Aktualisiert 02.09.2006 21:29

Alex Frei rettet die Schweiz

Der 1:0-Erfolg gegen Venezuela musste lange erdauert werden. Erst in der 86. Minute gelang Alex Frei das siegbringende Tor gegen die aufopfernd verteidigenden Südamerikaner.

Ludovic Magnings Freistoss in die Mitte des Strafraums schien gar nicht richtig anzukommen; Daniel Gygax brachte gerade noch irgendwie den Fuss halb mit dem Absatz, halb seitlich an den Ball und realisierte so die ideale Vorlage auf Frei. Der Topskorer hatte die Situation richtig antizpiert und schob den Ball sicher zu seinem 30. Länderspieltor ein. Der 27-jährige Stürmer hievte sich damit in der ewigen Bestenliste auf die Höhe Trello Abegglens und ist noch vier Treffer von der Bestmarke von Kubilay Türkyilmaz entfernt. Kaum enrsthaft geprüft wurde die Abwehr. Pascal Zuberbühler, der in der Pause Diego Benaglio Platz machte, ist nun bereits 560 Minuten ohne Gegentreffer; die Schweiz nun immerhin auch seit sechs Partien.

Die Schweizer begannen die «erste EM-Vorbereitungspartie» (Köbi Kuhn) schwungvoll. Daniel Gygax schnappte auf der rechten Seite seinem Gegenspieler den Ball weg und bediente nach seinem Lauf an die Grundlinie den an der Strafraumgrenze lauernden Raphaël Wicky. Dessen harmloser Schuss wurde jedoch mühelos abgelenkt. Der Schwung flachte im knapp zur Hälfte gefüllten St.-Jakob-Park (12 500 Zuschauer), der wegen der halb fertiggestellten Zusatztribüne noch leerer wirkte, jedoch bald ab. Das Schweizer Spiel war zu träge und vor allem zu wenig präzis um die gut organisierten Südamerikaner in Bedrängnis zu bringen.

Zwar hatte Topskorer Alex Frei in der 24. Minute die wohl grösste Chance vor dem Seitenwechsel, doch schien er überrascht, dass Huggels Hereingabe bis zu ihm durchkam, und drosch den Ball weit übers Tor. Und je länger die erste Halbzeit dauerte, desto besser fanden die Venezolaner Mittel gegen die Schweizer Abwehr, die sich teils ungewohnte Fehler leistete. Philipp Degen liess sich auf der rechten Seite von Andreas Rouga wie ein Junior vorführen, doch vergab in der Mitte der nicht austrainiert wirkende José Torrealba die Flanke Rougas.

In der Offensive waren Streller und Frei wohl sichtlich bemüht, doch verzettelte sich der Neo-Dortmunder immer wieder mit seiner Wühlarbeit im Mittelfeld. Und Streller blieb seinem Ruf als Sturmtalent abermals einiges schuldig. Der 25-jährige Basler agierte an alter Wirkungsstätte mehr als einmal - positiv formuliert - unglücklich. Sein Schuss in der 36. Minute war, obwohl mit seinem starken linken Fuss, mehr eine Rückgabe als ein gefährlicher Abschluss; gleiches gilt für seinen Kopfball unmittelbar vor der Pause. Und unmittelbar vor seiner Auswechslung in der 68. Minute scheiterte Streller am ausgezeichnet spielenden Keeper Renny Vega.

Einen guten Einstand zeigte Alberto Regazzoni in seinen rund 25 Minuten. Zusammen mit Lustrinelli brachte der Sion-Akteur nochmals Schwung ins Schweizer Team. Ebenfalls zu seinem Debüt kam Gökhan Inler vom FCZ.

Sions Saborio trifft zweimal gegen Österreich

Österreich lag in Genf im Testspiel gegen WM-Teilnehmer Costa Rica zweimal in Rückstand, erkämpfte sich aber letztlich immerhin noch ein 2:2. Die Mittelamerikaner sind am Mittwoch in Genf nächster Gegner der Schweiz.

Costa Ricas neuer Trainer Carlos Watson hatte nach der WM einen grösseren Schnitt vorgenommen. Nur noch sechs WM-Spieler fanden in seinem Kader, in welchem auch der zurückgetretene Stürmerstar Paolo Wanchope fehlt, Berücksichtigung. Als zweifacher Torschütze konnte sich dafür Alvaro Saborio, der neue Angreifer des FC Sion, auszeichnen. Saborio verwertete in der 16. Minute einen fragwürdigen Handspenalty zum 1:0 und fünf Minuten vor der Pause traf er per Kopf zum 2:1.

Telegramme

Schweiz - Venezuela 1:0 (0:0)

St.-Jakob-Park. - 12 500 Zuschauer. - SR Hamer (Lux).

Tor: 86. Frei 1:0.

Schweiz: Zuberbühler (46. Benaglio); Philipp Degen, Müller, Grichting, Magnin; Huggel (46. Spycher); Gygax, Hakan Yakin (68. Regazzoni), Wicky (81. Inler); Frei, Streller (68. Lustrinelli).

Venezuela: Vega; Vallenilla, Vizcarrondo, Rey, Rouga; Guerra (60. Giroletti), Vielma (46. Arango), Mea Vitali, Rojas (72. De Ornelas); Torrealba (79. Chacon), Paez (83. Gomez).

Bemerkungen: Schweiz ohne Vogel, Cabanas (beide angeschlagen), Djourou, Barnetta, Margairaz, Dzemaili, Vonlanthen (alle in der EM-Qualifikation der U21 engagiert) und Senderos (verletzt). A-Team-Debüts von Regazzoni und Inler. 83. Vega lenkt Schuss von Lustrinelli an die Latte. Verwarnungen: 33. Magnin (Reklamieren), 40. Frei, 40. Rojas (beide Unsportlichkeit), 41. Guerra (Ballwegschlagen), 60. Mea Vitali (Foul), 77. Arango (Reklamieren).

Österreich - Costa Rica 2:2 (1:2)

Stade de Genève, Genf. - 300 Zuschauer. - SR Circhetta (Sz).

Tore: 16. Saborio (Handspenalty) 0:1. 36. Linz (Foulpenalty) 1:1. 40. Saborio 1:2. 60. Linz 2:2.

Österreich: Macho; Standfest, Stranzl, Feldhofer, Pogatetz; Aufhauser (79. Mörz), Prager (93. Hiden), Ivanschitz, Leitgeb; Wallner (57. Akagündüz), Linz.

Costa Rica: De Lemos; Myrie (32. Jonson), Cordero, Miller, Leonardo Gonzalez; Blanco (68. Herron), Sequeira, Carlos Hernandez, Diaz (68. Azufeifa); Ruiz (76. Solorzano), Saborio (81. Lopez).

Bemerkungen: Österreich ohne Kuljic (verletzt).

(fox/si) (si)

Stimmen zum Spiel:

Alex Frei (Stürmer, Torschütze zum 1:0): «Venezuela war klar stärker als Liechtenstein, aber die Schweiz hat mittlerweile auch die Qualität, um schlechte Spiele - oder sagen wir nicht so gute Spiele - zu gewinnen. Wir sind hier, um das Vierländerturnier zu gewinnen. Das haben wir am nächsten Mittwoch nun in den eigenen Händen und Füssen. Das Spiel wäre wohl anders verlaufen, hätten Marco (Streller) und ich unsere sogenannt 100-prozentigen Chancen in der ersten Halbzeit genutzt. Beim Tor habe ich richtig spekuliert. Manchmal hat man eben das Glück und läuft dumm in den Ball. Irgendeine Qualität muss ich ja auch haben (lacht).»

Daniel Gygax (Mittelfeldspieler): «Ich bin mit meiner Leistung nicht so zufrieden; das könnte noch besser sein. Dass wir trotzdem als Sieger vom Platz gegangen sind, spricht auch für unseren Charakter. Selber spüre ich eine gewisse Unsicherheit, weil ich in Lille kaum zum Einsatz komme. In besseren Tagen hätte ich bei meiner Chance vielleicht Vollspann geschossen und es nicht mit dem Innenrist versucht. Deshalb bin natürlich um jede Minute froh, die mir Köbi Kuhn im Nationalteam schenkt; das gibt mir wieder Selbstvertrauen.»

Stimmen der Coaches:

Köbi Kuhn: «Es war nicht die grosse Show heute. Wenn man es negativ betrachtet, müsste man das Spiel mit diesen Chancen früher entscheiden. Positiv ist sicher, dass wir kein Gegentor bekommen haben. Aber an der Chancenauswertung müssen die Stürmer arbeiten. Es ist natürlich auch eine Frage des Selbstbewusstseins, das wieder kommen muss. Zufrieden bin ich mit der Einstellung. Abstriche machen müssen wir auf der Ebene der körperlichen Fitness.»

Richard Paez: «Ein Lotterieschuss entschied das Spiel. Wir hätten eigentlich ein Unentschieden verdient. Aber ich denke, wir zeigten, dass auch wir Fussball spielen können. Professor Kobi gratuliere ich zu seiner grossartigen Arbeit an der WM.»

Deine Meinung

Fehler gefunden?Jetzt melden.