Freis Rücktritt: Alex Frei und der Griff an die Hintertüre
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Freis RücktrittAlex Frei und der Griff an die Hintertüre

Die Schweizer Medien weinen dem Stürmer nur wenige Tränen nach. Vielmehr wird der Zeitpunkt seines Abgangs in Frage gestellt – und ob er denn so stattfindet.

von
tog

Maximal bestreitet Alex Frei noch vier Spiele für die Schweiz. Ein Testspiel in Genf gegen die Ukraine , ein Testspiel in Malta und danach die zwei Auswärts-Partien in der EM-Qualifikation gegen Bulgarien und England. Alex Frei will sich seine Natikarriere mit einem Auftritt im legendären Wembley-Stadion selber krönen: «Dieser Traum spielte in seiner Entscheidung, den Bettel nicht sofort hinzuschmeissen, sondern die Saison zu Ende zu spielen, die vermutlich grössere Rolle als die Überredungskunst von Ottmar Hitzfeld», schreibt 20 Minuten.

Wie andere Aktionen des Naticaptains – man erinnere sich an Freis Geste bei seinem 40. Tor, oder sein Schweigegelübde während der WM – lässt auch seine vermeintlich letzte viel Raum für Interpretationen. Argwöhnische Interpretationen. Einerseits haftet der scheinbar perfekten Orchestrierung ein fader Beigeschmack an, schliesslich endet Freis Karriere nicht irgendwo, sondern in einem der grössten Fussballtempel dieser Welt. Das riecht nach Bundesrat, der sich als letztes Zückerchen noch eine Klimakonferenz gönnt. Andererseits muss nachdenklich stimmen, dass der Rekordtorschütze und Captain der Schweiz seine letzte Amtshandlung in der Ferne ausüben will – oder zum Selbstschutz muss.

Die Sportinformation nennt Freis Abgang einen «Deal». Einen «Deal», den Trainer Ottmar Hitzfeld nur eingegangen ist, weil «der Nationalcoach einen sofortigen Verlust des Rekordschützen verhindern wollte, weil weit und breit kein Realersatz in Sicht ist». Gewohnt schärfer geht der «Blick» mit Frei ins Gericht: «Was soll das?», lautet hier die Frage. «Der Captain lässt die Nati nächsten Sommer mitten in der EM-Qualifikation im Stich!». Unerwähnt bleibt in diesem Fall, dass Frei seit einem Jahr nicht mehr für die Nati getroffen hat. Dazu der Kommentar der Aargauer Zeitung: «Frei ist auf nationaler Ebene nach wie vor ein herausragender Stürmer. International ist er dies nicht mehr … Frei kann auf dieser Stufe im Gegensatz zu Marco Streller einer Mannschaft nur noch mit Toren helfen. Erzielt er sie nicht, wie seit langem im Nationalteam, dann wird er zum Hemmschuh.»

Rücktrittsankündigung mit Interpretationsspielraum

Einig ist man sich hingegen, dass man mit Alex Frei einen der in der Nationalmannschaft so rar gesäten «Typen» und eine Führungspersönlichkeit verliert. Er sei ein «Alphatier», attestieren ihm «Blick», die «Sportinformation» und auch die «Aargauer Zeitung». Ein Alphatier, das zuletzt den Draht zu den Fans verlor.

Ebenfalls einig ist man sich, dass Freis Formulierung im Communiqué einigen Spielraum offen lässt: «Die Hand am Griff der Hintertüre», titelt die «NZZ» und meint damit die Phrase, dass der Stürmer «seinen Rücktritt plant». Planen kann man vieles – erhoffen auch. Dass Frei nicht sogleich den Rücktritt gibt, erklärt der «Tages-Anzeiger» damit, dass er so nur als «schlechter Verlierer in Erinnerung geblieben wäre», um sogleich anzuhängen, dass Frei sich so weiterhin alle Möglichkeiten offenhält.

Wer sich auf Youtube die schönsten Frei-Tore in der Nationalmannschaft zu Gemüte führen will, muss gut suchen, um zwischen den FC Basel- und Dortmund-Tribute-Videos fündig zu werden. Unter den Borussia- und Basel-Fans ist der Tenor einstimmig: Frei ist der Grösste. «Abschiedsvideo für den besten und sympathischsten Spieler, den es jemals auf dem Platz gegeben hat und geben wird», beschreibt ein BVB-Fan sein Tribute-Video. Ein solches wird ihm in der Nationalmannschaft verwehrt. In Erinnerung wird Alex Frei aber trotzdem bleiben.

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