Inhaftierter Oppositioneller - Alexej Nawalny darf im Straflager nicht den Koran lesen
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Inhaftierter OppositionellerAlexej Nawalny darf im Straflager nicht den Koran lesen

Der russische Oppositionsführer Nawalny will im Straflager den Koran lesen. Die Gefängnisleitung verwehrt ihm dies aber.

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Alexej Nawalny will im Straflager den Koran lesen.

Alexej Nawalny will im Straflager den Koran lesen.

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Der inhaftierte Oppositionelle sagt, er brauche den Koran um seinen «Werdegang als Christ» fortzuführen.

Der inhaftierte Oppositionelle sagt, er brauche den Koran um seinen «Werdegang als Christ» fortzuführen.

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Im Februar wurde Nawalny in das Straflager N2 in der Kleinstadt Pokrow rund hundert Kilometer östlich von Moskau gebracht.

Im Februar wurde Nawalny in das Straflager N2 in der Kleinstadt Pokrow rund hundert Kilometer östlich von Moskau gebracht.

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Darum gehts

  • Alexej Nawalny will in Haft den Koran lesen.

  • Die Gefängnisleitung verwehrt ihm dies aber.

  • Nawalny hatte im August des vergangenen Jahres einen Anschlag mit einem Nervengift überlebt.

Der inhaftierte Kreml-Kritiker Alexej Nawalny darf in seinem Straflager nach eigenen Angaben nicht den Koran lesen. Falls ihm die heilige Schrift der Muslime weiter vorenthalten werde, werde er die Gefängnisverwaltung verklagen, schrieb Nawalny am Dienstag im Onlinedienst Instagram.

Der russische Oppositionspolitiker erklärte, er habe sich vorgenommen, während seiner Haft den Koran «gründlich zu studieren und zu verstehen». Es mache ihn wütend, dass ihm dies verwehrt werde. Nawalny gab an, den Koran gelesen, aber noch nicht verinnerlicht zu haben. Er habe festgestellt, dass sein «Werdegang als Christ auch das Studium des Korans erfordert», erklärte er zum Auftakt des muslimischen Fastenmonats Ramadan.

Der 44-Jährige war zu Beginn seiner politischen Karriere in die Kritik geraten, weil er muslimische Einwanderer vorwiegend aus Zentralasien verspottet hatte.

Internationale Kritik

Nawalny hatte im August des vergangenen Jahres einen Anschlag mit einem Nervengift aus der Nowitschok-Gruppe überlebt. Nach dem Anschlag, für den Nawalny den Kreml verantwortlich macht, wurde der prominente Kritiker von Staatschef Wladimir Putin nach Deutschland geflogen und in der Berliner Charité behandelt. Unmittelbar nach seiner Rückkehr nach Russland im Januar wurde er festgenommen.

Der Oppositionspolitiker wurde dann wegen angeblicher Verstösse gegen seine Bewährungsauflagen zu mehr als zweieinhalb Jahren Haft in einem Straflager verurteilt. Die Entscheidung wurde international scharf kritisiert und löste Massenproteste in Russland aus.

Im Februar wurde Nawalny in das Straflager N2 in der Kleinstadt Pokrow rund hundert Kilometer östlich von Moskau gebracht. Ende März trat Nawalny aus Protest gegen seine Haftbedingungen in einen Hungerstreik. Seine Unterstützer hatten sich zuletzt besorgt über den Gesundheitszustand des 44-Jährigen geäussert. Sie fordern seine Verlegung in ein reguläres Krankenhaus.

Nawalnys Frau über Gesundheitszustand besorgt

Die Frau des inhaftierten Kreml-Kritikers Alexej Nawalny sorgt sich nach eigenen Worten zusehends um die Gesundheit ihres Mannes. Als sie ihn am Dienstag im Straflager besucht habe, habe Nawalny Schwierigkeiten gehabt zu sprechen und sich zum Ausruhen immer wieder auf einen Tisch gelegt, schrieb Julia Nawalnaja im Online-Dienst Instagram. Die Gefängnisverwaltung verweigere ihrem im Hungerstreik befindlichen Mann weiterhin ärztliche Versorgung.

«Ich weiss, dass er nicht aufgeben wird», schrieb Nawalnaja. «Aber nach dem Besuch bei Alexej, sorge ich mich noch mehr um ihn.» Laut Nawalnaja wiegt der 1,89 Meter grosse Kreml-Kritiker derzeit 76 Kilogramm – neun Kilogramm weniger als zu Beginn seines Hungerstreiks vor zwei Wochen und 17 Kilogramm weniger als vor seiner Verlegung ins Straflager im Februar.

Mit dem Hungerstreik will der 44-jährige Oppositionspolitiker erreichen, dass ihm eine angemessene medizinische Versorgung gewährt wird. Nawalnys Unterstützer fordern seine Verlegung in ein reguläres Krankenhaus. Ihren Angaben zufolge, klagte der prominente Kritiker von Russlands Staatschef Wladimir Putin zuletzt über heftige Rückenschmerzen und Taubheitsgefühle in Armen und Beinen.

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(AFP/ns)

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