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InterviewAlex von Franz Ferdinand: «Wir wiederholen uns nicht»

Die schottischen Dancerocker Franz Ferdinand sind in aller Munde – und mit dem neuen Album «You Could Have It So Much Better With» bald auch in aller Ohren. 20 Minuten traf Frontmann Alex Kapranos (33) in Paris.

Draussen steht eine riesige Schlange von Journalistinnen. Gewährt ihr eigentlich auch Männern Interviews?

Alex Kapranos (lacht): Wenn wir Lust haben. Nein, im Ernst: Heute war ein Journalist da. Aber ich muss zugeben, dass er stark in der Minderheit war.

Dann hat sich euer Ziel, Mädchen zum Tanzen zu bringen, offenbar erfüllt...

Alex: Es scheint so! Wobei diese Aussage verkürzt durch die Presse geisterte. Wir wollen zwar Mädchen zum Tanzen bringen, aber Jungs genauso!

Franz Ferdinand. (Bild: perou)

Und was ist das Ziel eures neuen Albums?

Alex: Es soll nicht gleich klingen wie das Debüt! Als wir anfingen, Musik zu machen, wollten wir uns vor allem von den Bands unterscheiden, die damals angesagt waren: The White Stripes, The Libertines, The Strokes. Jetzt grenzen wir uns ironischerweise von uns selbst ab. Wir mögen uns nicht wiederholen. Wenn die Leute das neue Album hören und denken: Es klingt gleich wie das letzte, haben wir etwas falsch gemacht.

Neu sind etwa die beinahe balladesken Klänge im Song «Walk Away»....

Alex: Genau. Da hat es zum Beispiel ein Klavier, was man auf unserem Debüt nie hörte. Oder «Outsiders»: Das ist ein Song, der erneut zum Tanzen animieren will, dessen Rhythmus aber komplett neu ist. «Walk Away» scheint übrigens besonders bei den Frauen anzukommen.

Wie siehts thematisch aus – Gibt es einen roten Faden, der sich durchs Album zieht?

Alex: Nicht wirklich. Wir machen keine Konzeptalben, jedes Lied soll für sich selbst stehen. Trotzdem haben einige Songs Gemeinsamkeiten: Sie loten die Grenzen der Normalität aus. Zudem bauen wir oft Charaktere aus unserem Umfeld in die Texte ein. Wir heroisieren sie richtiggehend, das hört man etwa in «The Fallen».

(Bild: perou)

Da dringt eure Liebe zur Literatur durch. Habt ihr eigentlich euren Lese-Club noch?

Alex: Wir tauschen immer noch Bücher, wie es normale Freunde tun. Ich stehe im Moment auf Charles Bukowski, während Bassist Bob Hardy sich für Paul Auster begeistert. Und dann ist da natürlich die Kollektion von Graham Greene... Seine Helden haben ähnlich optimistische, fast naive moralische Standards wie die in unseren Songs...

Ihr macht beste Werbung für die Kunstschulen, die ihr einst besucht habt! Seid ihr schon Ehrenmitglied?

Alex: Ich noch nicht, und das wäre mir auch sehr peinlich, weil ich ein schrecklicher Student war. Jede Arbeit, die ich einreichen musste, kam zu spät. Und so gings ja auch mit unserem zweiten Album.

Euer Erstling ist knapp anderthalb Jahre alt. Das ging doch recht fix....

Alex: Naja, ich finde halt, dass die meisten Bands sich zuviel Zeit nehmen für ihre Musik. Die machen ein Album und dann drei Jahre Pause. Guck dir mal Bob Dylan an: Der hat in den Sixties innert kürzester Frist mehrere Meilensteine produziert.

Täuscht der Eindruck oder bestimmst du bei Franz Ferdinand, wo's lang geht?

Alex: Zugegeben: Ich habe die grösste Klappe. Aber das ist alles. Unsere Songs entwickeln wir gemeinsam, da sind alle gleich wichtig. Eine Band sollte weder eine Diktatur noch eine Demokratie sein – Sie sollte einfach aus ein paar Freunden bestehen, die gern zusammen Musik machen.

Interview: Claudia Schlup

(Bild: Joe Dilworth)

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