Aktualisiert 16.11.2009 06:36

Fussball-Youngsters«Albanien hat schon telefoniert»

Die Erfolge der U17-Nationalmannschaft stossen nicht nur in der Schweiz auf grösstes Interesse. Jetzt jagen ausländische Verbände die erfolgreichen Secondos. Der albanische Verband hat sich direkt an die Familie unserer U17-Mittelfeldhoffnung Xhaka gewendet - und beisst auf Granit.

von
Marius Egger

Während die U17-Nationalmannschaft in Nigeria von Erfolg zu Erfolg eilt, laufen im Hintergrund die Drähte heiss. Scouts aus ganz Europa haben ihre Augen auf die Jungstars des Schweizer Fussballs gerichtet – und nicht nur Topklubs sind hinter den Sprösslingen her. Auch die Landesverbände interessieren sich für unsere Secondos.

Auch bei Familie Xhaka hats geklingelt. «Vor drei Tagen hat ein Vertreter des albanischen Verbands bei uns angerufen», sagt die Mutter gegenüber 20 Minuten Online. «Können wir Kontakt aufnehmen?», erkundigte sich der Mann bei der Familie. Seine Mission: Granit Xhaka, Mittelfeldspieler des FC Basel und Stammspieler der U17, soll in Zukunft für Albanien auflaufen. Geld habe der Verband keines geboten, aber starkes Interesse bekundet. «Geld interessiert mich als Mutter auch nicht», sagt Mutter Xhaka. «Wenn meine Kinder gesund und glücklich sind, bin ich es auch.»

Bei Granits Mutter beisst der albanische Fussballverband denn auch auf Granit: «Unsere Kinder sind hier geboren worden und zur Schule gegangen. Sie gehören in die Schweiz.» Seit 20 Jahren lebt die Familie mittlerweile in der Schweiz, wohnt in Basel. Für sie steht ausser Frage: «Granit wird auch in Zukunft für die Schweiz spielen.» Damit unterstreicht die Mutter, was Granit Xhaka schon verschiedentlich kundgetan hat.

Tunesien jagt Ben Khalifa

Xhaka ist nicht der Einzige, der ins Visier ausländischer Fussballverbände geraten ist. Gestern bestätigte der abtretende SFV-Ausbildungschef Hansruedi Hasler, dass der tunesische Verband hinter Nassim Ben Khalifa her ist. Vom Interesse hat auch die Mutter Samira Ben Khalifa gehört, wie sie gegenüber 20 Minuten Online sagt. «Einen Anruf haben wir bisher aber nicht bekommen.»

Ihrem Sohn mache es in der U17 «grosse Freude, für diese Mannschaft zu spielen», so Samira Ben Khalifa, die bis zu ihrem 20. Lebensjahr in Tunesien lebte und dort auch ihren Mann kennen lernte. Den Entscheid, für welches Land ihr talentierter Sohn dereinst kicken wird, überlässt sie voll und ganz Nassim: «Wir unterstützen ihn, wo wir können. Den Entscheid wird er aber selber fällen. Er ist intelligent und weiss am besten, was für ihn gut ist.» Durchblicken lässt Samira Ben Khalifa aber, dass der sportliche Reiz, für die Schweiz zu spielen, für ihren Sohn offenbar grösser ist, als für das tunesische Nationalteam zu stürmen.

Bosnien schläft noch - zum Glück

Auch Hamza Seferovic sagt: «Mein Sohn muss selber entscheiden, für welches Land er spielen will.» Der Vater des erfolgreichen Stürmers Haris Seferovic gibt aber auch ehrlich zu, für welches Land sein Herz schlägt. «Ich bin glücklich in der Schweiz. Aber in Bosnien bin ich aufgewachsen, dort habe ich meine Wurzeln, das ist meine Kultur.» Hamza Seferovic macht denn auch keinen Hehl aus seiner Enttäuschung über den bosnischen Fussballverband, der sich bisher nicht gemeldet hat. Sein Sohn habe vor rund drei Jahren an einem Turnier bosnischer Talente in der Schweiz teilgenommen. Für den Vater ist noch heute unverständlich, «weshalb der Verband eines der fünf, sechs grössten Talente in der Schweiz nicht gewollt hat.»

Zu einem Entscheid, so sagt Hamza Seferovic, werde er seinen Sohn nicht drängen. «Wenn er für die Schweiz spielen will, akzeptiere ich das.» Bleibt Haris Seferovic bei seinem Wort, will er auch in Zukunft für die Schweiz stürmen. «Ich glaube nicht, dass mein Sohn den Entscheid noch einmal ändert», glaubt sein Vater.

Die Zukunft wird zeigen, ob der Schweizerische Fussballverband die richtigen Argumente liefern kann, um die Jungstars im Schweizer Dress zu halten. Bei Petric, Rakitic und Kuzmanovic hats nicht funktioniert. Bei der nächsten grossen Generation siehts besser aus. Ein Erfolg im WM-Halbfinal am Donnerstag könnte zusätzliche (Schweizer) Flügel verleihen.

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