Neuer Zweig: Albanische Mafia steigt in Kokainhandel ein
Aktualisiert

Neuer ZweigAlbanische Mafia steigt in Kokainhandel ein

Nach dem Heroinhandel wollen kriminelle albanische Gruppen auch beim Kokain einsteigen. Die Genfer Polizei glaubt, Heroin sei zu billig geworden.

von
20M
Der Kokain-Markt ist derzeit in den Händen der Westafrikaner, vor allem der Nigerianer. Doch es scheint, dass kriminelle Gruppierungen mit albanischen Wurzeln vermehrt in diesen Markt zu dringen versuchen.

Der Kokain-Markt ist derzeit in den Händen der Westafrikaner, vor allem der Nigerianer. Doch es scheint, dass kriminelle Gruppierungen mit albanischen Wurzeln vermehrt in diesen Markt zu dringen versuchen.

Traditionell kontrollieren kriminelle Gruppierungen aus dem Kosovo, Mazedonien und Albanien den Heroinhandel in der Schweiz. Westafrikaner, insbesondere Nigerianer, halten die Fäden des Kokainhandels in der Hand. Doch nun kommt offenbar Bewegung in den Schweizer Drogenhandel. Im Kanton Genf stellt die Polizei fest, dass Albaner begonnen haben, Kokain zu verkaufen.

Erste Anzeichen dafür habe es schon im Jahr 2013 gegeben, sagt Jean-Philippe Brandt, Sprecher der Kantonspolizei Genf gegenüber 20 Minutes. Bei einem Schlag gegen die albanische Mafia wurden im April dieses Jahres im französischen Grenzgebiet bei Genf und im Thurgau 17 Kilo Heroin und ein Kilo Kokain beschlagnahmt. Im Juli wurde zudem bei Genf ein albanischstämmiger Händler erwischt, der nebst Heroin auch Kokain auf sich trug.

Bern und St. Gallen haben ähnliche Feststellungen gemacht

Auch im Kanton Bern hat man eine leichte Veränderung im Markt bemerkt. «Die Spezialisten der Kantonspolizei Bern stellen durchaus fest, dass Menschen mit albanischen Wurzeln nicht nur im Heroinhandel, sondern vermehrt auch im Kokainhandel tätig sind», sagt Sprecher Andreas Hofmann. Aus dem Kanton St. Gallen heisst es, albanischstämmige Personen seien nach wie vor stark im Heroinhandel tätig. Sprecher Hanspeter Krüsi: «Es gibt aber Gruppierungen, die in kleinem Ausmass mit Kokain handeln.»

In Genf glaubt man, dass die Albaner diversifizieren, weil Heroin bei den Konsumenten an Attraktivität verliert. «Populärer sind Kokain und Cannabis», so Brandt. Die Preise für Heroin seien auf 20 Franken pro Gramm gefallen. Für Kokain müsse der Konsument fast fünfmal mehr hinblättern, sagt Brandt.

Albanische Mafia sucht zahlungskräftige Kundschaft

Es könnten aber auch andere Gründe dahinter stecken. So stellt das Bundesamt für Polizei im Geschäftsbericht 2014 fest, dass die Anzahl Täter mit albanischen Wurzeln seit wenigen Jahren zunehme – vor allem im Bereich des illegalen Betäubungsmittelhandels. Nebst dem Heroinhandel seien sie in geringem Mass auch in Kokainhandel tätig. Möglicherweise sucht die albanische Mafia einfach neue Betätigungsfelder für die vielen neuen Personen.

Der Handel auf der Strasse, glaubt man in Genf, werde weiterhin den Afrikanern überlassen. Die Albaner würden sich auf eine zahlungskräftigere Kundschaft konzentrieren. Jean-Philipp Brandt: «Vermutlich bringen sie ihre Waren in der nächtlichen Partywelt in Umlauf.»

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