Aktualisiert 30.06.2009 17:23

DetailhandelAldi neu unter den Top Ten

Die Wirtschaftskrise hat 2008 die Schweizer Konsumenten nicht am Geld ausgeben gehindert: Der Schweizer Detailhandel ist letztes Jahr um 4,4 Prozent auf 95,6 Mrd. Franken gewachsen. Ein solches starkes Wachstum verzeichneten die Detailhändler seit 1991 nicht mehr.

Der Markteintritt von Aldi und Lidl hat indes dazu geführt, dass sich das Marktumfeld in den letzten Jahren stark verändert hat. So hat nur schon die Ankündigung der beiden Discounter, in die Schweiz expandieren zu wollen, zu einem verschärften Preiskampf geführt, wie Thomas Hochreutener vom Marktforschungsinstitut GfK am Dienstag an der Detailhandelstagung in Horgen ZH sagte.

Konzentration beschleunigt sich

Auch der Konzentrationsprozess hat sich seit der Jahrtausendwende sichtbar beschleunigt: So ist die Zahl der Verkaufsstellen seit der Jahrtausendwende von über 5800 auf 4390 im vergangenen Jahr gesunken. Die Verkaufsfläche der einzelnen Läden ist dagegen angestiegen.

Grösser geworden ist gemäss Hochreutener auch der Einfluss der beiden Grossverteiler Migros und Coop. Mittlerweile gehören ihnen 30 Prozent der Verkaufsstellen. Im Jahr 2000 war es erst 25 Prozent.

Die Übernahme von Denner durch Migros und jener von Carrefour durch Coop hat letztes Jahr auch die Rangliste der grössten Schweizer Detailhändler der Schweiz durcheinandergewirbelt.

Neue Rangliste

Migros und Coop an der Spitze der Rangliste sind mit 19,6 respektive 16,4 Mrd. Fr. Detailhandelsumsatz deutlich mächtiger geworden. Ihr Umsatzwachstum betrug 16,8 und 14,4 Prozent.

Volg bereits Nummer 4

Auch Manor, die Nummer 3 der Schweiz, hat seinen Umsatz leicht um 3,2 Prozent steigern können. Der Jahresumsatz der Warenhauskette von nicht ganz 3 Mrd. Fr. ist aber dennoch nur ein Bruchteil derjenigen der Grossverteiler. Viertgrösster Detailhändler ist mit 1,2 Mrd. Fr. Umsatz bereits die Dorflädeli-Kette Volg.

Aldi auf Rang 9

Erstmals unter die zehn grössten Detaillisten geschafft hat es der deutsche Discounter Aldi, der 2005 seine erste Filiale in der Schweiz eröffnet hatte und Ende 2008 94 Läden zählte. Mit einem vom GfK geschätzten Umsatz von rund 900 Mio. Fr. ist Aldi mittlerweile die Nummer 9 der Schweiz.

Fast alle der grossen Detailhändler haben 2008 ihren Umsatz steigern können. Besonders hoch ausgefallen ist dieser beim schwedischen Möbelhaus Ikea, das einen Umsatzsprung von 12,3 Prozent verzeichnete und zum sechstgrössten Konsumwarenanbieter der Schweiz avancierte. Mit 10 Prozent ein überdurchschnittliches Wachstum verzeichnete auch Restpostenkette Otto's.

Umsatzrückgang bei Media Markt

Der einzige grosse Anbieter, welcher letztes Jahr Umsatzeinbussen hinnehmen musste, war Media Markt. In seinen 18 Schweizer Filialen erzielte der Verkäufer von Unterhaltungs- und Haushaltselektronik noch 921 Mio. Franken Umsatz, 5,6 Prozent weniger als im Vorjahr.

Fürs laufende Jahr rechnet Detailhandelsexperte Hochreutener mit einer Stagnation des Schweizer Detailhandelmarkts. Von Januar bis Mai sei der Gesamtumsatz um 0,1 Prozent gesunken, wobei das Lebensmittelgeschäft leicht zulegte und die Non-Food-Sparte um 2,7 Prozent schrumpfte.

Von einer Absatzkrise könne keine Rede sein, meinte Hochreutener zu den Umsatzzahlen der ersten fünf Monate. Diese erschienen zwar im Vergleich zu den extrem hoch ausgefallenen Vorjahreszahlen tief, der Umsatzrückgang müsse aber angesichts der gegenwärtigen Wirtschaftslage relativiert werden. (sda)

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