Peinlicher Fauxpas: Aldi verkauft gebrauchtes Tablet als Neugerät

Aktualisiert

Peinlicher FauxpasAldi verkauft gebrauchtes Tablet als Neugerät

Bei Aldi in Stäfa ist ein gebrauchtes Tablet, inklusive Fotos des Vorbesitzers, als neu verkauft worden. Wie das Gerät wieder im Regal landete, bleibt ein Mysterium.

von
T. Bolzern
Das als neu verkaufte Chiligreen Tablet von Aldi war vollgepackt mit privaten Inhalten: Bilder, Apps und sogar die Telefonnummer des Vorbesitzers fand der Käufer Thomas Zaugg darauf.

Das als neu verkaufte Chiligreen Tablet von Aldi war vollgepackt mit privaten Inhalten: Bilder, Apps und sogar die Telefonnummer des Vorbesitzers fand der Käufer Thomas Zaugg darauf.

«Der Schutz ihrer Privatsphäre ist uns besonders wichtig», schreibt Aldi Suisse auf seiner Website. In der Praxis scheint es der Detailhändler damit aber nicht allzu ernst zu nehmen: Am Montagabend hat der 34-Jährige Thomas Zaugg im Aldi in Stäfa ZH ein Android-Tablet, Marke Chiligreen, zum Neupreis von 129 Franken gekauft.

Zuhause bemerkte er, dass mit dem Gerät etwas nicht stimmte: «Auf dem Display fehlte die Schutzfolie und das Tablet war schon voll konfiguriert.» Diverse Apps, darunter Facebook und Skype, seien installiert gewesen, und in der Mediathek hatte es Fotos, auf denen ein älterer Mann zu erkennen war. Über die Android-Profileinstellungen fand Zaugg den Namen des abgebildeten Herrn heraus und kontaktiere ihn kurzerhand. «Herr E.* ist aus allen Wolken gefallen und war völlig schockiert», schildert Zaugg das Telefonat.

Doch wie konnte es zu dem peinlichen Fauxpas kommen? Wie Zaugg erklärt, habe E. «sein» Tablet einige Tage zuvor in der gleichen Aldi-Filiale gekauft. Da er mit dem Gerät nicht zufrieden war, habe er es aber wieder zurückgebracht, so Zaugg. «Das ist ein krasser Verstoss gegen den Datenschutz. Ich finde es bedenklich, dass Aldi das Gerät offensichtlich ohne zu überprüfen wieder als Neugerät verkauft», sagt Zaugg. So etwas sei ihm noch nie passiert. Trotzdem nimmt er es mit Humor: «Ich bin so empört über die Sache, dass ich es eigentlich fast schon wieder lustig finde», so der 34-Jährige.

Löschung ist Aufgabe des Händlers

«In erster Linie liegt es in der Verantwortung des Erstnutzers, seine Personendaten vor der Rückgabe des Tablets zu löschen», sagt Francis Meier, Wissenschaftlicher Mitarbeiter des Eidgenössischen Datenschutz- und Öffentlichkeitsbeauftragten. Bei der Übergabe an den Händler (hier Aldi) sollte er diesem mitteilen, dass er das Gerät benutzt hat und sich möglicherweise Daten darauf befinden. «Dem Händler obliegt es dann, die Nutzerdaten vor dem Verkauf des gebrauchten Gerätes zu entfernen», so Meier.

Aldi versucht das Rätsel zu lüften

Wie das von Herr E. retournierte Gerät wieder in den Verkauf gelangt ist, bleibt ein Mysterium. Denn: «Bereits gebrauchte elektronische Artikel dürfen bei Aldi Suisse keinesfalls wieder verkauft werden», sagt Alain Bollschweiler, Mediensprecher von Aldi Suisse. Im Rahmen des Garantiekonzeptes dürfen Kunden aber sämtliche Artikel bei «Nicht-Gefallen» innert zwei Monaten nach Kauf gegen volle Rückerstattung des Kaufpreises zurückgeben. «Zurückgebrachte elektronische Artikel gehen wieder an den Lieferanten. Das ist vertraglich so geregelt», so Bollschweiler. Den Fall könne er sich nur so erklären, dass das zurückgebrachte Gerät statt an den Lieferanten aus Versehen wieder in den Verkauf gelangt ist.

Wenn Händler oder Hersteller mangelfreie Waren zurücknehmen, geschieht dies aus Kulanz, sagt Janine Jakob, Leiterin Gesundheit und Recht bei der Stiftung für Konsumentenschutz (SKS). «Grundsätzlich dürfen diese ungebrauchte Waren – egal ob es sich dabei um eine Bluse oder ein Tablet handelt – wieder als neu verkauft werden», sagt Jakob. Dies allerdings nur unter bestimmten Bedingungen: «Die Waren dürfen keine Mängel aufweisen und müssen im Originalzustand abgegeben werden», sagt Jakob. Bemerkt ein Kunde, dass man ihm statt einem Neugerät ein Occasionsgerät verkauft hat, hat er Anspruch auf einen Ersatz.

Gutscheine für Kunden

«Wir bedauern diesen Vorfall zutiefst», sagt Bollschweiler. Und betont: «Der Datenschutz ist uns sehr wichtig.» Aldi gelobt Besserung: Man werde nun die Prozesse bei Rückgaben von Artikeln mit Datenträgern und auch bei allen anderen Kundenrückgaben überprüfen, sodass solche Fehler künftig ausgeschlossen werden können.

Für die Unannehmlichkeiten will sich Aldi bei den betroffenen Kunden entschuldigen und ihnen je einen Gutschein im Wert von 60 Franken überreichen. Für sie hat die ganze Angelegenheit also ein Happy End: «Ich habe bei Aldi bereits in der Filiale reklamiert und ein neues Tablet als Ersatz bekommen», sagt Zaugg. Er hoffe aber, dass so etwas nicht noch einmal vorkomme.

*Name der Redaktion bekannt

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