Aktualisiert 04.03.2020 09:40

«Irreführung der Kunden»

Aldi wirbt mit Schweizer Rebberg für Importwein

Aldi wirbt mit einem Bild der Weinbauregion Lavaux VD für italienischen Discount-Wein. Das bringt die Waadtländer Winzer auf die Palme.

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sul
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In seiner aktuellen Werbebroschüre hat Aldi ein Bild des Lavaux-Weinanbaugebietes abgedruckt.

In seiner aktuellen Werbebroschüre hat Aldi ein Bild des Lavaux-Weinanbaugebietes abgedruckt.

Aldi-Woche
Geworben wird allerdings nicht für einen Waadtländer Wein, sondern für italienischen Discount-Wein.

Geworben wird allerdings nicht für einen Waadtländer Wein, sondern für italienischen Discount-Wein.

Aldi-Woche
Die Waadtländer Winzer fühlen sich veräppelt. Das sei unfair gegenüber den einheimischen Weinbauern und eine Irreführung des Konsumenten.

Die Waadtländer Winzer fühlen sich veräppelt. Das sei unfair gegenüber den einheimischen Weinbauern und eine Irreführung des Konsumenten.

Alexandre Fischer

Die Rebberge des Lavaux, heisst es, profitierten von einer dreifachen Wärmestrahlung: der direkten durch die Sonne, jener durch die Spiegelung des Genfersees und jener der gespeicherten Wärme in den Steinmauern. Kein Wunder, sind die Waadtländer Winzer besonders stolz auf das über 800 Hektaren umfassende Weinanbaugebiet, das seit 2007 zum Unesco-Welterbe zählt.

Umso mehr bringt die ansässigen Weinbauern die aktuelle Aldi-Werbebroschüre in Rage. Auf Seite 7 findet sich ein Bild der saftig grünen Weinberg-Terrassen zwischen Lausanne und Vevey. Allerdings wirbt der Detailhändler damit nicht etwa für einen spritzigen Waadtländer Chasselas, sondern für italienischen Discount-Wein. «Meine Eltern und ich waren sehr verärgert», sagt Winzer Alexandre Fischer aus Cully VD.

«Völlig daneben»

Ohnehin habe man wegen des Preisdrucks schon lange mit der Konkurrenz aus dem Ausland zu kämpfen, klagt der 36-Jährige. «Dass nun Aldi – ohne zu fragen – unser Weingut nimmt, um Werbung für Weine aus Italien zu machen, ist völlig daneben.» Die Werbung sei nicht nur unfair gegenüber einheimischen Weinbauern, sondern auch eine Irreführung der Konsumenten.

Warum Aldi mit Waadtländer Rebbergen für ausländischen Wein wirbt, kann sich Fischer nicht erklären: «Wir haben noch nie mit Aldi zusammengearbeitet. Wie sie auf unser Gut gestossen sind und woher sie das Foto haben, wissen wir nicht.» Seine Eltern hätten sich beim Grossverteiler vor einigen Tagen in einer E-Mail beschwert. Eine Reaktion sei bis dato ausgeblieben.

Konsumentenschützerin: «Irreführend und unnötig»

Auch Konsumentenschutz-Geschäftsleiterin Sara Stalder spricht von einer «perfiden Werbung» und einer «Irreführung» der Kunden. Durch das Foto des Lavaux, das über einen Drittel der Seite ausfüllt, werde klar Schweiz suggeriert. Zwar sei die wahre Herkunft des Weins in der Produktbeschreibung deklariert, räumt Stalder ein. «Aber um das zu sehen, muss man gut hinschauen.» Laut der Konsumentenschützerin wäre die Aldi-Werbung ein Fall für die Schweizerische Lauterkeitskommission (SLK), die sich für faire Werbung einsetzt.

Zu konkreten Beispielen äussert sich die SLK nicht. Sprecher Thomas Meier verweist auf deren Grundsätze, in denen es unter anderem heisst: «Kommerzielle Kommunikation ist unlauter, wenn eine Person, ein Unternehmen oder eine Organisation sich oder andere durch die Kommunikation unrichtiger oder irreführender Darstellungen, Aussagen oder Angaben vorteilhafter darstellt.» Insofern wäre im vorliegenden Fall zu prüfen, ob der Durchschnittskonsument durch das Bild zur falschen Annahme verleitet wird, es handle sich beim Angebot um Schweizer Wein. «Dabei ist stets der Gesamteindruck entscheidend», sagt Meier. Beschwerde wurde bislang aber keine eingereicht.

Dass sich die zweifelhafte Werbung gerade in der Aldi-Aktionsbroschüre findet, erstaunt Konsumentenschützerin Stalder. Der deutsche Discounter habe in letzter Zeit viele Schweizer Produkte in sein Sortiment aufgenommen, die er auch promoten könne. «Den italienischen Wein mit dem Bild einer Schweizer Weinregion anzupreisen, ist völlig unnötig und hat für Aldi einen Image-Verlust zur Folge», so Stalder.

Aldi räumt Fehler ein

Aldi räumt ein, dass die Bildauswahl des Lavaux in Verbindung mit den beiden italienischen Weinen «etwas unglücklich gewählt» sei. «Das Bild war als Symbolbild gedacht», schreibt Sprecher Philippe Vetterli auf Anfrage von 20 Minuten – und gelobt: «Wir werden diesen Aspekt künftig besser berücksichtigen.» Es sei nicht die Absicht von Aldi gewesen, seine Kundschaft oder gar Winzer zu verärgern. «Falls dies dennoch geschehen ist, so bedauern wir dies natürlich», so Vetterli. Die Beschwerde der Fischers werde man rasch beantworten.

Das abgedruckte Foto der Weinbaugebietes stamme von einem Fotoshooting aus dem Jahr 2018. Aldi verfüge über die Rechte für die unbegrenzte Verwendung, erklärt der Mediensprecher weiter.

Vetterli lässt nicht unerwähnt, dass ein erheblicher Anteil der dauerhaft erhältlichen Weine bei Aldi aus der Schweiz stammt – «bei Weisswein ist es sogar jeder zweite Artikel».

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