt, das sei keine Drohung. Er finde jedoch die Aktion der serbischen Fans «einfach nur respektlos».

* Namen der Redaktion bekannt

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