Aktualisiert 03.11.2009 08:06

Mord aus purem HassAlex W. ist wütend auf seine Mutter

Im Prozess um den Mord an der Ägypterin Marwa El-Sherbini im Gerichtssaal hat der Angeklagte erneut für eine Verzögerung gesorgt: Alex W. hatte sich aufgeregt, weil seine Mutter der Sonntagspresse ein Interview gegeben hatte.

Der 28-Jährige konnte am Montag im Dresdner Landgericht erst nach einer längeren Unterbrechung aus dem Haftkeller in den Gerichtssaal gebracht werden. Wie die Vorsitzende Richterin Birgit Wiegand sagte, hatte er sich über ein Interview, das seine Mutter am Wochenende gegeben hatte, «sehr erregt».

Die Mutter hatte sich in der «Bild am Sonntag» geäussert und unter anderem erklärt, ihr Sohn sei verzweifelt und wolle nicht mehr leben. «Sein Bild vom Islam, seinen Hass, das muss Alex vom Fernsehen haben», wurde sie zitiert.

Sohn bezichtigt sie des Verrats

Die Richterin sagte, der Angeklagte Alex W. habe dies als Verrat empfunden, da eine solche Veröffentlichung mit ihm offenbar nicht abgesprochen gewesen sei. Der Prozess wurde schliesslich fortgesetzt, nachdem sich der Angeklagte beruhigt und ihn eine Rechtsmedizinerin für verhandlungsfähig erklärt hatte.

Die Richterin zeigte sich überrascht und verwies darauf, dass sich die Mutter bislang geweigert habe, vor Gericht als Zeugin auszusagen. Die 55-Jährige soll nun erklären, ob es auch nach dem Interview dabei bleibe. Es ist nicht die erste Verzögerung, die der Angeklagte verursacht hat. In der vergangenen Woche war er bei der Vorführung aus dem Gefängnis und später im Gerichtssaal ausgerastet und hatte damit für eine stundenlange Verzögerung gesorgt (20 Minuten Online berichtete).

Zeugen beschreiben Angeklagten als aggressiv

Alex W. hatte die Ägypterin auf einem Spielplatz als «Islamistin» und «Terroristin» beschimpft und war zu einer Geldstrafe verurteilt worden. In der Berufungsverhandlung vor dem Dresdner Landgericht am 1. Juli hatte er die schwangere 31-jährige Muslimin mit 16 Messerstichen getötet und ihren Mann, der sie schützen wollte, ebenfalls mit 16 Stichen lebensgefährlich verletzt. Der dreijährige Sohn des Ehepaars musste die Bluttat mit ansehen.

Bei dem Vorfall auf dem Spielplatz Mitte 2008 war die Mutter dem Bericht zufolge mit anwesend. Nach ihrer Schilderung trat die Ägypterin seinerzeit fordernd auf. Eine 33-jährige Zeugin sagte dagegen aus, der Angeklagte sei sofort aggressiv geworden, als die Frau ihn ruhig und freundlich gebeten habe, eine Schaukel für ihr Kind freizugeben. Ein anderer Zeuge gab an, der Angeklagte habe die Muslimin massiv beschimpft, ihr das Lebensrecht abgesprochen und sich auch von hinzugerufenen Polizisten nur schwer beruhigen lassen.

Der Mann hatte die Beschimpfungen an der Schaukel mitbekommen und war wie die 33-Jährige der Ägypterin zu Hilfe gekommen. Wie weiter bekannt wurde, soll der Angeklagte in der Vergangenheit im Hof eines Wohnhauses spielenden muslimischen Kindern gedroht haben, er werde sie abstechen, wenn sie nicht bald ruhig seien. Ein Zeuge sagte aus, dass der Angeklagte 2006 in einem Integrationskurs nach einem Streit mit einem Messer auf einen Mitschüler losgegangen sei, allerdings sei nichts weiter passiert.

Ein 21-jähriger Bekannter des Angeklagten beschrieb ihn als Einzelgänger. «Er hatte keine Vorstellungen von seiner Zukunft, er hat kein Ziel im Leben gehabt.» Über seinen Hass auf Ausländer habe er nicht mit ihm geredet. (dapd)

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