Aktualisiert 29.07.2012 00:18

Pompöser AuftaktAli, die Queen und Mr. Bean im Rampenlicht

Die Olympischen Spiele sind eröffnet. Die Briten boten eine Show der Superlative. Gekrönt wurde der Abend mit dem Auftritt von Muhammad Ali.

von
Monika Reinhard
London

Alles beginnt auf einer idyllischen Weide mit Pferden, Kühen, Ziegen, Schafen, Geflügel und geschäftigen Bauern. Doch das Bild wird rasch zerstört. Es schnellen riesige Schornsteine aus dem Boden, die Industrialisierung beginnt. Man hämmert und schmiedet, was das Zeug hält. Das Resultat: Fünf glühende Ringe, die das Stadiondach zieren - die Olympia-Ringe.

Es folgt ein Einspieler auf der Video-Leinwand - mit zwei nicht ganz unbekannten englischen Persönlichkeiten. Der Inhalt: Kein Geringerer als Agent 007, James Bond, holt Queen Elizabeth II im Buckingham Palace ab, um sie zur Eröffnungsfeier zu geleiten. Die beiden fliegen mit einem Helikopter über London, wo ihnen die Leute zahlreich zuwinken. Der echte Fallschirm-Absprung ins Stadion fällt allerdings aus. Die Queen erscheint im Anschluss des Films im Publikum an der Seite ihres Gemahls Prinz Philip und IOC-Präsident Jacques Rogge.

Mr. Beans grosser Auftritt

In der Folge erhalten Englands grosse Kinderbuchhelden ihr Schaufenster. Allen voran Captain Hook, Lord Voldemort sowie Mary Poppins. Harry-Potter-Autorin JK Rowling liest währenddessen eine Passage aus Peter Pan. Die britische Kino-Tradition wird durch das London Symphony Orchestra gewürdigt. Mit dabei: Überraschungsgast Rowan Aktinson alias Mr. Bean. Dieser wirbelt die Komposition ganz schön durcheinander, als er in einen Tagtraum verfällt. In diesem betätigt sich der Komiker sportlich - und als ihm seine Konkurrenten davonrennen, lässt er sich in Bean'scher Manier etwas einfallen, um doch noch als Erster die Ziellinie zu überqueren. Das Publikum ist ausser sich.

Besonders beeindruckend inszeniert folgt die Liebesgeschichte zwischen Frankie und June mit zahlreichen Video- und Lichteffekten. Hinter jedem der 80 000 Sitze im Stadion ist ein Gerät mit neun LED-Lämpchen installiert, die je nach Choreografie in verschiedenen Farben leuchten. Ausserdem sind die Zuschauer Teil der Darbietungen, indem sie die Lichter nach Anweisung bewegen.

Während längerer Zeit ertönen bei dieser Show zahlreiche englische Musik-Klassiker von den Beatles, Queen, Sex Pistols über die Pet Shop Boys bis hin zu den Sugababes aus den Lautsprechern. Ob die Queen über diese lange Sequenz mit sehr lauten Tönen «amused» war, ist unbekannt.

Spezielle Momente für Wiggins und Ali

Natürlich kommt auch dem Sport eine grosse Rolle zu. So ist es der erste britische Tour-de-France-Sieger Bradley Wiggins, der zu Beginn der Eröffnungsfeier die grosse Bühne betritt. Der Radprofi, der die Grande Boucle vor nicht einmal einer Woche für sich entschieden hat, lässt unter tosendem Applaus die olympische Glocke erklingen.

Gegen Ende der Zeremonie kommt es zu einem berührenden Höhepunkt: Beim Hereintragen der Olympia-Fahne mit den fünf Ringen wartet kurz vor dem Aufzug Muhammad Ali. Die 70-jährige Box-Legende, die an Parkinson erkrankt ist, löst mit ihrem Auftritt grosse Emotionen aus.

Muhammad Alis Auftritt bei der Eröffnungsfeier (Quelle: YouTube)

Wawrinka führt die Schweizer ins Stadion

Und natürlich nicht zu vergessen: Die Athleten der 204 teilnehmenden Nationen. Diese Geschichte ist rasch erzählt. Während rund zwei Stunden lächeln und winken die Athletinnen und Athleten gut gelaunt in die Kamera. Für die Schweiz schreitet Fahnenträger Stanislas Wawrinka stolz voraus. In der Mitte des Stadions erleben die Olympioniken in nächster Nähe mit, wie das olympische Feuer entzündet wird.

Das Schlussbouquet macht schliesslich Paul Mc Cartney mit dem Beatles-Hit «Hey Jude». Einige Athleten toben ausgelassen herum, während die Delegationen langsam das Stadion verlassen. Nach einem unvergesslichen Abend gilt es, sich nun auf die Wettkämpfe zu konzentrieren.

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