07.10.2016 21:42

Umstrittene Marketing-Aktion

Aldi drängt mit Früchten in Schweizer Schulen

Aldi bietet Primarschulen, Kindergärten und Kindertagesstätten ein «Powerpaket» zur Förderung gesunder Ernährung an. Experten kritisieren die Aktion heftig.

von
vb
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Das «Powerpaket» von Aldi enthält Obst und Gemüse, ein Heftli und Plüschfiguren.

Das «Powerpaket» von Aldi enthält Obst und Gemüse, ein Heftli und Plüschfiguren.

Abgegeben werden sie an Primarschulen, Kindergärten und Kindertagesstätten.

Abgegeben werden sie an Primarschulen, Kindergärten und Kindertagesstätten.

Keystone/Salvatore di Nolfi
Aldi will auf die Wichtigkeit einer bewussten Ernährung aufmerksam machen. Kritiker halten hingegen nicht viel von der Aktion.

Aldi will auf die Wichtigkeit einer bewussten Ernährung aufmerksam machen. Kritiker halten hingegen nicht viel von der Aktion.

Keystone/Gaetan Bally

Der Discounter Aldi Suisse hat sich der ausgewogenen Ernährung verschrieben. Die Zielgruppe: Kinder. Mit verschiedenen Aktionen sollen sie «auf die Wichtigkeit einer bewussten Ernährung» aufmerksam gemacht werden – ihre «Wertschätzung für Lebensmittel» soll steigen. Das schreibt Aldi in einer Mitteilung vom Freitag.

Dieses Ziel will der Detailhändler mit «Powerpaketen» erreichen. Sie enthalten Taschen mit Obst und Gemüse, ein Heftli und Plüschfiguren. Primarschulen, Kindergärten und Kindertagesstätten können sich um die Pakete bewerben, die daraufhin gratis abgegeben werden.

«Raffiniert, aber verwerflich»

Die Aktion ruft Kritiker auf den Plan. «Hier handelt es sich klar um Werbung», sagt Jürg Brühlmann vom Dachverband Lehrerinnen und Lehrer Schweiz zu 20 Minuten. Das habe an Schulen eigentlich nichts verloren. Vor allem, wenn Logos oder Markennamen im Vordergrund der Aktionen stehen, seien sie verwerflich.

Beim Aldi-Paket wird das Firmenlogo diskret eingesetzt. Zu sehen ist es lediglich seitlich auf der Tasche, in denen die Plüschtiere und Früchte daherkommen. «Raffiniert», findet Pädagoge Brühlmann, «ohne direkte Werbung auf Produkten kann man der Firma rechtlich nicht viel vorwerfen, obwohl sie sich mit der Aktion im Graubereich bewegt».

«Marke Aldi soll in die Kinderköpfe»

Aldi beruft sich derweil auf einen Kundenwunsch, aufgrund dessen die Idee entstanden sei. «Wir haben sehr viele Anfragen von Lehrpersonen erhalten, die die Gemüse-Plüschfiguren im Unterricht integrieren wollten», sagt Mediensprecher Philippe Vetterli.

Die Lehrer mit einzubinden sei ein cleverer Schachzug, entgegnet Wirtschaftspsychologe Christian Fichter von der Fachhochschule Kalaidos. «Wie erreicht man die Kinder am besten? Natürlich über die Lehrer», sagt er. Lehrpersonen hätten ein Bedürfnis, ihren Schülern gesunde Ernährung näherzubringen – «und genau da setzt Aldi an».

Alles in allem sei die Aktion ein Trojanisches Pferd und ethisch fragwürdig: «Die äussere Verpackung verspricht etwas Gutes, aber innen drin steckt der Plan, die Marke Aldi in die Köpfe der Kinder zu bringen.» So etwas sei immer kritisch zu beurteilen, da Kinder sich kaum gegen Beeinflussung durch Marketing wehren könnten.

«Positive Rückmeldungen»

Konfrontiert mit der Kritik, verweist Aldi darauf, dass die Plüschtier-Aktion schon einmal stattgefunden habe. «Die mehrheitlich positiven Rückmeldungen haben uns bestärkt, die Aktion zu wiederholen», sagt Aldi-Sprecher Vetterli. Als nachhaltiger und umweltbewusster Schweizer Discounter sei Aldi eine ausgewogene Ernährung bei Gross und Klein ein wichtiges Anliegen.

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