Unlauterer Wettbewerb: «Aldi verarscht die Kunden!»
Aktualisiert

Unlauterer Wettbewerb«Aldi verarscht die Kunden!»

Immer wieder beklagen sich entnervte Kunden wegen mutmasslichen Lockvogelangeboten beim Discounter Aldi. Diesmal ist ein Tumbler Objekt des Anstosses.

von
Alex Hämmerli
Bei Aldi gehen manche Kunden leer aus.

Bei Aldi gehen manche Kunden leer aus.

20-Minuten-Leser Olivier F. ist genervt: «Aldi verarscht die Kunden!», schreibt er der Redaktion am Donnerstag. «Bei der heutigen Aktion bei Aldi in Wettingen wollte ich einen Tumbler kaufen. Ich war um 8.05 Uhr, also fünf Minuten nach Ladenöffnungszeit da», schildert Olivier. Beim Gang durch die Filiale seien ihm aber schon Leute mit gesenktem Kopf entgegengekommen. «Als ich bei der Menschenmenge ankam, hörte ich die Verkäuferin sagen, die Tumbler seien alle vergriffen.» Olivier F. berichtet, in der Aldi-Filiale habe er lediglich einen einzigen Kunden gesehen, der sich einen der begehrten Tumbler ergattern konnte. «Ich fühle mich derart verarscht.»

Der Verdacht liegt nahe, dass es sich beim Tumbler um ein Lockvogelangebot handelt. Denn Aldi Schweiz steht schon länger in Verruf, Kunden mit besonders günstigen Angeboten in die Filialen zu locken, die Produkte dann aber nicht in ausreichender Menge vorrätig zu haben. Die Idee hinter Lockvogel-Angeboten ist, dass so angezogene Kunden auf andere bzw. teurere Produkte ausweichen. Im November 2009 berichtete der «Kassensturz» über die Praxis bei Aldi, wonach sich etliche erzürnte Kunden auf dessen Forum beklagten. 20 Minuten Online wiederum machte im November 2011 ein mutmassliches Lockvogelangebot für Tablet-Computer publik.

Aldi entschuldigt sich

Dass es sich beim Tumbler-Angebot um einen Lockvogel handelt, bestreitet Aldi-Sprecher Sven Bradke auf Anfrage von 20 Minuten Online. In Wettingen seien zwar Tumbler für 399 statt 599 Franken im Angebot gewesen. «Wie der Verkauf in Wettingen verlief, können wir derzeit noch nicht beurteilen. Es waren aber bezüglich der Nachfrage offensichtlich zu wenig Tumbler in dieser Filiale im Angebot, was wir ausserordentlich bedauern und wofür wir uns auch entschuldigen.» Bradke betont, bei Aldi Schweiz wolle man glückliche und zufriedene und nicht enttäuschte Kunden haben. «Insofern stellen wir auch in Abrede, dass wir unsere Produkte bewerben, um neue Kunden in die Filialen zu ‹locken›. Wie die Reaktion dieser Person zeigt, tritt in solchen Fällen genau das Gegenteil ein.»

Bei der für das Lauterkeitsrecht bzw. Lockvogelangebote zuständigen Stelle beim Staatssekretariat für Wirtschaft Seco heisst es auf Anfrage von 20 Minuten Online, ob ein Verstoss gegen das Bundesgesetz gegen den unlauteren Wettbewerb UWG vorliege: «Man kann davon ausgehen, dass es aus der Sicht des UWG problematisch ist, wenn Aldi eine Rabatt-Aktion breit bewirbt, in den Filialen aber jeweils nur ein, zwei Exemplare verfügbar sind. Letztlich kann aber nur ein Gericht unter Berücksichtigung sämtlicher Umstände des vorliegenden Falls abschliessend beurteilen, ob das UWG verletzt ist», sagt Seco-Rechtsanwalt Philippe Barman.

«Nur solange Vorrat» ist eine leere Floskel

Aldi-Sprecher Bradke bringt ein, dass der Detailhändler in seinen Publikationen jeweils auf die beschränkte Verfügbarkeit gewisser Produkte hinweist. Laut Rechtsexperten müssen beworbene Produkte jedoch abhängig von der zu erwartenden Nachfrage und für mindestens einen Tag verfügbar sein. Der Vermerk «Nur solange Vorrat» ändert daran nichts.

In der Schweiz können Unternehmen, Bürger und seit Anfang April neu auch das Seco Strafantrag wegen unlauterem Wettbewerb einreichen. «Ich verstehe natürlich, dass Privatleute keine Zeit haben, wegen UWG-Verstössen vor Gericht zu gehen. Daher ist es gut, dass sich das Seco dem neuerdings annehmen kann.» Seco-Jurist Barman weist darauf hin, dass Kunden, unlautere Geschäftspraktiken per Online-Beschwerdeformular dem Seco melden können. «Liegen viele Beschwerden gegen ein bestimmtes Unternehmen vor, wird das SECO die entsprechenden Massnahmen in die Wege leiten», versichert Barman.

So weit will man es bei Aldi nicht kommen lassen: «Zum Trost können wir in Aussicht stellen, dass wir im Oktober wieder Tumbler im Angebot haben werden», sagt Sprecher Bradke. «Zudem kann die betroffene Person durch eine Kontaktaufnahme mit mir oder unserem Kundenservice (www.aldi-suisse.ch) darauf vertrauen, dass wir versuchen werden, ihr das angebotene Produkt zum beworbenen Preis dennoch zu beschaffen.»

Hatten Sie es auch schon mit mutmasslichen Lockvogel-Angeboten zu tun? Dann schildern Sie uns Ihre Erlebnisse in der Kommentar-Box.

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