Snooker: Alexander ist der einzige Profi-Spieler der Schweiz
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SnookerAlexander ist der einzige Profi-Spieler der Schweiz

Der Rheinfeldner Alexander Ursenbacher (20) vom Snooker Club Basel ist frisch gekürter U21-Europameister – und hat noch Grösseres vor.

von
rob

Alexander Ursenbacher ist mit 20 Jahren bereits unter den 128 besten Snooker-Spieler der Welt.

Die Trophäen-Vitrine im Basler Snooker Club in Münchenstein ist stattlich gefüllt. Dafür verantwortlich ist Alexander Ursenbacher. Der 20-jährige Rheinfeldner ist das Jungtalent der Schweizer Snooker-Szene. Im März erspielte er sich in Zypern den Europameister-Titel und darf sich nun an der folgenden Main Tour wieder mit den 128 besten Spielern der Welt messen. Auch an der Qualifikation für die WM, welche vom 15. April bis zum 1. Mai im englischen Sheffield stattfindet, war er mit dabei.

«Das will ich für immer machen»

Mit dem Snooker angefangen hat er 2008. Damals sei ihm beim Billardspielen ebenjener Tisch aufgefallen, der über grössere Masse und kleinere Taschen verfügt. Im Fernsehen sah er dann, was die Snooker-Profis auf diesen Tischen alles hinkriegen. «Ich fragte mich: Wie schaffen die das?», erzählt Ursenbacher. Er sah im Spiel eine Herausforderung, die er annehmen musste: «Als ich zwei-, dreimal gespielt habe, wusste ich: Das will ich für immer machen.»

Auch Tennis und Cello habe er zu jener Zeit gespielt und Kampfsport betrieben. Doch «klick gemacht», wie er sagt, habe es einzig beim Snooker. So trat er direkt in den Snooker Club Basel ein. 2009 wurde er bereits Schweizer Meister bei den Junioren, 2012 und 13 holte er den Titel dann bei den Herren.

Mit 17 bereits Profi

2013 durfte Ursenbacher zum ersten Mal an der Main-Tour teilnehmen – mit 17 Jahren. «Der Erwartungsdruck aus meinem Umfeld war sehr gross», sagt er. Bei seiner zweiten Teilnahme an der Profi-Tour ist er nicht geringer: «Mit der Erfahrung wird es leichter, mit dem Druck umzugehen», sagt er. So reiche auch das Können allein nicht, um zu gewinnen. Die Reife sei genauso wichtig.

«Ich habe mich entwickelt und weiss nun, dass ich gut genug bin, um auch sehr gute Spieler zu schlagen», sagt Ursenbacher über sich selbst. Diesen Worten lässt sich entnehmen: dieser junge Snooker-Profi weiss, wohin er will.

Eine Lehre hat er deswegen gar nicht erst angefangen. «Wenn ich eine Ausbildung machen würde, könnte ich nicht an den Turnieren teilnehmen, und damit auch meinen Rang nicht halten oder aufsteigen», begründet er. Es sei ein grosses Risiko, das er für den Sport eingehe. Denn laut Ursenbacher könnten nur die Top 32 vom Snooker allein leben. «Sollte es nicht klappen, kann ich immer noch einen Job suchen oder doch noch eine Lehre machen», sagt der 20-Jährige.

Finanziell ist es schwierig

Seit Februar arbeitet er Teilzeit, um sich die eigene Wohnung in Basel zu finanzieren. «Ohne Sponsoren ist es finanziell gesehen schwer.» Das Problem sei auch, dass der Präzisionssport in der Schweiz im Gegensatz zu England beispielsweise nur wenige aktive Spieler hervorbringe. «Ich bin stolz, der einzige Snooker-Profi in der Schweiz zu sein. Aber ich will auch Nachwuchs ins Boot holen», sagt Ursenbacher, der sich in einer Vorbildposition sieht.

Mit der Teilnahme an der WM-Quali besetzt er diese auf alle Fälle. Aber Ursenbacher bleibt auf dem Boden: «Dass ich dieses Jahr Weltmeister werde, ist kaum realistisch», sagte er im Vorfeld. Bei der EM war er noch der einzige Profi auf der Liste. Bei der WM seien alle Teilnehmer mindestens so gut wie er.

So kam es dann auch, dass er nach zwei gewonnen Quali-Runden in der dritten gegen den Chinesen Yan Bingtao ausschied. Entmutigen lässt er sich davon nicht: «Ich will unter den Top 64 bleiben», schliesst er.

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