«Teatime Takedown»: Aldi will Rausschmeisser auf Gamer-Kids hetzen
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«Teatime Takedown»Aldi will Rausschmeisser auf Gamer-Kids hetzen

Eltern, die ihre Kids nicht vom Computer losbekommen, können in England einen neuartigen Service buchen. Angeboten wird er eigenartigerweise von Aldi.

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mat

Wenn das Essen auf dem Tisch steht, der Nachwuchs nicht vom Bildschirm loseisen kann, dann hilft der «Teatime Takedown». Dieser Service wird vom englischen Ableger von Aldi angeboten und wäre – wenn es sich nicht bloss um einen Werbe-Coup des Grossisten handelt – eine kleine Revolution in der Welt des Online-Gamens.

Gemäss Informationen von Aldi.co.uk funktioniert das Angebot mit den «digitalen Auftragskillern» folgendermassen: Genervte Eltern können sich via «sign up»-Button einschreiben. Verlangt werden der Gamer-Name des Kindes, seine bevorzugte Konsole oder Plattform sowie der Name des Spiels, das es zum fraglichen Zeitpunkt spielen wird. Dann loggt sich ein «Einsatzkommando professioneller Gamer» ein und schmeisst das spielsüchtige Kind kurzerhand aus dem Spiel.

Begrenzter Zeitraum

Einschreiben kann man sich für den Dienst nur noch bis Ende Monat, die sogenannten Takedowns erfolgen dann wahlweise am 22., 23., 24., 29., 30. oder 31. März. Nur die Uhrzeit lässt sich nicht genauer bestimmen. So kann es also sein, dass das Kind jederzeit zwischen 12 und 20 Uhr in seinem Lieblingsgame besiegt wird und schlecht gelaunt an den Familientisch trottet.

Dann ist es freilich gut, wenn einladende Speisen bereitstehen. Nicht zufällig hat Aldi, der sich in Grossbritannien mit 825 Filialen zur fünftgrössten und am schnellsten wachsenden Supermarktkette gemausert hat, auf seiner «Teatime Takedown»-Page auch noch ein paar Rezepte verlinkt.

Bloss ein Werbe-Gag?

Diese Verknüpfung zu den eigenen Produkten legt die Vermutung nahe, dass es sich beim «Takedown»-Service um einen Werbe-Gag handelt. Dies auch, weil sich Aldi bis anhin noch nicht in der virtuellen Welt getummelt hat. Eigenartig ist zudem, dass das Angebot mit den digitalen Rausschmeissern anscheinend kostenlos ist.

In den Geschäftsbedingungen finden sich immerhin Hinweise auf die involvierten Firmen. So sind anscheinend der E-Sport-Anbieter Veloce Esports Limited, der Social-Media-Werber PromoVeritas Limited und die Kommunikationsagentur McCann Manchester Limited am «Teatime Takedown» beteiligt. Erste Kommentatoren warnen bereits vor der Preisgabe sensibler Daten oder sprechen von Cyberbullying.

Reaktionen von Aldi

Das Kleingedruckte spezifiziert zudem, dass das Angebot nur für Gamer mit Wohnsitz in Grossbritannien gilt. In der Schweiz ist derzeit kein «ähnliches Angebot wie ‹Teatime Takedown›» geplant, wie eine Anfrage von 20 Minuten bei Aldi Suisse ergab.

Aldi UK wiederum beantwortete die konkreten Fragen mit einer dreiseitigen Pressemitteilung. Darin wird eine von Aldi bei 1500 Familien durchgeführte Studie vorgestellt, wonach 38 Prozent der britischen Teenies sich weigern, ihr Nachtessen am Familientisch einzunehmen. Zum «Teatime Takedown» finden sich darin jedoch keine weiteren Informationen.

Werbe-Gag oder revolutionäre Idee, um Kinder vom Computer loszubekommen – so oder so bietet der «Teatime Takedown» Gesprächsstoff für den nächsten Familienznacht.

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